PowerPoint-Präsentation

PowerPoint-Präsentation

Arbeitsrecht im Betrieb Dr. jur. Joachim Ingendahl 3. Vorlesung Sommersemester 2014 Stand 24.03.2014 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 1 Arbeitsrecht im Betrieb 0 Vor- & Nachbereitung der Vorlesung Power Point Datei als Skript & in Moodle bersicht & Strukturen Lernkarten fr Nacharbeit Arbeitsgemeinschaften: 3 5 Teilnehmer 2 3 Stunden, einmal wchentlich

Arbeitsmittel: Wichtige Arbeitsgesetze, 20. Auflage Schaub Arbeitsrechtshandbuch, 14. Auflage 2011, fr Dauer der Arbeitsgemeinschaften Entleihe aus Bibliothek Individuelle Schwerpunkte & berufl. Perspektiven: Kranke Mitarbeiter Bewerberauswahl Leistungsfrderung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 2 Arbeitsrecht im Betrieb 0 AbkrzungenAllgemein AG Arbeitgeber AGB Allgemeine Geschftsbedingungen AN Arbeitnehmer a. o. auerordentlich/-e

ArbG Arbeitsgericht AV Arbeitsvertrag BA Bundesanstalt fr Arbeit BAG Bundesarbeitsgericht BG Berufsgenossenschaft BR Betriebsrat event. eventuell ff fortfolgende G Gesetz gg. gegen grds. grundstzlich i.d.R. in der Regel IG Industriegewerkschaft LAG Landesarbeitsgericht MTV Manteltarifvertrag o. oder Std. Stunde TV Tarifvertrag UVV Unfallverhtungsvorschriften der BG VO Verordnung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

3 Arbeitsrecht im Betrieb 0 Abkrzung Gesetz AGG Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz AEntG Arbeitnehmerentsendegesetz ArbMedVV Verordnung zur arbeitsmedizinischen Vorsorge (BG) ArbSchGArbeitsschutzgesetz ArSiG Arbeitssicherheitsgesetz ArbZG Arbeitszeitgesetz BGB Brgerliches Gesetzbuch BBiGBerufsbildungsgesetz BDSG Bundesdatenschutzgesetz BEEG Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz BetrVG Betriebsverfassungsgesetz BUrlG Bundesurlaubsgesetz EntgFGEntgeltfortzahlungsgesetz GewO Gewerbeordnung GG Grundgesetz GmbHG Gesellschaft mit beschrnkter Haftung Gesetz HGB Handelsgesetzbuch InsO Insolvenzordnung JSchG Jugendschutzgesetz

KSchG Kndigungsschutzgesetz MuSchG Mutterschutzgesetz NachwG Nachweisgesetz SGB Sozialgesetzbuch SGG Sozialgerichtsgesetz TVG Tarifvertragsgesetz TzBfG Teilzeit- und Befristungsgesetz Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 4 Arbeitsrecht im Betrieb 1 Arbeits- & Organisationspsychologe Ihr beruflicher Einsatz erfolgt in Personalabteilung-en. Aus organisatorischen und Kostengrnden mssen Personalverantwortliche das arbeitsrecht-liche

Tagesgeschft berwiegend ohne fachan-waltliche Begleitung bewltigen. Nur wenn Sie die beteiligen Institutionen, ihre Aufgaben & Rechte, die wesentlichen Rechtsvorschriften sowie die aktuelle Rechtsprechung kennen und verstehen, knnen Sie den sozialen Frieden schonen und 1.kompetent reagieren sowie 2.rechtssichere Entscheidungen treffen, die Ihre Mitarbeiter nachvollziehen und ggf. einer berprfung durch die Arbeitsgerichte standhalten. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 5 Arbeitsrecht im Betrieb 1 Beteiligte im Arbeitsrecht 1.Arbeitsvertrag: 1. Arbeitgeber Direktionsrecht 2. Arbeitnehmer Existenzielle Abhngigkeit 2.Sozialversicherungen, Behrden: 1.

2. 3. 4. 5. 6. Krankenkassen & Pflegekassen Deutsche Rentenversicherung mit Prfdienst Bundesanstalt fr Arbeit + Arbeitsmter Berufsgenossenschaft: Arbeitsunflle und -sicherheit Finanzmter Abfhrung der Lohnsteuer Zoll Bekmpft Schwarzarbeit 3.Betriebsrat: Mitbestimmung AN zum Wohl des Betriebs 4.Gewerkschaften: Arbeitsbedingungen, insbes. Lhne durch Tarifvertrge 5.Arbeitsgerichte: Anwendung GG,Gesetze,TV 6. Gesetzgeber: Arbeitsrechtliche Gesetze Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 6 Arbeitsrecht im Betrieb

Vorlesung 1 Thema 1. Grundgesetz: Staatsgewalten, ffentl. &privates Recht 2. BGB Allg.T, Vertrge, GesellschaftsR, absolute Rechte 3. Dienst- und Arbeitsvertrge im Zivil- & SozialversR 4. Sozialversicherungen: Sozialgesetzbcher SGB 5. Allgemeiner Kndigungsschutz & -klage 6. Gewerkschaften & Tarifvertrge, AN-berlassung 7. Betriebsrat: Betriebsvereinbarung, Beteiligungsrechte 8. Sonstige arbeitsrechtliche Gesetze 9. Gestaltung durch Arbeitsvertrge und ihre Grenzen 10.Recruting & Diskriminierungsverbote des AGG 11.Arbeitsschutz & -sicherheit 12.Kranke Mitarbeiter & Gesundheitsfrderung 13.Wiederholung & Vertiefung: Kndigungsschutz 14.WuV: Rechtstrger & Rechte 1. Probeklausur 15.WuV: Rechtsmittel & -wege 2. Probeklausur Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 7 Arbeitsrecht im Betrieb 1 Grundgesetz und Staatsgewalten Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 8 Arbeitsrecht im Betrieb 1 Bundes- Republik Deutschland Republik: Staatsform = Keine Monarchie Bundesstaat: 16 Lnder, NRW, Bayern, HH usw.

Demokratie: Die Staatsgewalt (kratie = Herrschaft) geht vom Volke (= Demos-) aus Wahlen: Direkt & unmittelbar Mehrheitsprinzip, jede Stimme gleich Urteile: Im Namen des Volkes Verfassung: Grundgesetz Verfassungsgeber: Das Volk Erlass: Verfassungsgebende Versammlung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 9 Arbeitsrecht im Betrieb 1 Gewaltenteilung im Grundgesetz Art. 70 ff Gesetzgebung Legislative Bundestag, -rat, -prsident - Lnderparlamente Art. 83 ff Verwaltung Exekutive

Bundesministerien - Lnderverwaltungen nach ffentlichem Recht - - Art. 92 ff Gerichte Judikative - Gerichtsbarkeiten - Rechtszge http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/index.html Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 10 Arbeitsrecht im Betrieb 1 Grundgesetz: Grundrechte: Schutz des Brgers vor Staat

Ausstrahlung auf AG Art. 2 Freie Entfaltung, Schutz der krperlichen Integritt: Weder Eingriff noch Untersuchung Art. 3 Gleichheit, insbes. Mnner + Frauen Arbeitsrechtliche Gleichbehandlung Art. 4 Glaubens- u. Gewissensfreiheit (siehe AGG) Art. 5 Freie Meinungsuerung, Pressefreiheit Art. 6 Ehe und Familie Art. 8 Versammlungsfreiheit, insbes. Demonstrationen Art. 9 Vereinigungsfreiheit: Abs. 3 Gewerkschaften und Streikrecht Art. 12Berufsfreiheit, freie Arbeitsplatzwahl Art. 14Eigentum Art. 19Gesetzesvorbehalt: Einschrnkung von Grundrechten nur durch ein Gesetz Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 11 Arbeitsrecht im Betrieb 1

Zusammenwirken der Gewalten Gesetze: Rahmen und Strukturen des Zusammenlebens in der Gesellschaft Verbindlich fr alle Nicht systematisch, Spiegel des politischen Willens Durchsetzung durch Verwaltung & Gerichte Verwaltung: Gesetzesvollzug Wahrnehmung der Aufgaben, z.B. Steuern einnehmen Repressiv: Verteidigung gegen Verste Gerichte: Auf Klage: Anwendung der Gesetze, auch Aufsicht Bundesverfassungsgericht: Kein rechtsfreier Raum Sonderstatus als Hter der Verfassung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 12

Arbeitsrecht im Betrieb 1 Europische Gemeinschaft EU Grundgesetz: Staatsziel, Art. 23: Vereinigtes Europa Hoheitsrechte auf zwischenstaatliche Einrichtungen, Art. 24 Europisches Parlament: Wahl durch alle EU- Brger Rechtsetzungen durch: Richtlinien: Auftrag an Nationale Gesetzgeber Rechtsverordnungen: Unmittelbare Bindung Europische Kommission: Executive wie Regierung Alleiniges Initiativrecht im Gesetzgebungsverfahren Europischer Gerichtshof (den Haag): Anrufung nur durch nationale letztinstanzliche Obergerichte Arbeitnehmer- Freizgigkeit: Jeder Unionsbrger kann ungeachtet seines Wohnortes in jedem Mitgliedsstaat eine Beschftigung aufnehmen und ausben.

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 13 Arbeitsrecht im Betrieb 1S Streik des ffentlichen Dienstes Gewerkschaft Verdi: Angestellte & Arbeiter (keine Beamten) Verwaltungen von Bund, Lndern, Stdten & Gemeinden Streikrecht, Art. 9 GG: Zur Regelung von Arbeitsentgelten, insbes. Lohnstrukturen und sonstigen Arbeitsbedingungen In Tarifvertrgen, hier Tarifvertrag fr den ffentlicher Dienst TVD Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 14 Arbeitsrecht im Betrieb 1 S Verwaltungen des Bundes Bundesministerien, z.B. Auswrtiges Amt, Finanzen Bundeseigene Verwaltung, z.B. Bundeswehr, Zoll Landes: Polizei, Finanzmter, Regierungsprsidium Kommunale: Stdte, Kreise & Gemeinden Verwaltungsaufbau: Historisch gewachsen ber alle drei Ebenen Grds. auf kommunaler Ebene, z.B. Schulen, Gewerbemter Land: Rechtsaufsicht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 15

Arbeitsrecht im Betrieb 1 S Rechtsschutz durch Instanzenzge Zivilgerichte: Klagen unter Privaten Amtsgerichte incl. Familien-, Insolvenzgerichte Landgerichte incl. Kammern fr Handelssachen Oberlandesgerichte Bundesgerichtshof auch Strafgerichtsbarkeit Arbeitsgerichte aus Arbeitsverhltnissen Weitere Gerichtsbarkeiten: Verwaltungsgerichtmit Ober-, BundesSozialgericht mit Landes-, BundesFinanzgericht und Bundesfinanzhof

Bundesverfassungsgericht und Verfassungs-gerichtshfe der Lnder: Stehen ber Gesetzgeber Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 16 Arbeitsrecht im Betrieb 1 S ffentliches Recht Rechtsschutz Rechtsverhltnisse staatlicher Stellen zum untergeordneten Brger Verwaltungsrecht Verwaltungsgerichte Sozialrecht Sozialgerichte Steuerrecht Finanzgerichte Strafrecht Ordentliche Gerichte: Privatrecht - Amtsgerichte Brgerliches Recht: - Landgerichte Rechtsverhltnisse zwischen Brgern

Sonderprivatrecht: - Oberlandesgerichte Gesellschaftsrecht - Bundesgerichtshof Handelsrecht Arbeitsrecht Arbeitsgerichte Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 17 Arbeitsrecht im Betrieb 1 S Wir begleiten einen Arbeitstag von Bundeskanzlerin Angela Merkel Organe des Bundes: Bundestag wird vom Volk gewhlt Bundeskanzler wird vom Bundestag gewhlt Bundesregierung Bundeskanzler ernennt die Minister = Kabinett Bundesrat Vertretung der Lnder Bundesprsident wird von Bundesversammlung gewhlt Gesetzgebungsverfahren:

Bundesregierung bringt Gesetzesvorlagen ein Bundestag verabschiedet: Abstimmungsmehrheit Bundesrat muss teilweise zustimmen Bundesprsident unterzeichnet, eigenes Prfungsrecht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 18 Arbeitsrecht im Betrieb 1 S Koalitionsvertrag Groe Koalition Gesetzgebung Arbeitsrecht bis 2017 Allg. gesetzlicher Mindestlohn zum 01.01.2015: 8,50 /Std. Mindestlohn alle Branchen gem. ArbeitnehmerentsendeG Allgemeinverbindlich- Erklrung nach Tarifvertragsgesetz: Besonderes ffentlichen Interesseses gengt. Tarifgebundene AG mssen nicht mehr mindestens 50 % der ANbeschftigen. Arbeitnehmerberlassung: berlassung von AN vorber-gehend

im AG wird auf eine Hchstdauer von 18 Monaten konkretisiert. Abweichungen in Tarifvertrgen mglich. Scheinselbstndigkeit, Missbrauch von Werkvertragsgestaltungen: Rechtswidrige Vertragskonstruktionen bei Werk-vertrgen zulasten von AN mssen verhindert werden. Die Kontroll- + Prfttigkeit bei Schwarzarbeit ist zu konzentrieren und effektiver zu gestalten. Teilzeitrecht: AN, die sich z. B. wegen Kindererziehung o. Pflege von Angehrigen zu einer Teilzeitbeschftigung entschieden haben, knnen zur frheren Arbeitszeit zurckkehren. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 19 Arbeitsrecht im Betrieb 1S Grundrechte und Arbeitsrecht: Art. 3 GG: Gleichheitsgrundsatz Abs. 1: Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Abs. 2: Mnner und Frauen sind gleichberechtigt. Abs. 3:

Niemand darf wegen seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religisen oder politischen Anschauungen benach-teiligt oder bevorzugt werden. Ungleichbehandlung nur aus sachlichem Grund Arbeitsrechtliche Gleichbehandlung, z.B. equal pay Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz: Diskriminierungsverbot, 1 AGG 75 BetrVG: Behandlung der Mitarbeiter Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 20 Arbeitsrecht im Betrieb 1S Ausstrahlung Grundrechte auf Arbeitsverhltnis: Verpflichtung AG Gleichheit, Art. 3: Minderheitenschutz, Frauenfrderung

Glaubensfreiheit, Art. 4: Kndigung wegen Kopftuch am Arbeitsplatz Mahlzeiten ohne Schweinefleisch in Kantine Meinungsfreiheit, Art. 5: Sachliche Kritik auch gegenber Arbeitgeber Familie, Art. 6: - Zlibatsklausel in AV unwirksam Kein Fragerecht nach Familienplanung Keine Pflicht zur Mitteilung einer Schwangerschaft Berufsfreiheit, Art. 12: Freie Verwertung des eigenen Wissens nach Arbeitsplatzwechsel Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 21 Arbeitsrecht im Betrieb 1 S Arbeitnehmerdatenschutz: Recht des Arbeitnehmers auf informationelle Selbstbestimmung aus Schutz allgemeines Persnlichkeitsrecht, Art. 2 Abs. 2 S.3 GG gem. Urteilen Bundesverfassungsgericht 75 Abs. 2 Betriebsverfassungsgesetz Personalakten:

Beschrnktes Recht Arbeitgeber, Informationen ber den AN (Persnlichkeit, Fhigkeiten, innerbetriebliches Verhalten) zu erheben, verarbeiten und zu nutzen: Nur soweit zur Begrndung, Durchfhrung o. Beendigung des Arbeitsverhltnisses erforderlich, 32 BDSG. AG muss Personalakte sorgfltig verwahren und vertraulich behandeln. AG darf keine Detailinformationen zur Gesundheit des AN erheben. Was er mit Einwilligung erfhrt, darf kein regulrer Teil der Personalakte sein, sondern muss besonders gesichert werden. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 22 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Rechtsbeziehungen Privater Brgerliches Gesetzbuch BGB Handelsgesetzbuch HBG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 23 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Rechtsbeziehungen Privater Subjekte: Inhaber von Rechten Personen: Natrliche und juristische Personengesellschaften: GbR, OHG, KG Kapitalgesellschaften Objekte: Gegenstand von Rechten Absolute Rechte: Schutz gegen jedermann Eigentum , Besitz, Urheberrechte Relative Rechte: Ansprche Vertrge: Begrnden Ansprche Vertragsfreiheit: Abschluss- und Gestaltungsfreiheit Vertrge mit standardisierten Regelungen Durch zwei bereinstimmende Willenserklrungen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 24 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Trger von Rechten, auch AG: Natrliche Person Rechtsfhigkeit mit Geburt 1 BGB eingetragener Kaufmann e.K. 2 HGB Juristische Personen Vertretung durch Eingetragener Verein, 21 BGB Vorstand Gesellschaft mit beschrnkter Haftung GmbH + Unternehmergesellschaft (haftungsbeschrnkt) Geschftsfhrer Aktiengesellschaft AktienG Vorstand Stiftungen, Genossenschaft Vorstand Rechtsfhigkeit durch Eintragung in das Handelsregister Gewerkschaften: Rechtsfhigkeit aus Art.9 II GG Ohne Eintragung in staatliches Register Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 25 Arbeitsrecht im Betrieb 2 G Personengesellschaften Vertretung durch Gesellschaft brgerlichen Rechts, 705 BGB Gemeinsamer Zweck: beliebig alle Gesellschafter Handelsgesellschaften: Offene Handelsgesellschaft OHG 105 HGB Gemeinsamer Zweck: Betrieb eines Handelsgewerbes jeden Gesellschafter allein Kommanditgesellschaft KG 161 HGB

den Komplementr Sonderform: GmbH & Co KG Geschftsfhrer der GmbH Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 26 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Absolute Rechte: Eigentum & Besitz 854 Besitz = Tatschliche Gewalt ber eine Sache Eigentum = Umfassendes Herrschaftsrecht 929 bertragung durch Einigung + bergabe 985 Herausgabeanspruch gegen den Besitzer

Arbeitsmittel und Geschftsunterlagen nach Ende des Arbeitsverhltnisses Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 27 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Immaterielle absolute Rechte: Patent PatentG ArbeitnehmererfindungsG Erfindungshhe Nutzungsrecht durch Lizenzvertrag GebrauchsmusterGebrauchsmusterG Geringere Anforderungen an Fortschritt Marke: MarkenGWort- oder Bildmarke Alle: Eintragung beim Deutschen Patentamt Urheberrecht: Jedes Werk der Kunst Sprache, Musik, Tanz, Baukunst, Fotografien, Filme usw.

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 28 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Relative Rechte: Ansprche A 433 BGB Verkufer B Kufer Kaufpreis Gegenstand Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 29 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Vertragstypen des BGB 433 Kaufvertrag Gegenstand gegen Kaufpreis 491 Darlehen Rckgabe vertretbarer Sachen 516 Schenkung Verfgung unentgeltlich 535 Miete, Pacht, Leihe Rckgabe derselben Sache 576 Werkmietwohnungen 611 Dienstvertrag Dienste gegen Vergtung Grundform des Arbeitsvertrages 631 Werkvertrag Werk= Erfolg gegen Werklohn 662 Auftrag, Geschftsbesorgung 765 Brgschaft

Einstehen fr fremde Schuld 779 Vergleich Ungewissheit + gegenseitiges Entgegenkommen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 30 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Willenserklrungen Wirksamkeit 104Geschftsfhigkeit - ab 18 Jahre - auer dauernder Geschftsunfhigkeit 106 Beschrnkte Geschftsfhigkeit 7 17 Jahre Vertragsschluss wirksam nur mit 107 Einwilligung oder 108 Genehmigung der gesetzlichen Vertreter 113 Ermchtigung zu Arbeitsverhltnissen: Fr Rechtsgeschfte zur Eingehung /Aufhebung

unbeschrnkt geschftsfhig Anwendung auf Berufsausbildungsverhltnisse streitig Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 31 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Willenserklrungen: Grundsatz Formfreiheit Ausnahmen: 126 Schriftform: Urkunde mit Namensunterschrift, z.B. zur 623 Beendigung Arbeitsverhltnis: Kndigung, Aufhebungsvertrag 126 b Textform 128 notarielle Beurkundung Grundstcksgeschfte, GmbH - Anteile 125 Nichtigkeit bei Formmangel

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 32 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Zugang Kndigungserklrung 130 Empfnger hat normalerweise die Mglichkeit zur Kenntnisnahme: - Einwurf in Briefkasten: Vormittags bis 12:00 Uhr - bliche Zeit der Postzustellung BAG 22.3.2012 2 AZR 224/11 Einschreiben / mit Rckschein: Nachweis durch Empfangs - Quittung 131 Nicht voll Geschftsfhige: Gesetzliche Vertreter mageblich Auslegung von Willenserklrungen: 133 Nach dem Empfngerhorizont

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 33 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Unwirksamkeitsgrnde: 134 Gesetzliches Verbot: - Beider-(nicht ein-) seitige Verbotsgesetze: BGH 2013: Handwerkervertrag bei Versto SchwarzarbeiterG: Vorstzlicher Versto Unternehmer, den Besteller kennt und bewusst zu eigenem Vorteil ausnutzt Nicht ?: Arbeitsvertrag bei Schwarzgeldabrede 138 Sittenwidriges Rechtsgeschft: Wucher - aufflliges Missverhltnis Leistung + Gegenleistung -- grds. doppelter Marktpreis, z.B. Zinsen 12% statt 6 % -- Lohn: weniger als 2/3 des tariflichen / blichen Entgeltes - Zwangslage, Unerfahrenheit, Mangel an Urteilsvermgen,

erhebliche Willensschwche - Ausbeutung der Schwchung, Indiz: Missverhltnis BAG 22.04.2009 - 5 AZR436/08 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 34 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Anfechtung Willenserklrungen wegen 119 BGB Irrtums ber Abs. 1 Abgabe der Erklrung oder den Inhalt der Erklrung Abs. 2 eine verkehrswesentliche Eigenschaft, Schwerbehinderung: nein Approbation des angestellten Arztes: ja 121 Anfechtungsfrist: unverzglich = Ohne schuldhaftes Zgern 123 BGB Tuschung

falsche Angaben in Bewerbung oder Drohung mit empfindlichen bel 124 Anfechtungsfrist: 1 Jahr 142 Wirkung: Unwirksam von Anfang an Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 35 Arbeitsrecht im Betrieb 2 (Stell-) Vertretung, 164 ff BGB 164 Abgabe einer Prfungsschema: - eigenen Willenserklrungen - fr einen anderen - mit Vertretungsmacht Wirkung: unmittelbar fr den Vertretenen 174 Kndigung (einseitiges Rechtsgeschft) durch Vertreter: Unwirksam, wenn - Erklrender keine Vollmacht vorgelegt

- Empfnger unverzglich zurckweist ( 121 unverzglich = ohne schuldhaftes Zgern BAG: Binnen 1 Woche) Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 36 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Vollmacht Rechtsgeschftlich: formfrei, zu Beweiszwecken: schriftlich Duldungs- und Anscheinsvollmacht Gesetzliche: Geschftsfhrer fr GmbH, 35 GmbHG Vorstand fr Verein und Aktiengesellschaft Komplementr fr KG, 125, 164 HGB Insolvenzverwalter als Partei kraft Amtes

Gesetzlich normiert: Prokura, 49 HGB Anmeldung Handelsregister Handlungsvollmacht, 54 HGB Ladenangestellter, 56 HGB Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 37 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Vertragsschluss durch zwei bereinstimmende Willenserklrungen : 145 Angebot muss unter Anwesenden sofort angenommen werden 147 Annahme: Akzeptieren ohne nderung 151 - ohne Erklrung an Antragenden Auslegung: Willenserklrungen: Nach Empfngerhorizont

157 Vertrge: - Wortlaut nach Treu und Glauben - mit Rcksicht auf die Verkehrssitte Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 38 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Treu und Glauben, 242 BGB Neben vertragliche Hauptpflichten bestehen Mitwirkungs-, Schutz- + Aufklrungspflichten Unzulssige Rechtsausbung: Auerhalb KSchG: Kleiner Kndigungsschutz Versprechen oder widersprchliches Verhalten Kndigung offensichtlich willkrlich zur Unzeit in ehrverletzender Form oder Diskriminierend, insbes. Versto gegen AGG

Verwirkung: Zeitmoment: erheblicher Zeitablauf, grds. nicht bei kurzer Verjhrung Umstandsmoment = Vertrauenstatbestand aus Verhalten als Grundlage fr Vertrauensbildung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 39 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Leistungsstrungen: Verzug Leistungsverzug: z.B. AG mit Lohnzahlung 286 Abs. 1 Fllige Forderung und Mahnung oder Abs. 2 Flligkeit kalendermig bestimmt Folge: Schadensersatz + 288 Zinsen

Annahmeverzug: des Arbeitgebers 294 Grundstzlich: Arbeitnehmer muss seine Arbeit so wie geschuldet tatschlich anbieten 242 Ein Angebot ist entbehrlich, wenn Arbeitgeber sich auf das fehlende Angebot nicht berufen kann, z.B. nach auerordentlichen Kndigung Folge 615 BGB: Verzugslohn ohne Arbeit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 40 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Annahmeverzug des AG: 294 BGB Tatbestands- Voraussetzungen: - AN - Angebot der Arbeitsleistung grds. tatschlich + wie geschuldet - Leistungswille und fhigkeit des AN - Nichtannahme 615 BGB + Betriebsrisiko: keine Nachleistungspflicht

Anrechnung ersparte Aufwendungen anderweitiger Verdienst, ggf. bswillig unterlassen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 41 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Einwendungen: Untergang von Ansprchen durch 362 Erfllung 387 Aufrechnung 397 Erlass Insolvenz: Restschuldbefreiung

Arbeitsrecht: Verfallklausel in Tarifvertrag Arbeitsvertrag: Mindestens 3 Monate Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 42 Arbeitsrecht im Betrieb 2 Einreden: Bercksichtigung nur, wenn vom Schuldner erhoben: Verjhrung, 194, 214 Jedes relative Recht, z.B. Lohnanspruch Jahresende + 3 Jahre Zurckbehaltungsrecht, 273 BGB: Schuldner hat selbst einen flligen Anspruch

gegen den Glubiger aus dem selben rechtlichen Verhltnis Folge: Schuldner kann eigene Leistung verweigern Arbeitsverweigerung Arbeitnehmer, 273 BGB -Nur wenn Lohnrckstand nach Hhe + Dauer erheblich -Behlt AN Lohnanspruch ohne Arbeit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 43 Arbeitsrecht im Betrieb 2S Das Mittelalter kannte 1. den Klostertod (zuletzt das Allgemeine Landrecht in Preuen von 1794, II 11 1199) und 2. als Strafverschrfung gegenber Kapitalverbrechern den brgerlichen Tod (z.B. franzsischer Code Civil von 1804, Art. 22).

Was bedeuteten diese juristischen Konstruktionen? Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 44 Arbeitsrecht im Betrieb 2S Den Verlust der Rechtsfhigkeit: 1. Klostertod: Eine lebende Person wurde bei Eintritt in einen Nonnen- oder Mnchsorden fr die weltliche Rechtsprechung fr tot erklrt und verlor die Rechtsfhigkeit. Ihre Besitztmer gingen an die Erben ber. Ein erneuter Erwerb von Vermgen war nicht mglich. 2. Brgerlicher Tod: Vollstndiger Verlust der Rechtsfhigkeit des strafrechtlich Verurteilten: a) Verlust jeglichen Eigentums und www.ingendahl-rust.de

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester b) der Fhigkeit, Rechtsgeschfte abzuschlieen 2014 45 Arbeitsrecht im Betrieb 2S Mittelalter: Gesindeordnungen Fortschritt: Das Verhltnis zwischen Herrschaften und Dienstboten ergab sich aus grundstzlich freiwillig zu schlieenden vertraglichen Vereinbarungen und nicht mehr durch feudalistische Dienstverpflichtung. Unterwerfung Gesinde unter Willkr der Herrschaft. Betroffen von der Gesindeordnung waren vor allem Frauen. 1/5 der um 1900 registrierten weiblichen Erwerbsttigen waren Dienstmdchen. Die Regelungen der Gesindeordnungen wurden

1900 mit der Einfhrung des Brgerlichen Gesetzbuchs weitgehend abgemildert www.ingendahl-rust.de und 1918 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 46 2014 schlielich endgltig aufgehoben. Arbeitsrecht im Betrieb 2S Fall: Konkludente Vereinbarung Herr J war bis zum 30.6.2011 fr die Firma A als Leiter IT ttig. Sein Arbeitsvertrag vom 22.12. 1995 enthlt folgende Vergtungsvereinbarung: J erhlt ein Bruttogehalt von 120.000 DM p.a., das in 12 monatlichen Teilbetrgen ausgezahlt wird. Bei erfolgreicher Zusammenarbeit im 1. Jahr zahlt A zustzlich eine Tantieme von 10.0000 DM. A zahlte jhrlich eine Tantieme, in den Jahren 2004 bis 2006 erhielt J jeweils 34.103 . J verlangt fr die Jahre 2007 bis 2010 Tantiemen in gleicher Hhe. Zurecht? BAG 17.04.2013 - 10 AZR Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 251/12

2014 www.ingendahl-rust.de 47 Arbeitsrecht im Betrieb 3S Lsung: Konkludente Vereinbarung 1.Schriftlicher Arbeitsvertrag: Nur fr 1. Jahr 2.Betriebliche bung: a)Wiederholte, mindestens 3- malige Zahlung ohne Freiwilligkeitsvorbehalt b)Enthlt kollektives Element: Bezieht sich auf eine Vielzahl oder zumindest eine abgrenzbare Gruppe von Arbeitnehmern, ohne dass individuelle Besonderheiten die vertraglichen Beziehungen gestalten. 3. Konkludente Abrede: Individueller Tantiemeanspruch kann durch konkludente Abrede entstehen, ber deren Hhe der Arbeitgeber nach billigem Ermessen zu entscheiden hat, 315 BGB. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 48 Arbeitsrecht im Betrieb 2S Fall: Schwangere Schwangerschaftsvertretung Frau F schliet mit der S AG einen auf 2 Jahre be-fristeten Arbeitsvertrag als Schwangerschaftsvertre-tung. Einen Monat nach Beschftigungsbeginn setzt F die S- AG in Kenntnis, dass sie schwanger ist und in wenigen Monaten ein Kind gebren wird. Die S-AG ficht den Arbeitsvertrag wegen arglistiger Tuschung an. F sei ihre Schwangerschaft bei Abschluss des Arbeitsvertrages bekannt gewesen. Sie htte niemals eine Schwangere als Schwangerschaftsvertretung eingestellt. www.ingendahl-rust.de Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 49

Arbeitsrecht im Betrieb 2S Lsung: Schwangere Schwangerschaftsvertretung 1. Kndigung: Keine Zustimmung, 9 I MuSchuG 2. Anfechtung wg. verschwiegener Schwangerschaft 1. Verkehrswesentliche Eigenschaft, 119 Abs. 2 BGB 2. Tuschung mit Arglist, 123 BGB: 1. 2. Verschwiegen: Offenbarungspflicht? Frage S-AG: Recht zu Lgen? Auf unzulssige Frage! 3. Rechtliche Wertung des AGG: Schwangere Frauen wrden durch eine Offenbarungspflicht wegen ihres Geschlechtes diskriminiert. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

BAG 06.02.2003 - 2 AZR 2014 621/01 www.ingendahl-rust.de 50 Arbeitsrecht im Betrieb 2S Fall: Insich- (Vertrag-)Geschft G ist Geschftsfhrer der Hochbau GmbH. Anlsslich der Auslieferung seines neuen Dienstwagens mchte er seinen bisherigen Dienstwagen fr seinen Sohn erwerben, der demnchst 18 Jahre alt wird und bereits den Fhrerschein macht. Als er den schrift-lichen Kaufvertrag aufsetzt, kommen ihm Bedenken. Abwandlung: G ist verwitwet. Die Hochbau GmbH soll mit seinem Sohn einen Ausbildungsvertrag abschlieen.

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 51 Arbeitsrecht im Betrieb 2S Arbeitgeber Arbeitnehmer 164 Vollmacht In fremdem Namen Vertreter Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 52

Arbeitsrecht im Betrieb 2S Lsung: Insich- (Vertrag-)Geschft Ein Vertrag kommt zustande, wenn sich Verkufer und Kufer ber Gegenstand und Preis einig werden. Die GmbH wird von ihrem Geschftsfhrer vertreten. Fraglich ist, ob der Geschftsfhrer die GmbH auch bei einem Vertrag mit sich selbst vertreten kann. 181 BGB: Satzung und Eintragung ins Handelsregister Abwandlung: Fraglich ist, ob der Geschftsfhrer bei einem Vertragsschluss gleichzeitig die GmbH und seinen Sohn vertreten kann. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 53 Arbeitsrecht im Betrieb

2S Fall: Schadensersatzanspruch Verfall Frau T war seit dem 1.7.1996 bei ihren Schwiegereltern beschftigt, zuletzt als Leiterin einer Tankstelle. Im Arbeitsvertrag war eine 3- monatige Verfallfrist fr alle beiderseitigen Ansprche aus dem Arbeitsverhltnis vereinbart. Zum 1.9.2009 bernahm B die Tankstelle, ab dem 16.11.09 war T durchgehend krank. B kndigt, im Kndigungsschutzprozess einigen sich die Parteien auf die Beendigung des Arbeitsverhltnisses zum 31.5.2010. T erstattet nun Strafanzeige gegen den Vorgesetzten E wegen Beleidigung und sexueller Belstigung. Am 30. 8.2010 erhebt T Klage beim Arbeitsgericht auf Zahlung eines Schmerzensgeldes von 5.000 . Die Klage wird B am 09.09.2010 zugestellt. Hat die Klage Erfolgsaussichten? BAG 20.06.2013 8 AZR 280/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 54 Arbeitsrecht im Betrieb

2S Lsung: Schadensersatzanspruch Verfall 1. B muss fr Verschulden seines Mitarbeiters E einstehen, 278 BGB. 2. Verschrfungen bei Vorsatz: a) Die Haftung wegen Vorsatz kann dem Schuldner nicht im Voraus erlassen werden, 276 III BGB. b) Die Verjhrung wegen Vorsatz kann nicht im Voraus erleichtert werden, 202 BGB . 3. Die Auslegung der Vereinbarung der Ausschlussfrist ergibt, dass sie Ansprche wegen vorstzlicher und grob fahrlssiger Pflichtverletzung nicht erfasst. 4. Ergebnis: Die Vorwrfe mssen aufgeklrt werden. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 55 Arbeitsrecht im Betrieb 2S

Kndigung durch Vertreter Wer muss einer von ihm unterschriebenen Kndigung eine schriftliche Vollmacht beifgen? Von wem? 1. Abteilungsleiter Rechnungswesen GmbH Ja 2. Filialleiter einer Einzelhandelskette Ja 3. Kaufmnnischer Leiter einer GmbH & Co KG Nein 4. Personalleiter einer GmbH Nein 5. Prokurist einer AG? , ppa 54 HGB Nein 6. Gesellschafter einer Gesellschaft brgerlichen Rechts? Grds. alle Gesellschafter Ja 7. Geschftsfhrer einer GmbH? Organ, bei mehreren jedoch grds. Gesamtvertretung: Alle Ja Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 56 Arbeitsrecht im Betrieb 2S

Fall: Kndigung unter einer Bedingung Wir kndigen fristgerecht zum 28.02.2014, falls Sie nicht bereit sind, ab dem 09.12.2013 zu folgenden anderen Bedingungen weiterzuarbeiten.. Kndigung sind bedingungsfeindlich. Bei Gestaltungs-rechten kann Erklrungsempfnger keine Ungewissheit / Schwebezustand zugemutet werden. Wird die Erklrung unter eine unzulssige Bedingung gestellt, so ist sie unwirksam. Unbedenklich sind nur Potestativbedingungen, hngen vom Willen des Erklrungsempfngers ab /versetzen ihn nicht in eine ungewisse Lage z.B. nderungskndigung: Kndigung bei gleichzeitigem Angebot der Fortsetzung des Vertrages zu vernderten Bedingungen, die Erklrungsempfnger annehmen kann. Rechtsbedingungen, z.B. "auerordentliche, hilfsweise ordentliche Kndigung. Auerordentliche Kndigung wird unbedingt, die ordent-liche Kndigung unter Rechts-)Bedingung ausgesprochen, dass die auerordentliche Kndigung unwirksam ist. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 57

Arbeitsrecht im Betrieb 2S Fall: Verwirkte Schwerbehinderung Die G- AG beschftigt seit dem 29.08.1989 Frau A in ihrem Betriebsteil in K bei der Herstellung von Gummi-dichtungen fr die Automobilindustrie. Mit Schreiben vom 29.11.2006 kndigte die G-AG A zum 30.6.2007, weil sie die Produktion K schliet und teilweise nach Ungarn verlagert. A erhebt 15.12.2006 Kndigungsschutzklage. Den Gtetermin 23.1.2008 nimmt A selbst wahr. Dann beauftragt sie Rechtsan-walt R, der mit fristgerechtem Schriftsatz vom 2.03.2008 geltend macht, A sei gem. Bescheid des Versorgungs-amtes vom 31.9.1988 zu 50 % schwerbehindert. Im Kammertermin 4.5.2008 macht die GAG geltend, ihr sei die Schwerbehinderung erst durch Schriftsatz vom 02.03.2008 bekannt geworden. Hat A mit ihrer Klage Erfolg? BAG 09.06.2011 2 AZR 703/09 und 23.02.2010 2 AZR 659/08 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 58 Arbeitsrecht im Betrieb

2S Lsung: Verwirkte Schwerbehinderung 1. Kndigungsschutz Schwerbehinderte, 85 SGB IX: Nur mit Zustimmung der Hauptfrsorgestelle = Landschaftsverband Rheinland: Lag nicht vor. 2. Berufen auf Schwerbehinderung: Grundstzlich unabhngig von Kenntnis des Arbeitgebers. 3. Verwirkung: Kennt der AG bei Ausspruch der Kndigung die Schwerbehinderung nicht, muss der Arbeitnehmer ihn binnen 3 Wochen informieren. Danach kann er sich auf den Kndigungsschutz nicht mehr berufen. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 59 Arbeitsrecht im Betrieb 2S

Brgerliches Gesetzbuch BGB 311 Relative Rechte = Ansprche: - das Recht, von einem anderen ein Tun oder Unterlassen zu verlangen - werden grds. durch Vertrge begrndet - unterliegen der Verjhrung 823 Absolute Rechte: Schutz gegen alle: - Krper und Gesundheit Freiheit Eigentum, Immobilien: Grundbuch Immaterielle Rechte, z. B. Urheberrechte, Patent, eigenes Bild Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 60 Arbeitsrecht im Betrieb 3

Dienstvertrge und Arbeitsverhltnisse Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 61 Arbeitsrecht im Betrieb 3 Dienst- und Arbeitsvertrag (Freier) Dienstvertrag , 611 ff BGB Dienste jeder Art gegen vereinbarte Vergtung Grund- und Auffangtatbestand auch fr den Arbeitsvertrag: Arbeitnehmerbegriff Durch privatrechtlichen Vertrag soziale Abhngigkeit: Lebensunterhalt des AN Eingliederung in Betrieb & Weisungsgebundenheit, 106 GewO Konflikte zwischen Vertragsfreiheit + zwingendem

Arbeitsrecht = Arbeitnehmerschutzrecht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 62 Arbeitsrecht im Betrieb 3 Arbeitsverhltnis Zivilrecht, Grundlage 611 ff BGB: Arbeitsvertrge: Angebot und Annahme Formfrei jedoch Nachweisgesetz Schlssig durch Eingliederung Einfhlungsarbeitsverhltnis: - Bloes Beobachten der Arbeit - Ohne Eingliederung in Arbeitsablufe - Maximal 3 - 5 Tage Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 63 Arbeitsrecht im Betrieb 3 Dienst- und Arbeitsvertrag Vergtung, 612 BGB: Ob: Gilt als stillschweigend vereinbart = Fiktion, wenn Vergtung blich Hhe: bliche Vergtung, insbes. Tarifvertrag Weihnachtsgeld: ggf. Prmie fr zuknftige Betriebstreue Vereinbarter Lohn: Grds. brutto geschuldet Nettolohnvereinbarung: Nur bei ausdrcklicher Vereinbarung der Parteien Nicht aus 14 Abs. 2 S. 2 SGB IV BAG 21.09.2011 - 5 AZR 629/10 Tantieme

nach Ertragslage & individueller Leistung: Leistungsbestimmung durch Arbeitgeber, 315 BGB Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 64 Arbeitsrecht im Betrieb 3 Vorleistungspflicht Arbeitnehmer Vergtung nach Leistung der Dienste, 614: Ohne Arbeit kein Lohn Flligkeit zum Monatsende / bis zum 10. /15. des Folgemonats Annahmeverzug des Arbeitgebers, 615 : Tatschliches Arbeitsangebot des AN: Zur rechten Zeit am rechten (Arbeits-) Ort Arbeitsleistung angeboten Auch bei regelmiger Arbeitszeit erforderlich BAG 18.04.2012 5 AZR 248/11

Ausnahmsweise gengt wrtliches Angebot: Ablehnungserklrung oder Kndigung des AG Unzumutbarkeit, Mitwirkungshandlung AG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 65 Arbeitsrecht im Betrieb 3 G Dienst- und Arbeitsvertrag Grundsatz, 614: Ohne Arbeit kein Lohn Ausnahmen: BGB Annahmeverzug des Arbeitgebers 615 Freistellung / a.o. Kndigung durch Arbeitgeber = Verzicht auf Arbeitsangebot, 297 Zurckbehaltungsrecht des AN 273 Nur bei nach Hhe + Zeit erheblichem Lohnrckstand Entgeltfortzahlung, EntgFG an gesetzlichen Feiertagen, 2 bei Krankheit, 3 Urlaub: 4 Wochen, bei 6- Tage- Woche 24 Tage, 3 BUrlG, 5 Tage Schwerbehindertenurlaub,

125 SGB IX Arbeitsvertragliche o. tarifliche Regelung, hufig 30 Tage Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 66 Arbeitsrecht im Betrieb 3 Bezahlung berstunden: Darlegungs- + Beweislast des Arbeitnehmers Konkretisierung der Arbeitszeiten: Beginn und Ende angeben erbrachten Arbeitsleistungen: Allgemein beschreiben AG muss sich Mehrarbeit nicht aufdrngen lassen: Anordnung : Wer, wann, auf welche Weise ausdrcklich

Konkludent: Arbeit nur durch berstunden zu bewltigen Duldung: Hinnahme ohne Vorkehrung zum Abstellen Billigung: Nachtrgliche Einverstndnis, z.B. abzeichnen Stundenaufstellung Nicht bei Recht zu privaten Verrichtungen in Arbeitszeit BAG 14.04.2013 5 AZR 122/12 ; 20.06.2013 5 AZR 271/12 Vereinbarung oder Vergtungserwartung des AN im Normalarbeitsverhltnis nach der Verkehrssitte BAG 27.06.2012 5 AZR 530/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 67 Arbeitsrecht im Betrieb 3 Maregelungsverbot, 612 a: Arbeitnehmer bt seine Rechte zulssig aus

weit: nicht nur aus Arbeitsvertrag Benachteiligende Manahme, z.B. Kndigung , Abmahnung Beschftigung mit sinnlosen Arbeiten des Arbeitgebers = AG Funktion, auch Entleiher bei Arbeitnehmerberlassung Rechtsfolge: Manahme unwirksam Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 68 Arbeitsrecht im Betrieb 3G Betriebsbergang, 613 a BGB Durch Rechtsgeschft: Verkauf, Erbgang bergang von Betriebsmitteln: Produktionsbetrieb: schliche Betriebsmittel Handel + Dienstleistung = betriebsmittelarm: der identittsprgenden Sachkunde nicht bloe Funktionsnachfolge

bernahme bernahme und wesentliche Beibehaltung des Wertschpfungszusammenhangs: Arbeitnehmer Kunden + Lieferantenbeziehungen Telefon- Nr., e-mail, Adresse Betriebliche Ttigkeiten: hnlich + nicht unterbrochen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 69 Arbeitsrecht im Betrieb 3G

Rechtsfolgen 613 a: Erwerber tritt in Arbeitsverhltnisse ein Veruerer oder Erwerber: Unterrichtung der Arbeitnehmer, Abs. 5 in Textform, 126 b ber Umstnde des bergangs + Auswirkungen auf Arbeitsplatz, gem. Z. 1- 4 , wenn unzureichend: Widerspruchsfrist beginnt nicht bis zur zeitlichen Grenze der Verwirkung Widerspruchsrecht Arbeitnehmer, Abs. 6: Frist: 1 Monat Folge: Arbeitsverhltnis bleibt beim Veruerer, + Veruerer kndigt betriebsbedingt Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 70 Arbeitsrecht im Betrieb 3 Weitere Rechtsfolgen 613 a

Weitergeltung Kollektiv- Vereinbarungen: Tarifvertragsnormen + Betriebsvereinbarungen mit Rechten + Pflichten Arbeitsvertragsparteien gelten als Inhalt des Arbeitsvertrages weiter und drfen ein Jahr nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gendert werden Haftung des Veruerers, Abs. 2: Ein Jahr fr Schulden des Erwerbers Kndigungsverbot, Abs. 4 S. 1: Betriebsbergang urschlich fr Kndigung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 71 Arbeitsrecht im Betrieb 3 Anwendungsflle, 613 a BGB Unternehmensbernahme durch Asset Deal Einzelbergang der Vermgensgegenstnde

Bei share deal kein Rechtstrgerwechsel Outsourcing outside ressource using Ausgliederung von Aufgaben, die nicht zum Kerngeschft gehren Beispiele: Reinigungsdienst oder Kantinen Nicht: Bloer Funktionsbergang ohne wesentliche Teile der Belegschaft oder bergang identittsprgender Betriebsmittel Bewachungsdienstleister: Betriebsmittelgeprgt, wenn Gebrauch der Betriebsmittel durch Auftrag-geber vorgeschrieben ist. BAG 23.5.2013 8 AZR 207/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 72 Arbeitsrecht im Betrieb 3 bertragung von Abteilungen

Betrieb oder Betriebsteil, 613 a BGB Einzelbergang der Vermgensgegenstnde Betriebsteil muss auch beim neuen Inhaber Mchtigkeit haben Bloe Abteilung Ausgliederung von Aufgaben, die nicht zum Kerngeschft gehren Beispiele: Reinigungsdienst oder Kantinen bertragung in Stufen / Tranchen wesentliche Teile der Belegschaft bzw. bergang identittsprgender Betriebsmittel Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 73 Arbeitsrecht im Betrieb Vorbergehende 3 Verhinderung 616

AN ist fr verhltnismig nicht erhebliche Zeit an der Dienstleistung gehindert: max. 5 Tage Durch in seiner Person liegenden Grund: Subjektive, persnliche Leistungshindernisse Arztgang, der whrend Arbeitszeit erforderlich ist Familire Ereignisse (Hochzeit, Geburt, Begrbnis) Pflege erkrankter naher Angehriger, insbes. Kinder Ohne Verschulden Anrechnung anderer Bezge Vertraglich abdingbar Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 74 Arbeitsrecht im Betrieb

3 Frsorgepflichten des AG: Nebenleistungs- und Schutzpflichten: - Leben und Gesundheit der AN - Eigentum und Vermgen des AN - Schikane- und Mobbingverbot 618 BGB Schutzmanahmen: Rume: Heizung, Hygiene ArbeitsstttenVO Gertschaften: Arbeitsschutz Unfallverhtung UVV - unabdingbar, 619 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 75 Arbeitsrecht im Betrieb 3G

Schadensersatz in Vertrgen 280 Schadensersatz fr Pflichtverletzung Abs. 1 S. 2: Auer, wenn nicht zu vertreten 276 Schuldner muss vertreten: - Vorsatz: Wissen und Wollen des Erfolges - Fahrlssigkeit, Abs. 2: Auerachtlassung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt - Garantie oder Risikobernahme 278 Schuldner verantwortlich fr seine - gesetzlichen Vertreter - Erfllungsgehilfen =AG fr Arbeitnehmer Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 76 Arbeitsrecht im Betrieb

3G Unerlaubte Handlung, 823 Verletzung von Krper, Gesundheit, Eigentum, Gewerbebetrieb Rechtswidrig: Keine Rechtfertigung, insbes. durch Notwehr, Einwilligung, Streik Verschulden: Vorsatz oder Fahrlssigkeit Folge: Schadensersatz Haftung fr Verrichtungsgehilfen, 831 BGB: Deliktische Haftung fr den zur Verrichtung Bestellten

Nicht wenn sorgfltig ausgewhlt + berwacht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 77 Arbeitsrecht im Betrieb 3G Privilegierte Haftung Arbeitnehmer, 276, 619 a BGB: Ursprnglich: Schadensgeneigter Arbeit Schadensteilung nach Grad des Verschuldens Leichte Fahrlssigkeit Mittlere Fahrlssigkeit Grobe Fahrlssigkeit Vorsatz allein : Arbeitgeber allein : Schadensteilung : Arbeitnehmer

+ Mitverschulden des Arbeitgebers, 254 BGB bei Teilnahme am Straenverkehr: AN haftet nur fr Selbstbeteiligung in Kaskoversicherung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 78 Arbeitsrecht im Betrieb 3 Fristen ordentliche Kndigung, 622 Abs. 1 4 Wochen zum 15. oder Ende des Kalendermonats Abs. 2 Verlngerung fr Arbeitgeber S. 1 nach Dauer des Arbeitsverhltnisses: -2 Jahre: 1 Monat zum Monatsende -5 Jahre: 2 Monate zum Monatsende -20Jahre: 7 Monate zum Monatsende

S. 2 Nichtbercksichtigung vor 25. Lebensj.: Wegen Versto gg. Europarecht unanwendbar! Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 79 Arbeitsrecht im Betrieb 3 Fristen ordentliche Kndigung, 622 Abs. 3 In vereinbarter Probezeit: 2 Wochen Abs. 4 Krzere Fristen nur in Tarifvertrag Abs. 5 Arbeitsvertragliche Verkrzungen: - Einstellung zur vorbergehenden Aushilfe bis 3 Monate: Mindestfrist 1 Tag - In Kleinbetrieben bis 20 AN: Mindestfrist 4 Wochen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 80 Arbeitsrecht im Betrieb 3 Beendigung Arbeitsvertrag Nur schriftlich, 623 BGB: Kndigung (ordentlich /auerordentliche) Einvernehmlich durch Aufhebungsvertrag Stillschweigende Verlngerung, 625 Dienstverhltnis nach Beendigung fortgesetzt mit Wissen des Arbeitgebers kein unverzglicher Widerspruch Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 81

Arbeitsrecht im Betrieb 3S Fall: Geschuldete Arbeitszeit Frau AT ist seit 2006 bei der I GmbH als Angestellte beschftigt. Nach dem Arbeitsvertrag erhlt AT fr die Erfllung ihrer Aufgaben ein Jahresgehalt von 95.000 brutto, sowie eine vom Unternehmens- erfolg abhngige Tantieme. Mit Schreiben vom 10.11.2010 forderte I dazu auf, tglich mindestens 7,6 Stunden zu arbeiten und eine Wochenarbeits-zeit von 38 Stunden einzuhalten. Im Dezember 2010 arbeitet AT insgesamt 19,8 Stunden, vom 1. bis 19. Januar 2011 insgesamt 5,51 Stunden. AT meint, das Ma ihrer Arbeitsleistung sei die geschuldete Arbeitsleistung. Sie erhebt Klage zum Arbeitsgericht auf Feststellung, dass sie nicht zur Ableistung von 38 Stunden wchentlich verpflichtet ist. Mit Erfolg? BAG 15.05.2013 10 AZR 325/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 82

Arbeitsrecht im Betrieb 3S Lsung: Geschuldeten Arbeitszeit bei Fehlen ausdrcklicher Vereinbarung Der Arbeitsvertrag enthlt keine genaue Bezif-ferung des Umfangs der Arbeitszeit. Dann ist anzunehmen, dass die Parteien die betriebsbliche Arbeitszeit vereinbaren wollen. Dies entspricht dem Vertragswillen verstndiger und redlicher Vertragspartner. Ein Vollzeitarbeit-nehmer muss mangels anderer Anhaltspunkte davon ausgehen, dass er in gleichem Umfange wie andere Vollzeitarbeitnehmer zur Arbeit verpflichtet ist. Ergebnis: AT ist verpflichtet, die bliche Arbeitszeit fr Vollzeitarbeitskrfte einzuhalten. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 83

Arbeitsrecht im Betrieb 3S Fall: Pflichtteil von Stiefmutter Der 72-jhrige Vater stellt am 03.05.2011 seine 48-jhrige Tochter T in seiner GmbH mit bislang 9 Mitarbeitern als Brokauffrau ein. Weitere Geschftsfhrerin ist seine 2. Ehefrau. Am 05.01.2012 verstirbt der Vater pltzlich und unerwartet. Er hat die 2. Ehe-frau als Alleinerbin eingesetzt. Als T ihren Pflichtteilsanspruch, 2303 BGB, durch Rechtsanwalt erhebt, kndigt Geschfts-fhrerin mit Schreiben vom 10.02.2012 ordentlich zum 15.03.2012. Hat die Kndigungsschutzklage der Tochter vor dem Arbeitsgericht Aussicht auf Erfolg? Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 84 Arbeitsrecht im Betrieb

3S Lsung: Pflichtteil von Stiefmutter 1. Kndigungsschutzgesetz: Nicht anwendbar, da nicht mehr als 10 Mitarbeiter, 23 I 3 KSchG. 2. Die Kndigung knnte nach 612 a BGB unwirksam sein: a) Fraglich, ob auch die Geltendmachung von Rechten, die mit dem Arbeitsverhltnis nichts zu tun haben (hier Pflichtteilsrecht), erfasst werden: so AK 5. Aufl. 2012. b) Die Kndigung ist eine Benachteiligung. c) Die Kausalitt der Geltendmachung des Pflichtteilsrechtes fr die Kndigung ist im Prozess vor dem Arbeitsgericht ggf. schwer nachweisbar. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 85 Arbeitsrecht im Betrieb

3S bertragbarkeit der Rechte aus dem Arbeitsvertrag: Arbeitnehmer: Persnlich zur Leistung verpflichtet, 613 Arbeitgeber: Darf Unternehmen /(Teil-) Betrieb veruern, 613 a Betrieb: bernommene Betriebsmittel und Beschftigte bilden beim Veruerer eine abgrenzbare organisatorische wirtschaftliche Einheit BAG 13.10.2011 - 8 AZR 455/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 86 Arbeitsrecht im Betrieb 3S Siemens (S)- BenQ Siemens verkauft seine Mobiltelefon- Produktion an taiwanesischen Weltmarktfhrer fr Scanner BenQ :

06.06.2005 Vorvertrag mit BenQ Corporation, Taiwan 29.08.2005 Unterrichtungsschreiben S an Mitarbeiter: bertragung 30.08.2005 an BenQ Mobile GmbH & Co. OHG: Gesellschaftsvertrag - Gesellschafter: zwei 25.000 - GmbH`s - kein Hinweis auf Ausscheiden aus Altersversorgung ohne Haftung 16.09.2005 Eintragung ins Handelsregister 20.09.2005 Kaufvertrag: S bertrgt 2.000 Patente+ zahlt 350 Mio. zum Ausgleich bernommener Schulden incl. Pensionszusagen 30.09.2005 bertragung des wirtschaftlichen Teilbetriebs Insolvenz BenQ : 30.09.2006: Eigenantrag 01.01.2007: Erffnet Mitarbeiter: 13.03.2007 Formschreiben : Widerspruch gg. bergang Arbeitsverhltnisse klagen gegen Siemens auf Fortbestehen ihrer Arbeitsvertrge BAG 23.07.2009 - 8 AZR 538/08 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 87 Arbeitsrecht im Betrieb Siemens BenQ Arbeitsvertrag 3S 433 Widerspruchsrecht Arbeitnehmer Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 88 Arbeitsrecht im Betrieb

3S BAG zu Siemens - BenQ: Belehrung unzureichend Identitt der Betriebserwerberin Grund fr bergang: Schuldrechtlicher Vertrag Rechtliche Folgen AN: Beschrnkung Betriebsrenten auf Erwerber Fortgeltung Tarifvertrge + Betriebsvereinbarungen: als Arbeitsvertrag oder weiterhin kollektivrechtlich Widerspruchsrecht: Kollektive Ausbung, Beratung IG Metall Nicht verwirkt: Zeitmoment: AN hat lngere Zeit nicht geltend gemacht, ggf. bereits nach 5-6 Monaten, BAG 17.20.2013 8 AZR 974/12 Umstandsmoment: und den Eindruck erweckt, er wolle nicht mehr geltend machen Ergebnis: Widerspruch wirkt auf Betriebsbergang zurck Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 89

Arbeitsrecht im Betrieb 3S Fall: Schadensersatz wegen Trunkenheit A ist verheiratet, keine Kinder. Seit dem 02.04.2007 ist A bei der Spedition S GmbH als Fahrer mit einem Brutto-monatslohn von 2.726 beschftigt. Mit Schreiben vom 27.04.2007 hat S GmbH den A hingewiesen, dass am Arbeitsplatz ein absolutes Alkoholverbot herrsche. Am 28.06.2008 kam A gegen 3:20 Uhr mit dem LKW bei trockener Fahrbahn von Autobahn ab, fuhr auf Grass, schleuderte in Richtung Mittelleitplanke und prallte wieder zurck. Der LKW strzte um und verlor Ladung. Um 5:15 Uhr wurde eine Blutalkoholkonzentration von 0,94 Promille festgestellt. A wurde wegen fahrlssiger Trunkenheit im Straenverkehr zu 35 Tagesstzen verurteilt. S GmbH verlangt von A den Ersatz ihres Schadens von 17.522,25 . Zurecht? BAG 15.11.2012 8 AZR 705/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

90 Arbeitsrecht im Betrieb 3S Lsung: Schadensersatz wegen Trunkenheit Schadensteilung nach Grad des Verschuldens Grobe Fahrlssigkeit : AN grds. alleine Haftungserleichterungen, 254: Straenverkehr: Nur Selbstbeteiligung in Kaskoversicherung (hier Ausschluss) Verdienst in deutlichem Missverhltnis zum Schadensrisiko: Keine starre Haftungsobergrenze, z.B. 3- facher Monatslohn Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 91 Arbeitsrecht im Betrieb

4 Arbeitsverhltnisse im Arbeitsrecht und Sozialversicherungsrecht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 92 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Arbeitnehmer- Schutz : Zivilrecht: Arbeitsgesetze, berwiegend nicht verzichtbar Rechtsweg zu den Arbeitsgerichten Sozialversicherungsrecht: Mitgliedschaft in Arbeitslosenversicherung SGB III Krankenversicherung SGB V

Rentenversicherung SGB VI Pflegeversicherung SGB XI Gesamtsozialversicherungsbeitrge Je zur Hlfte durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer Steuerrecht: Lohnsteuer: AG behlt ein und fhrt ans Finanzamt ab Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 93 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Arbeitnehmerbegriff des BAG: Aufgrund eines privatrechtlichen Vertrages Nicht bei 1- Euro Jobs + Wiedereingliederung, 74 SGB V Verpflichtung zu fremdbestimmter Arbeit in persnlicher Abhngigkeit

Weisungsgebundenheit der Ttigkeit hinsichtl. Inhalt und Durchfhrung Zeit und Dauer Ort Gesamtwrdigung des wirklichen, objektiven Geschftsinhaltes und der tatschlichen, praktischen Durchfhrung unabhngig von Bezeichnung und Vereinbarung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 94 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Sozialversicherungspflicht: 7 SGB IV Alle Sozialversicherungen: Beschftigung ist die nichtselbstndige Arbeit insbesondere in einem Arbeitsverhltnis Fallgruppenbildung BayLSG 28.05.2013 L 5 R 863/12

2 Abs. 1 Z. 9 SGB VI Rentenversicherung: Keine versicherungspflichtigen Arbeitnehmer + auf Dauer und im Wesentlichen nur fr einen Arbeitgeber ttig Lohnsteuerpflicht: Feststellung durch Finanzamt Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 95 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Sozialgesetzbcher SGB SGB I Allgemeiner Teil SGB II Grundsicherung fr Arbeitssuchende SGB IV Gemeinsame Vorschriften Meldung Sozialversicherung, 28 a: Zur KK (Gesamt-) Sozialversicherungsbeitrge,

28d SGB VII Gesetzliche Unfallversicherung SGB IX Schwerbehindertenrecht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 96 Arbeitsrecht im Betrieb 4G In allen Arbeitsverhltnissen: Gesamt- Sozialversicherungsbeitrge zur Arbeitslosenversicherung: SGB III Bundesanstalt fr Arbeit Rentenversicherung: SGB VI Trger: Deutsche Rentenversicherung prft bei Arbeitgebern alle 3 Jahre Abfhrung der Gesamtsozialversicherungsbeitrge

Sozialversicherungsausweis, 18 h SGB IV Krankenversicherung: SGB V freie Krankenkassenwahl Pflegeversicherung Pflegekasse SGB XI Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 97 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Arbeitsfrderungsrecht SGB III Trger:Bundesanstalt fr Arbeit

Finanzierung: Arbeitslosenversicherung Arbeitsvermittlung, 35 Eingliederung, Berufsvorbereitung usw. , 44 ff Kurzarbeitergeld, 109: Bis 12 Monate Arbeitslosengeld I, 117 ff Mit Renten- & Krankenversicherung Insolvenzgeld, 183 ff: Deckt 3 Monate Rckstand Finanzierung: Umlage Arbeitgeber, 358 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 98 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Arbeitsfrderungsrecht SGB III Eingliederung, 44

Frderung der Berufswahl und -ausbildung: Berufsorientierung + -einstiegsbegleitung, 48 Berufsvorbereitung, 51 ff Berufsausbildungsbeihilfe, 56 Berufsausbildung, 73 Berufliche Weiterbildung, 81 Abs. 4: Bildungsgutschein Behinderte Menschen: Teilhabe am Arbeitsleben, 112 ff Grndungszuschuss, 93: Arbeitnehmer beendet Arbeitslosigkeit und macht sich selbstndig Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 99 Arbeitsrecht im Betrieb 4G Arbeitslosengeld I Bewilligungs- Voraussetzungen, 117 ff:

Arbeitslosigkeit o. berufliche Weiterbildung Meldung als arbeitssuchend + verfgbar In letzten 2 Jahren mind. 12 Monate beschftigt Hhe: 60 bzw. 67 %, 130 Sperrzeit, 144: Ruhen des Anspruches wegen Versicherungswidrigen Verhaltens Verschuldeter Verlust des Arbeitsplatzes Arbeitsablehnung ohne wichtigen Grund Verletzung von Mitwirkungs- und Meldepflichten Dauer, Abs. 3 : 12 Wochen, 6/ 3 Wochen Durchfhrungsanweisung der Bundesanstalt fr Arbeit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 100 Arbeitsrecht im Betrieb 4 ALG I: Sperrzeit, 144 SGB III Verschuldeter Verlust d. Arbeitsplatzes: AG-Kndigung wg. vertragswidrigem Verhalten

Arbeitsaufgabe, insbes. AN - Kndigung Aufhebungsvertrag Aufhebungsvertrag unschdlich: Bei drohender betriebsbedingten Kndigung AN erhlt Abfindung im Rahmen 1 a KSchG Keine Gesetzesumgehung,insbes. offenkundige Rechtswidrigkeit der beabsichtigten Kndigung Bundessozialgericht vom 02.05.2012 B 11 AL 6 /11 R Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 101 Arbeitsrecht im Betrieb 4G Keine Sperrzeit bei ALG I Nicht versicherungspflichtig, z.B. Aushilfe Vergleich im Kndigungsschutzprozess Bundessozialgericht 17.10.2007 - B 11a AL 51/06 R

Aufhebungsvertrag, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Beispiele: Arbeitgeber htte betriebsbedingt gekndigt + zahlt eine Abfindung von 0,25 0,5 bruttoMonatsentgelten je Beschftigungsjahr. Insolvenz des Arbeitgebers Durchfhrungsanweisung der Bundesagentur fr Arbeit: Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 102 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Arbeitslosengeld II Grundsicherung fr Arbeitssuchende, SGB II / Harz IV: Gleichstellung der Arbeitssuchenden mit Sozialhilfeempfngern Trger: Kommunen = Kreisfreie Stdte & Kreise: Unterkunft, Wohnung

Kinderbetreuung Bundesanstalt fr Arbeit: Sicherung des Lebensunterhaltes Arbeitsmarktbezogen: Eingliederung in Arbeit Sozialversicherung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 103 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Arbeitslosengeld II Bedarfsorientiert: Niedrigere Stze & strengere Regeln: Unterhaltspflicht in Bedarfsgemeinschaften: In Ehe & Lebensgemeinschaften Bercksichtigung Einkommen des Partners Schonvermgen, sonst Verwertung: Selbstgenutztes Einfamilienhaus oder

Eigentumswohnung: Bis ca. 200.000 Sparvermgen: Bis 5.000 Pkw: Nein Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 104 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Kurzarbeit, 95 ff SGB III Einfhrung bedarf einer Rechtsgrundlage in Arbeits- oder Tarifvertrag Erheblicher Arbeitsausfall, 96: Wirtschaftliche Grnde oder unabwendbares Ereignis Vorbergehend Nicht vermeidbar Mindestens 1/3 d. AN mehr als 10 % d. Lohnes Arbeitnehmer sozialversicherungspflichtig

Anzeige Arbeitsausfall an rtl. Arbeitsamt, 99 Dauer: Maximal 12 Monate Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 105 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Saison- Kurzarbeit 175 SGB III AN in Betrieb des Baugewerbes oder saisonaler Arbeitsausfall Erheblicher Arbeitsausfall: Wirtschaftliche, witterungsbedingte Grnde oder unabwendbares Ereignis Besteht vorbergehend Ist nicht vermeidbar Mindestens 1/3 der AN mehr als 10 % d. Lohnes Versicherungspflichtige Arbeitnehmer Verfahren:

Anzeige Arbeitsausfall an rtliches Arbeitsamt Antrag, 323 II, innerhalb Ausschlussfrist, 325 III Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 106 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Krankenversicherung SGB V Trger: Krankenversicherungen, freie KK- Wahl, 173 Krankheit, 44 = 3 Entgeltfortzahlungsgesetz: Arbeitsunfhigkeits- Richtlinien, 92 I Nr. 7, 81 III Nr. 2: Vom Arzt objektiv vorzunehmende Gesundheitsbewertung: Zuletzt ausgebte Ttigkeit kann aufgrund der Erkrankung - nicht mehr oder - nur unter Gefahr der Verschlimmerung ausgebt werden Behandlung der Krankheiten, 27; Freie Arztwahl, 76 Krankengeld, 44:

70 % des blichen Entgeltes, 47 Fr lngstens 78 Wochen innerhalb von 3 Jahren Auch bei stufenweiser Wiedereingliederung, 74 Medizinischer Dienst, 275: Gutachterliche Stellungnahme Abs. 1 a bei Zweifeln an der Arbeitsunfhigkeit Arzt bermittelt ergnzende Ausknfte, 7 AURichtlinie Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 107 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Stufenweise Wiedereingliederung, 74 SGB V Unterfall der begrenzten Arbeitsunfhigkeit: Keine Leistungsfhigkeit fr den geschuldeten Zeitraum, rztliche Empfehlung: Zeitlich gestufte Wiedereingliederung medizinisch sinnvoll. Krankenkasse: Anordnung und Krankengeld

Kein Anspruch AN, keine Mitwirkungspflicht AG Arbeit zum Zwecke der Rehabilitation, nicht zur Erfllung der vertraglichen Arbeitspflicht Kein Lohnanspruch, Urlaubsgewhrung usw. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 108 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Rentenversicherung SGB VI: Altersrente: Ab 65-67 Jahre, 35 Kein Kndigungsgrund, 41 Hinterbliebenenrente, Witwen, 46 (Halb-) Waisen, 48 Hinzuverdienst, 34: max. 400 Wartezeit, 50: 20 / 25 Jahre Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 109 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Rentenversicherung SGB VI Trger: Deutsche Rentenversicherung Versicherungspflichtig: Beschftigte, 1, insbes. Z. 9: Ein Auftraggeber, keine AN Selbstndig Ttige, 2 Rehabilitation: Medizinisch, 15: grds. max 3 Wochen Beruflich, 16: Verweis auf SGB IX Wiedereingliederung in das Erwerbsleben + Sicherung Erwerbsfhigkeit, 31 Erwerbsminderungsrente, 43: Voll oder teilweise: Unfhig 6 Stunden tglich erwerbsttig zu sein Ohne Bercksichtigung Arbeitsmarkt Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 110 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Betriebliche Altersversorgung: Durchfhrungswege, 1 I 2 BetrAVG Direktversicherung und -zusage, 1 b II Unverfallbarkeit Pensionskassen und - fonds, 1 b III Untersttzungskasse, 1 b IV Anspruch auf Entgeltumwandlung, 1 a mit Leistungszusage beitragsorientiert Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

111 Arbeitsrecht im Betrieb Gesetzliche 4 Unfallversicherung SGB VII Trger: Berufsgenossenschaft Beitragspflicht: Arbeitgeber allein Versicherungsfall: Arbeitsunfall, 8 Berufskrankheit, 9: Erleidet Versicherter bei versicherter Ttigkeit, Bundesregierung durch RechtsVO bestimmt (nur physische, nicht psychisch, z.B. burn out) Verletztengeld, 45 statt Krankengeld auch geringfgig Beschftigte Unfallrente, 56 Abs. 1: Ab Minderung der Erwerbsfhigkeit um 20 % Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 112 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Berufsgenossenschaft: Normen Gesetze: Arbeitsschutzgesetz Arbeitssicherheitsgesetz Verordnungen: Arbeitsmedizinische Vorsorge, ArbMedVV: 2 Pflicht-, Angebots- und Wunschuntersuchungen Bildschirmarbeitsverordnung Technische Regeln, z.B. fr BG- Vorschriften (BGV) Arbeitssttten oder Gefahrstoffe

BGV A1: Grundstze zur Prvention 1 Unfallverhtungsvorschriften (UVV) gelten fr Unternehmer und Versicherte 7 (2) Der Unternehmer darf MA, die erkennbar nicht in der Lage sind, eine Arbeit ohne Gefahr fr sich/andere auszufhren, mit dieser Arbeit nicht beschftigen. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 113 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Privilegierte Haftung im Arbeitsverhltnis, SGB VII Fr Personenschden der Arbeitsnehmer: Arbeitsunflle Berufskrankheiten haften nur bei Vorsatz der Unternehmers, 104 die Arbeitnehmer untereinander, 105

andere im Betrieb ttige Personen, 106 Grund: Berufsgenossenschaft ist gesetzliche Unfallversicherung mit alleiniger Beitragspflicht des Arbeitgebers. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 114 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Behinderte Menschen, SGB IX Beschftigungspflicht Arbeitgeber, 71 I: Ab 20 Arbeitspltzen Auf mindestens 5 % Ausgleichsabgabe, 77: Selbst errechnen + mit Anzeige abfhren, 80 II Ansprche Schwerbehinderte: Zusatzurlaub: 5 Tage, 125 I

Nicht fr Gleichgestellte, 68 III Anspruch auf angemessene Beschftigung mit Verwertung ihrer Fhigkeiten + Kenntnisse, Arbeitsplatz mit technischen Hilfen, 81 IV Schwerbehindertenvertretung, 94 ff Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 115 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Feststellung der Behinderung, 69 SGB IX: Auf Antrag an das Versorgungsamt Feststellung durch Bescheid: Krperliche o. geistige Beeintrchtigungen des Grades der Behinderung, GdB In 10er Schritten von 20 bis 100 Entspricht Minderung der Erwerbsttigkeit, MdE

Versorgungsmedizinische Grundstze: Grad der Schdigungsfolgen GdS: rztliche Feststellung Kndigungsschutz auch bei offensichtlicher Behinderung und nachtrglicher Anerkennung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 116 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Kndigungsschutz SGB IX Krperliche: Schwerbehinderung: GdB Mindestens 50 % Nachweis, 90 (2a) Offenkundigkeit gengt, BAG 1985, 7 AZR 373/83

Gleichstellung, 68 III: mindestens 30 % GdB Antrag an Arbeitsamt Erst nach Wartefrist 6 Monate, 90 I 1 Nicht bei auslaufender Befristung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 117 Arbeitsrecht im Betrieb 4 Kndigungsschutz SGB IX Zustimmungserfordernis, 85 Antrag an Landschaftsverband Rheinland (LVR) Feststellungen durch rtliche Frsorgestelle: Stdte und Kreise Entscheidung durch LVR Entscheidung Integrationsamt LVR, 87: Freies, aber pflichtgebundenes Ermessen, 88:

Frsorgegesetz zum Erhalt des Arbeitsplatzes Einschrnkung des Ermessens, 89: Abs. 1: Muss bei Betriebsaufgabe Soll bei wesentlicher Betriebseinschrnkung Abs. 2: Sicherung eines anderen Arbeitsplatzes Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 118 Arbeitsrecht im Betrieb 4S SchwarzarbeitsbekmpfungsG Legaldefinition, 1 Abs. 1 SchwarzArbG: Als Nichterfllung der Arbeitgeber Meldung Sozialversicherung Arbeitnehmer steuerliche Pflichten Sozialhilfe Mitteilungspflichten Gewerbeinhaber Anzeige 14 GewO Handwerker Eintragung Handwerksrolle Schutz des Systems der Pflichtmitgliedschaft

aller Arbeitnehmer in Sozialversicherungen: 266 a StGB Abfhrung Arbeitnehmeranteile Steuerhinterziehung, insbes. der Lohnsteuer Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 119 Arbeitsrecht im Betrieb 4S Geringfgige Beschftigung 8 SGB IV Geringfgig entlohnt: Entgelt bis 450 /Monat Incl. laufenden + einmaligen Einnahmen Sonderzahlungen: Umrechnung und Addition Geschuldete Beitrge zu Sozialversicherungen Ohne vom Arbeitgeber bernommener Pauschalsteuer , 40 a I und II EStG Pauschalbeitrge Kranken- + Rentenversicherung

Kurzfristig: Lngstens 2 Monate oder 50 (volle) Arbeitstage Mehrere Beschftigungen: Zusammenrechnen Gleitzone, 20 II SGB IV: Entgelt 450,01 bis 800 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 120 Arbeitsrecht im Betrieb 4S Was ist Phantom- Lohn? Wenn der Arbeitgeber einen - gesetzlichen Mindestlohn o. allgemeinverbindlichen Tariflohn unterschreitet, wird der Berech-nung der Gesamtsozialversicherungsbeitrge unabhngig von den

Zahlungen an den Arbeitnehmer der geschuldete Lohn zugrunde gelegt. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 121 Arbeitsrecht im Betrieb 4S Sozialversicherungsrecht: Abgrenzung von abhngiger Beschftigung und (schein-) selbstndiger Ttigkeit Gem. Bundessozialgericht: Vertragsverhltnis der Parteien Schriftlich vereinbarte Rechte und Pflichten Notariell bei Treuhand ber GmbH Anteile Gesellschaftermehrheiten + Weisungsrechte wie es tatschlich vollzogen wurde Aus der tats. Durchfhrung als gewollt ergibt

Ausbung von Weisungsrechten BSG v. 25.01.2006 B 12 KR 30/04 R ; 29.08.2012 B 12 KR 14/10 R Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 122 Arbeitsrecht im Betrieb 4S Statusfeststellung AN/ Gewerbe Auf Antrag AG/AN durch Bescheid Rentenversicherungstrger, 7 a SGB IV Subsidir gegenber Krankenkasse als Einzugsstelle, 28 h Abs. 2 SGB IV: Entscheidung ber Versicherungspflicht und Beitragshhe Verfahren: Amtsermittlung Gesamtwrdigung aller Umstnde Bescheid, Widerspruch, Klage zum SG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 123 Arbeitsrecht im Betrieb 4S Subsumtion: Konkrete Feststellung der Tatbestandsmerkmale Nicht hauptamtliche Lehrkraft: Schriftlicher Vertrag Verpflichtung zu Aufbauunterricht durchschnittlich 13 Wochenstunden zu 45 Minuten Gem Lehrplan, bei Bedarf in den Ferien Weisungsgebundenheit der Ttigkeit hinsichtl. Inhalt und Durchfhrung Zeit und Dauer Ort Gesamtwrdigung des wirklichen, objektiven Geschftsinhaltes und der tatschlichen, praktischen Durchfhrung unabhngig von Bezeichnung und Vereinbarung

BAG v. 15.02.2012 10 AZR 301/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 124 Arbeitsrecht im Betrieb 4S Fall: Freiberuflicher OP- Pfleger Eigene hchste Qualifikation, Bro, Akquise, Kundenstamm, Entscheidung Auftragsannahme, Beschftigung Ehefrau Mageblich typisierter Ttigkeitsbereich Ausbung eingegliedert in Betriebsorganisation und ablufe Fremdbestimmte Arbeitsfolge im OP- Team Gem Lehrplan, bei Bedarf in den Ferien Kein eigenstndiger, abgrenzbarer Leistungsbereich, Arbeitsergebnis oder Abrechenbarbeit Haftung gegenber Patienten Zahlung mit festem Stunden- / Tageshonorar Inhalt und Durchfhrung Zeit und Dauer

Ort Abwgung: Typus eines abhngig beschftigten OP- Pflegers BSG 25.04.2012 B 12 KR 24/10 R; BayLSG 28.5.2013 L 5 R 863/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 125 Arbeitsrecht im Betrieb 4S Ansprche gegen die Berufsgenossenschaft wegen Erkrankung durch Mobben? Arbeitsunfall, 8: Kein pltzliches Ereignis Berufskrankheit, 9: Bei keiner Berufsgruppe ein besonders erhhtes Risiko Klage abgewiesen Landessozialgericht vom 2012, Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 126 Arbeitsrecht im Betrieb 4S Fall: Gerstabsturz Fa. Gerstbau GmbH erledigt alle Gerstarbeiten auf den Solvay- Werken. Am 11.03.2013 rstet sie ein Brogebude ein, das von 2 auf 3 Etagen aufge-stockt werden soll. Am 11.04.2013 erhhen ihr Vorarbeiter V mit dem Gerstbauer B und Helfer H das Gerst um eine Etage. Am 12.04.2013 beginnt die Zimmerfirma Z GmbH mit dem Aufsetzen des neuen Dachstuhls. Um 7:15 Uhr bricht der Geselle G durch ein Gerstbohle, strzt 4,50 m ab und verletzt sich schwer. Der Geschftsfhrer der Gerstbaufirma B beruft sich gegenber G und Z GmbH darauf, das Gerst sein noch nicht freigegeben gewesen. Er meint, weder seine GmbH noch seine Mitarbeiter mssten haften. Hat er Recht? Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 127 Arbeitsrecht im Betrieb 4S Lsung Gerstabsturz: Ansprche aus Verletzungen bei Arbeitsunfall, 8: Ausgeschlossen eines Gerstbauers gegen eigenen Arbeitgeber (Unternehmen), 104 Kollegen = im Betrieb ttigen Personen, 105 Zimmerer gegen Gerstbaufirma und Ihre Mitarbeiter, 106 Streitige Freigabe: Erheblich nur fr Strafrechtliche Verantwortung (Vorarbeiter V?) Ggf. Rckgriff der BG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

128 Arbeitsrecht im Betrieb 4S Zustimmungsverfahren Zustndig: Hauptfrsorgestelle Entscheidung: Landschaftsverband Rheinland LVR Feststellungen rtliche Frsorgestelle: Stdte+ Kreise Antragserfordernis: Nach 6 Monaten Arbeitsverhltnis, 90 jede Kndigung ordentlich , 85 auerordentlich, 99 Grundsatz: Mndliche Verhandlung Entscheidungs- Fristen: Ordentliche Kndigung: Soll in 4 Wochen Auerordentliche Kndigung: Binnen 2 Wochen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

129 Arbeitsrecht im Betrieb 4S Zustimmungsverfahren: Entscheidung Integrationsamt: Ermessen: Abwgung Interessen AG Behinderter nicht aus Grnden der Behinderung Sollvorschrift Zustimmung, 89 S. 2: bei wesentlicher Betriebseinschrnkung Fristen fr Ausspruch der Kndigung: Ordentlich: Innerhalb eines Monats, 88 III Auerordentlich: Unverzglich, auch nach 2 Wochen, 91 V Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 130

Arbeitsrecht im Betrieb 4S Rechtsmittel, 69 SGB IX Bescheid des Versorgungsamtes ber Grad der Schdigungsfolgen (GdS) nach versorgungsmedizinischen Grundstzen Widerspruch Widerspruchsbescheid Klage zum Sozialgericht: Nur sachgerechte Ausbung des Ermessens: Aufhebung, wenn Ermessenfehler Stattgabe nur , wenn Ermessensreduktion auf Null Auf Antrag des Behinderten: Bestimmter Arzt als Gutachter, 109 SGG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 131 Arbeitsrecht im Betrieb

4S Verfahren nach SGB IX Integrationsvereinbarung, 83 Antrag: Schwerbehindertenvertretung o. Betriebsrat Inhalt: Regelungen zur Eingliederung Prventionsbemhungen, 84 I Fr Schwerbehinderte Einschaltung Integrationsamt bei Schwierigkeiten personen-, verhaltens- o. betriebsbedingt Betriebliches Eingliederungsmanagement 84 II Unabhngig von Schwerbehinderung Arbeitsunfhigkeit lnger als 6 Wochen/Jahr Obligation: Verminderung Arbeitsunfhigkeit durch leidensgerechte Beschftigung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 132 Arbeitsrecht im Betrieb

5 Allgemeiner Kndigungsschutz und -klage Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 133 Arbeitsrecht im Betrieb 5G Kndigung fristlos, 626: wichtiger Grund: Fortsetzung bis Ende Kndigungsfrist unzumutbar, Abs. 1 Innerhalb 2 Wochen ab Kenntnis der Grnde, Abs. 2 Fallgruppen wichtiger Grund: - Vertrauensbereich

- Arbeitsverweigerung: Nur beharrliche - Verweigerung von berstunden - unentschuldigtes Fehlen - eigenmchtiger Urlaubsantritt Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 134 Arbeitsrecht im Betrieb 5G Auerordentliche Kndigung: Wirksamkeitsprfung zweistufig, BAG: Grund fr Kndigung an sich d.h. typischerweise geeignet Bercksichtigung der Umstnde des Einzelfalls und Abwgung der beiderseitigen Interessen: Arbeitnehmer: Dauer Betriebszugehrigkeit beanstandungsfreie Fhrung - Arbeitgeber:

Beendigungsinteresse Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 135 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Wichtiger Grund: Fallgruppen Straftaten im Arbeitsverhltnis: Ttlichkeiten (Ntigung, Krperverletzung) Grobe Beleidigungen, auch auf Facebook Abgrenzung: Kritik, auch an Vorgesetzten Arbeitszeit- oder Spesenbetrug Verrat von Geschftsgeheimnissen, 17 UWG Bestechlichkeit: Schmiergelder angenommen, 299 StGB Schmiergeldzahlungen an Dritte, treuwidrig bei Kenntnis AG von schwarzen Kassen Nebenttigkeit: Fortgesetzt & vorstzlich Offensichtlich nicht genehmigungsfhig

Wettbewerb whrend des Vertrages, 60 HGB Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 136 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Straftatbestnde: Diebstahl, 242 StGB: Eigentum eines Dritten, des AG Zueignungshandlung des AN Gewahrsamsbruch, bei berechtigtem Besitz des AN Unterschlagung, 246 StGB, z.B. Mankobetrge Bestechlichkeit / Bestechung im geschftlichen verkehr, 299 StGB, Schmiergeldverbot: Verfgungsbefugnis Kuflichkeitsabrede Fahren ohne Fahrerlaubnis, 20 StVG:

Fahrer, aber auch Zulassen Vorsatz oder Fahrlssigkeit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 137 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Straftatbestnde: Betrug, 263 StGB: Tuschung eines Dritten zu Vermgensverfgung dadurch Vermgensschaden Untreue, 266 StGB: Verfgungsbefugnis Missbrauch Urkundenflschung, 267 StGB: Tuschung ber die Person des Ausstellers Nicht bei Vollmacht = vergeistigter Urkundenbegriff

StGB im Internet Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 138 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Alkohol am Steuer: Ab 0,5 Promille: Ordnungswidrigkeit, 24 a StVG Geldbue Fahrverbot 1 3 Monate Trunkenheit im Verkehr, 316 StGB: Fhrung eines Kraftfahrzeuges Unter Alkohol- oder Drogeneinfluss Fahruntauglichkeit: Absolute : ab 1,1 Promille Relative: mindestens 0,3 Promille +Ausfallerscheinung Strafe:

30 Tagesstze Fhrerscheinentzug, Sperrfrist Wiedererteilung 1Jahr: ggf. Auswirkungen auf Arbeitsvertrag, z.B. Fahrer Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 139 Arbeitsrecht im Betrieb 5 G Kndigungsschutzgesetz KSchG 1. Arbeitgeber: Betrieb mit in der Regel mehr als 10 Mitarbeitern a) ohne Geschftsfhrer, 14 I und Auszubildenden, 23 I b) bis 20 Std./ Woche: Zur Hlfte mehr als 20 Std./ Woche: Voll c) Betrieb: Einheitliche Leitung in personellen + sozialen Angelegenheiten d) LeihAN: Wenn Einsatz auf "in der Regel" Personalbedarf beruht

vorhandenem BAG 24.01.2013 - 2 AZR 140/12 2. nach 6 Monaten Wartefrist, 1 II Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 140 Arbeitsrecht im Betrieb 5 G Soziale Rechtfertigung durch Verhaltensbedingte Grnde: Leistungsbereich: Erst nach Abmahnung Vertrauensbereich: Abwgung Dringende betriebliche Grnde: Wegfall des Arbeitsplatzes Sozialauswahl Personenbedingte Grnde: Fhigkeit zur Erbringung der geschuldeten

Leistung / Arbeit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 141 Arbeitsrecht im Betrieb 5 G Verhaltensbedingte Kndigung 1. Verletzung erheblicher vertraglicher Pflichten: Schuldhaft: Vorstzlich o. fahrlssig Darlegungs- + Beweislast: Arbeitgeber , dann abgestuft 2. Negative Prognose: Strungsfreie Vertragserfllung in Zukunft nicht zu erwarten Leistungsbereich: Nach einschlgiger Abmahnung Vertrauensbereich: Insbes. unerlaubte Handlung mit Dienstbezug 3. Interessenabwgung von Beendigungsinteresse des Arbeitgebers Bestandsschutz des Arbeitnehmer 4. Verhltnismigkeit: Milderes Mittel? Abmahnung, entbehrlich bei Vertrauensverlust - Unehrlichkeit Andere geeignete freie Beschftigungsmglichkeiten

Bei Versto gg. Arbeitsvertrag: Sperrzeit, 144 SGB III Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 142 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Verste gegen Arbeitsvertrag Dauernde Unpnktlichkeit Krankmeldung nicht unverzglich, 5 EFZG nahtlos bei auch bei Krankengeld Beleidigungen eines Vorgesetzten, auch in Social Media, z.B. auf Facebook Betriebsfrieden stren, Denunzieren von Kollegen Internetnutzung (Virengefahr),private Telefonate (?) Arbeitsverweigerung: nur erheblich und beharrlich auch zulssiger ber- und Mehrarbeit unentschuldigtes Fehlen eigenmchtiger Urlaubsantritt Wettbewerb whrend Arbeitsvertrag, 60 HGB Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 143 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Strafanzeigen gegen Arbeitgeber: Whistleblower Staatsbrgerliches Recht auch in Arbeitsverhltnis Arbeitnehmer muss zunchst innerbetriebliche Klrung versuchen, sofern ihm zumutbar Versto bei wissentlich falschen Angaben Verdachtskndigung: Dringender Verdacht schwerer Pflichtverletzung, Der das notwendige Vertrauen zerstrt Arbeitnehmer ist vor Kndigung anzuhren Bei Entkrftung Wiedereinstellungsanspruch Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 144 Arbeitsrecht im Betrieb 5 G Abmahnung: Verhltnismigkeit: Geringeres Mittel vor Kndigung Voraussetzung fr Sozialwirksamkeit Kndigung: Verhaltensbedingte Kndigung im Leistungsbereich Grds. bereits beim 1. gleichartigen Versto (Viele Abmahnungen schwchen sogar Warnfunktion!) Entbehrlich: Schwere Pflichtverletzungen Vertrauensbereich Anwendungsbereiche: Steuer- + abstellbares Verhalten: Kann, aber will nicht Nicht erforderlich: Vorwerfbares/ schuldhaftes Verhalten Vertrauensverhltnis wiederherstellbar Vorweggenommene Abmahnung: Arbeitgeber hat durch Arbeitsvertrag o. Aushang zu erkennen gegeben, dass er Fehlverhalten nicht hinnehmen wird. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 145 Arbeitsrecht im Betrieb 5 G Abmahnung: Funktionen Hinweis: Welches Verhalten verstt gegen AV - Pflichten Ermahnung zu vertragstreuem Verhalten Warnung: Androhung der Kndigung Formelle Bestandteile: Nicht formgebunden Angabe der Verpflichtung aus Arbeitsvertrag: Hinweis Konkrete Schilderung des Verstoes: Rgefunktion Kndigungsandrohung: Warnfunktion Anspruch auf Entfernung aus Personalakte, wenn Abmahnung fehlerhaft: Unbestimmt oder unrichtig Wirkungsdauer: i.d.R. 2 Jahre Verbleib: ewig Dokumentation Alternativen: Personalgesprch, Ermahnung, Korrekturvereinbarung BAG vom 19.07.2012 2 AZR 782/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 146 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Dringende betriebliche Grnde Beschftigungsmglichkeit/Weiterbeschftigungsbedarf ist dauerhaft entfallen: Auerbetriebliche Grnde: Absatzschwierigkeiten, Umsatzrckgang mit Unmittelbarer Auswirkung auf den Arbeitsplatz Unternehmerentscheidung: Auf der Grundlage einer Disposition des Arbeitgebers sind mehr Arbeitnehmer beschftigt, als zur Erledigung der anfallenden Arbeiten erforderlich ist: berprfung nicht auf sachliche Rechtfertigung / Zweckmigkeit wohl aber, ob Entscheidung tatschlich getroffen + umgesetzt wurde, dadurch der Beschftigungsbedarf fr den Gekndigten entfallen ist Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

147 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Dringende betriebliche Grnde Organisationsentscheidung arbeitsplatznah = von Kndigungsentschluss nicht zu unterscheiden, z.B. bei Personaleinsparung: AG muss seine Entscheidung in ihrer organisatorischen Durchfhrbarkeit+ zeitlichen Nachhaltigkeit verdeutlichen: Die Auswirkungen der unternehmerischen Vorgaben + Planungen auf das erwartete Arbeitsvolumen mssen anhand schlssiger Prognose konkret dargestellt + erlutert werden, wie die anfallenden Arbeiten vom verbliebenen Personal ohne berobligationsmige Leistungen erbracht werden knnen. LAG D`dorf 21.08.2012 8 Sa 574/12 Dringlichkeit: Keine technische oder organisatorische Alternative zur Kndigung Fehlende Weiterbeschftigungsmglichkeit auf anderem freien Arbeitsplatz Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

148 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Sozialauswahl, 1 Abs. 3 Vergleichbare Arbeitnehmer: Betriebsbezogen, einschl. Filialen Horizontal: Aufgabenbereich + Ausbildung Austauschbarkeit bei Einarbeitung Nicht zu bercksichtigende Arbeitnehmer: In 6 -monatiger Wartefrist (vorab kndigen) Ordentlich unkndbar (Gesetz, Tarifvertrag) Leistung unentbehrlich, 1 Abs. 3 S. 2: Herausnahme Leistungstrger BAG 22.03.2012 - 2 AZR 167/11 ausgewogene Personalstruktur erhalten Auswahlgesichtspunkte: Dauer der Betriebszugehrigkeit Hheres Lebensalter (AGG?) BAG 15.12.2011 - 2 AZR 42/10 Unterhaltspflichten Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

149 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Druckkndigung Begriff: Dritte verlangen vom Arbeitgeber unter Androhung von Nachteilen die Entlassung eines bestimmten Arbeitnehmers. Sofern keine personen- o. verhaltensbedingte Grnde, ggf. Kndigung aus betrieblichen Grnden. Strenge Anforderungen an Zulssigkeit: Arbeitgeber hat sich schtzend vor Arbeitnehmer zu stellen. Bei Verwirklichung der Drohung sind schwere wirtschaftliche Schden fr den Arbeitgeber zu befrchten. Die Kndigung ist das einzige Mittel, um den Schaden abzuwenden. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 150 Arbeitsrecht im Betrieb 5 G

Sicherung ausgewogene Personalstruktur, 1 III 2 Altersstruktur: AG bildet Altersgruppen innerhalb der zur Sozialauswahl anstehenden Mitarbeiter Anteilmige Kndigung aus jeder Gruppe Funktions- und Betriebsablufe: Arbeitnehmergruppen nach Ausbildungsstand Personalstruktur muss bereits so bestehen, wie sie gesichert werden soll Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 151 Arbeitsrecht im Betrieb 5 G Personenbedingte Grnde: Arbeitnehmer ist aufgrund mangelnder Eignung und/oder

persnlicher Fhigkeiten zur Erfllung seiner arbeitsvertraglichen Verpflichtungen nicht in der Lage. Erwartung erheblicher Beeintrchtigung betrieblicher oder wirtschaftlicher Interessen des Arbeitgebers Umfassende Interessenabwgung zulasten des Arbeitnehmers Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 152 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Personenbedingte Grnde: Alkohol- + Drogensucht Krankheitsstadium & Therapiebereitschaft hindern Schuldvorwurf negative Gesundheitsprognose, Fehlende Bereitschaft Arbeitnehmer: Erlernen der deutschen Sprache Fortbildung, insbes. von QS verlangt Umsetzung von Neuerungen am Arbeitsplatz

Entziehung Fahrerlaubnis bei Kraftfahrern U- Haft, Verben einer Freiheitsstrafe Druck Kollegen (nach Entgegenwirken) Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 153 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Krankheitsbedingte Kndigung Hufige Kurzerkrankungen: Innerhalb der letzten ca. 3 Jahre Fehlzeiten mehr als 6 Wochen jhrlich Lang dauernde Arbeitsunfhigkeit: AN etwa 1 Jahre arbeitsunfhig Ende der Erkrankung nicht absehbar Mit erheblicher krankheitsbedingter Leistungsminderung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 154 Arbeitsrecht im Betrieb 5 G Krankheitsbedingte Kndigung Negative Gesundheitsprognose: Indiz aus bisherigen Fehlzeiten: Innerhalb der letzten 2 3 Jahre Mehr als 6 Wochen jhrlich erkrankt Durch konkrete Umstnde widerleglich: insbes. aktuelle Therapie mit offenem Ausgang im Prozess: medizinisches Gutachten Erwartung erheblicher Belastungen fr AG: Betriebliche: Organisation der Ablufe Wirtschaftliche Interessen: Belastung mit Kosten Umfassende Interessenabwgung zu Lasten des AN Keine Beschftigungsmglichkeit auf anderem, leidensgerechten Arbeitsplatz: BEM 84 SGB IX Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 155 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S Minderleistungen Sofern Verhalten steuerbar: Grund verhaltensbedingt Problem: Messbarkeit der Leistung Toleranzgrenze 50 100 % Eingeschrnkte Leistungsfhigkeit: Personen- bzw. krankheitsbedingt rztliche Arbeitsunfhigkeitsbescheinigung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 156 Arbeitsrecht im Betrieb 5 (12) Betriebliches EingliederungsManagement, 84 Abs. 2 SGB

IX AN (auch nicht behindert) ist innerhalb eines Jahres lnger als 6 Wochen krank, AG muss Gesprch mit AN ber die Grnde der Arbeitsunfhigkeit zur Verminderung suchen, insbes. eine leidensgerechte Ttigkeit Voraussetzung: Einwilligung AN, der alle seine rzte umfassend von ihrer Schweigepflicht entbindet Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 157 Arbeitsrecht im Betrieb 5 Massenentlassung, 17 KSchG: Betrieb mit mehr als 20 Mitarbeitern: Entlassung mindestens 5 Mitarbeiter/ 30 Tage Anzeige an Landesarbeitsamt, Abs. 1 und mit Stellungnahme des Betriebsrates oder Namensliste Konsultation des Betriebsrats, Abs. 2

Auskunft, Unterrichtung, Beratung, BAG 21.03.2013 2 AZR60/12: Mehr als + zustzlich zu 102 BetrVG Schriftform Vor Kndigung, Versumnis: K unwirksam, 134 BGB BAG 28.6.2012 - 6 AZR 780/10; 20.9.2012 6 AZR 155/1; 21.3.2013 2 AZR 60/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 158 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S Kndigungsschutzprozess: Klagefrist: 3 Wochen ab Zugang, 4 KSchG Arbeitsgericht: Rechtsantragsstelle Zulassung bei Versptung, 5 KSchG Nachtrgliche Zulassung, 5 Abs. 1 Unverschuldete Versumnis

Anwaltsverschulden zuzurechnen, 278 +BAG 2012 Versumnis: Kndigung gilt als wirksam, 7 (Fiktion!), auch bei auerordentlicher Kndigung Sonderkndigungsschutz, Schwerbehinderung in Folgeprozessen, z.B. Vertragsstrafe Aber falsche Kndigungsfrist: Auslegung richtige, wenn gewollt - - - Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 159 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S Handlungsoptionen AG bei Krankfeiern Verkrzung der 3-Tagesfrist zur Vorlage AUBescheinigung: Aufforderung AG Einschaltung des medizinischen Dienstes,

275 SGB V Stufenweise Wiedereingliederung, 74 SGB V Krankenrckkehrgesprch Betriebliches Eingliederungsmanagement, 84 II SGB IX Kndigung, personenbedingt Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 160 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S Fall: Handy im OP Dr. Arzt ist seit 2005 Chefarzt Chirurgie des Krankenhauses St. Johannes. Regelmig nahm er den schnurlosen Handapparat seines Diensttelefons und sein privates Handy mit in den Operationssaal und legte beide Gerte auf den Ablagetisch. Das Handy war in der Telefonliste des Krankenhauses mit einer Kurzwahlnummer hinterlegt. Mit Schreiben vom 26.9.2008 kndigt die St. Johan-nes gGmbH das Arbeitsverhltnis fristlos, hilfsweise fristgerecht. Der Klger habe im Operationssaal hufig Telefonanrufe angenommen oder whrend laufender Operation von einem Mitglied des OP- Teams annehmen

lassen. Dr. Arzt erhebt Kndigungsschutzklage, mit Erfolg? BAG vom 25.10.2012 2 AZR 495/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 161 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S Lsung: Handy im OP 1. Arbeitsvertragsversto: 1. Hygiene und Verantwortung fr Patienten 2. Leitende Position und Organisationsverantwortung 3. Dienstliche Telefonate 1. wurden geduldet , 2. ggf. Interessenabwgung 4. Keine Rechtfertigung fr private Telefonate 2. Abmahnung: Kein Anhaltspunkt, dass 1. nderung des Verhaltens nicht bewirkt wrde 2. Noch wiegen einige private Telefonate so schwer, dass die einmalige Hinnahme objektiv unzumutbar wre. 3. Ergebnis: Fristlose + ordentliche Kndigung unwirksam. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 162 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S BAG: Emmily E arbeitet seit 1978 als Kassiererin bei R. 2007 findet der Filialleiter Leergut- Bons ber 0,82 und 0,48 und bergibt sie E wenn der Kunde sich meldet. Die Bons werden von E bei einem privaten Einkauf 10 Tage spter von der kassierenden Kollegin eingelst, obwohl sie vom Filial-leiter nicht abgezeichnet waren. R kndigt E gegen den Widerspruch des Betriebs-rates wegen dringendem Tatverdacht fristlos, hilfsweise fristgerecht. BAG vom 25.10.2012 2 AZR 495/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 163

Arbeitsrecht im Betrieb 5 S Fall: Sexuelle Belstigung Bruno Deftig, geb. 1950, ist seit 1976 bei dem Mbelfilialisten Anger als Einkufer beschftigt. Am 18.10.2007 erteilte Fa. Anger eine Abmahnung, weil Deftig eine Mitarbeiterin mit einem Schlag auf das Ges belstigt habe. Am 25.und 26, 06.2008 machte Deftig gegenber einer 26-jhrigen Einkaufsassistentin 4 mal Bemerk-ungen sexuellen Inhalts. Mit Schreiben vom 11.07.2008 kndigte Fa. Anger fristlos, hilfsweise fristgerecht zum 28.02.2009. BAG vom 09.06.2011 2 AZR 323/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 164 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S Fall: Auerordentliche Kndigung wg. sexueller Belstigung i.S.d. 3 IV AGG : unerwnschtes sexuell bestimmtes Verhalten Bezweckt oder bewirkt Verletzung der

Wrde Pflicht des Arbeitgebers zum Einschreiten, 12 III AGG BAG konkretisiert der Verhltnismigkeitsgrundsatz: AG hat die geeigneten, erforderlichen und angemessenen Manahmen zu ergreifen, hier zum effektiven Schutz des weiblichen Personals vor weiteren sexuellen Belstigungen. Ergebnis: A.o. Kndigung wirksam. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 165 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S Teilkndigung: Verbot Weder einzelne Vertragsklauseln noch Entgeltbestandteile sind gesondert kndbar

nderungskndigung, 2 KSchG: Unbedingte Kndigung des Vertrages mit voller sozialer Rechtfertigung Angebot eines neuen Arbeitsvertrages zu anderen/ schlechteren Bedingungen Geht bei freiem zumutbaren Arbeitsplatz der Beendigungskndigung vor Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 166 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S nderungskndigung: Nebenbedingungen Ein dringendes betriebliches nderungserfordernis iSd. 2 S.1, 1 II 1 KSchG kommt in Betracht, wenn Nebenleistungen an Umstnde anknpfen, die nicht notwendig whrend der gesamten Dauer des Arbeitsverhltnisses vorliegen, z.B. Mietzuschuss, der Preisdifferenz zwischen billiger Werkwohnung und Wohnung freier Markt ausgleichen soll Kostenlose Befrderung zum Betriebshof

Ein Arbeitgeber, der sich auf eine wesentliche nderung der magebenden ueren Verhltnisse beruft, sttzt sich auf Umstnde, die neben 1, 2 KSchG den Wegfall der Geschftsgrundlage begrnden, das Beharren auf der vereinbarten Leistung als unbillig und unberechtigt erscheinen lassen und geeignet sind, eine nderung sozial zu rechtfertigen. BAG 20.06.2013 - 2 AZR 396/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 167 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S Kndigungsschutzklage fast 100 %, Grnde: Arbeitsplatz trgt wirtschaftliche Existenz: Rechtfertigungsdruck in Familie + bei Bekannten Abfindung: Vergleiche, aber kein Anspruch Sperrzeit, wenn Kndigung durch Versto gegen Arbeitsvertrag verschuldet, 159 I Z. 1 SGB III

Arbeitsgerichte sind Arbeitnehmerschutzgerichte: (Be-) Urteilen im Zweifel fr den Arbeitnehmer. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 168 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S Abfindung fr Beendigung Auflsung durch Urteil, 9 Abs. 1 S. 2: Kndigung beendet Arbeitsverhltnis nicht Fortsetzung Arbeitnehmer/-geber nicht zumutbar Auch Verhalten im Prozess + des Bevollmchtigten Verurteilung AG zu angemessener Abfindung Kndigung AG mit Angebot Abfindung, 1 a: Pro Jahr Betriebszugehrigkeit Brutto Monatsgehalt Arbeitsgerichtliche Praxis: Erhhung o. Minderung gem. Erfolgsaussichten Auflsungspoker:

Arbeitnehmer: Rckkehr in Arbeitsverhltnis & Annahmeverzug Arbeitgeber: Rcknahme Kndigung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 169 Arbeitsrecht im Betrieb 5 S Arbeit whrend des Prozesses Eine Kndigung "zum nchsten mglichen Termin" ist nicht zu unbestimmt: BAG vom 20.06.2013 - 6 AZR 805/11 Freistellung AN durch AG bis Ablauf Kndigungsfrist unter Anrechnung auf Urlaub + berarbeit Prozessbeschftigung Verhinderung von Annahmeverzug + -lohn durch Angebot einer Beschftigung bis zur rechtskrftigen Entscheidung Problematisch: Rechtlich: Zulssigkeit Befristung Loyalitt der Gekndigten verloren Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 170 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Gewerkschaften & Tarifvertrge Arbeitnehmerberlassung & Scheinselbstndigkeit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 171 Arbeitsrecht im Betrieb 6

Stellung der Gewerkschaften: Duales System: Gewerkschaften Betriebsverfassungsorganen, insbes. Betriebsrat Im Betrieb vertretenen Gewerkschaft: Initiativrechte: Bildung von Betriebsrten, 14 Abs. 3, 17 a Bestellung Wahlvorstand, mit Gewerkschaftsfunktionr Verste durch Betriebsverfassungsorgane, 23 I Erzwingung Betriebsversammlung, 42 Abs. 4 Vertrauensleute: Wahl zur Beratung Mitglieder + BR Zutrittsrecht zum Betrieb, 2 Abs. 2, z.B. Werbezwecke Rechtsvertretung durch Gewerkschaftssekretre: Geltendmachung Ansprche von Mitgliedern & Vertretung vor dem Arbeitsgericht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 172 Arbeitsrecht im Betrieb

6 Gewerkschaften: Zusammenschluss von Arbeitnehmern zur - Verbesserung der Arbeitsbedingungen - Durchsetzen hherer Lhne: Streikrecht Schlieen mit Arbeitgeber & AG-Verbnden Tarifvertrge: Regelung Arbeitsbedingungen fr ihre Laufzeit mit Friedenspflicht Mantel-/ oder Rahmentarifvertrge Entgelttarifvertrge Streik: Suspendiert Pflichten Arbeitsvertrag: Arbeitspflicht Lohnzahlung Streikkasse: Finanziert den Lohnausfall Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 173 Arbeitsrecht im Betrieb 6

Tarifvertrge: Inhalte Schuldrechtlicher Teil TVParteien: - Durchfhrung Friedenspflicht: Verbot Arbeitskampfmanahmen Normativer Teil = Inhalt Arbeitsvertrag: Abschluss-, Inhalts- & Beendigungsnormen von Arbeitsverhltnissen, z. B: Arbeitsentgelte, Kndigungsverbote + fristen: Gelten unmittelbar & zwingend, 3 I, 4 I TVG Abweichende Abmachungen nur, wenn durch Tarifvertrag gestattet o. zugunsten AN, 3 III TVG Arbeitsbedingungen: Angelegenheiten ber individuelle Arbeitsvertrge hinaus, z. B. Einfhrung Kurzarbeit Wchentliche Arbeitszeit, Pausen, berstunden Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2012 www.ingendahl-rust.de 174 Arbeitsrecht im Betrieb 6

Tarifvertrge und BGB AT Zwischen Arbeitgeber/- verband + Gewerkschaft Vertrag ber Lhne oder Arbeitsbedingungen Durch Einigung: Angebot und Annahme Vertragsbindung, 1 TVG: Friedenspflicht Unerlaubte Handlung, 823 BGB 1. absolutes Recht verletzt: Gewerbebetrieb 2. keine Rechtfertigung: Kein Streikrecht, wenn eine Forderungen in Friedenspflicht Rechtsfolgen: Unterlassungsanspruch Schadensersatz: Nicht sofern auch bei rechtmigem Verhalten entstanden Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 175 Arbeitsrecht im Betrieb

6 Tarifvertragsgesetz: 1 Tarifvertrag der 2 Tarifvertragsparteien (Koalitionen): Gewerkschaften & Spitzenverbnde Arbeitgeber & Arbeitgebervereinigungen, 3 Tarifgebundenheit = Legitimation Normsetzung Vertragsparteien Mitglieder der Tarifvertragsparteien: Arbeitnehmer in Gewerkschaft Arbeitgeber in Verband, nicht Ohne Tarifbindung 4 Wirkung des Tarifvertrages: Gesetzesgleich Unmittelbar: Rechte und Pflichten im Arbeitsvertrag Zwingend: Durch Vertrag / Einigung nicht verzichtbar 5 Allgemeinverbindlichkeit Erklrung durch Bundesminister Arbeit und Soziales Bei Tarifbindung > 50 % & ffentlichem Interesse Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 176

Arbeitsrecht im Betrieb 6 Tarifvertrge: Abschluss: Rechtliche Grundlage: Koalitionsfreiheit, Art. 9 II GG, gewhrleistet Bildung von Vereinigungen zur Wahrung und Frderung der Arbeits- + Wirtschaftsbedingungen. Gesetzlicher Rahmen: Tarifvertragsgesetz (TVG) Parteien: Arbeitgeberseite: Arbeitgeber ( 2 Abs. 1 TVG) o. Vereinigungen AG Handwerksinnungen ( 54 Abs. 3 Nr.1 HwO) Innungsverbnde ( 82 Nr. 3 HwO) Arbeitnehmerseite: Tariffhige Gewerkschaft oder Spitzenorganisation = Zusammenschluss von Gewerkschaften, 12 TVG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2012 www.ingendahl-rust.de

177 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Tarifeinheit(bis 2010): Ein Betrieb =ein Tarifvertrag Bei Bindung Arbeitgeber an verschiedene Tarifver-trge verdrngt der speziellere Tarifvertrag den anderen. Begrndung: bergeordneten Prinzipien der Rechtssicherheit und klarheit + praktikable Lsung. BAG 14.6.1989 - 4 AZR 200/89 + 5.9.1990 - 4 AZR 59/90 Soll gem. Koalitionsvertrag GROKO Gesetz werden. Tarifpluralitt: Betrieb wird von verschiedenen Tarifvertrgen erfasst, die Gewerkschaften fr Arbeits-verhltnisse derselben Art geschlossenen haben. Arbeitgeber ist an beide Tarifvertrge gebunden. Fr jeden AN gilt nur ein Tarifvertrag: TV, der Inhalt, Abschluss und Beendigung von Arbeitsverhltnissen ordnet, ist kraft Mitgliedschaft in der vertrags-schlieenden Gewerkschaft anzuwenden. BAG 27.1.2010 - 4 AZR 549/08 + 23.6.2010 - 10 AS 2/10 u. 10 AS 3/1

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2012 www.ingendahl-rust.de 178 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Streik-& Tarifrecht Industrielle Entwicklung: Streiks sind ntig, um die Unterlegenheit der einzelnen Arbeitnehmer abzumildern dienen der Verbesserung der Arbeits- und Lebenssituation, dem sozialen Fortschritt BAG: Ohne Streikrecht wren Tarifverhandlungen kollektives Betteln Unverzichtbarkeit des Streiks gegen Ansichten: Gehrt in Mottenkiste des Klassenkampfes In einer vernetzten Wirtschaft verursachen schon kleine Streiks Riesenschden Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 179 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Art 9 Abs. 3 GG Koalitionsfreiheit Gewhrleistet fr jedermann das Recht, zur Frderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen Vereinigungen zu bilden Schutz der Grundrechtstrger Gewerkschaften, incl. koalitionsspezifischer Bettigung, Art. 9 III 1 GG, . Werberecht Organisation von Streiks Arbeitgeberverbnde Grundrecht auf Streik Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

180 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Anerkennung einer Gewerkschaft: Privatrechtliche Vereinigung freiwillig zusammengeschlossen demokratisch organisiert Bereitschaft zu Tarifvertrgen Unabhngig von Gegner sowie Staat, Kirche und Parteien Anzahl der Mitglieder vermittelt Durchsetzungskraft gegen Arbeitgeber /-verband Verfolgt Vereinigungszweck des Art. 9 Abs. 3 GG: Wahrung und Frderung der Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2012 www.ingendahl-rust.de 181 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Schutzbereich der Koalition: Individuelle Koalitionsfreiheit: grnden, beitreten, Mitglied bleiben Ttigkeit in gewerkschaftlichen Organen Inanspruchnahme Schutz der Tarifvertrge Kollektive Koalitionsfreiheit: Bestands- Garantie Koalitionsspezifische Bettigungen, insbes. Tarifautonomie: Regelung des Arbeitslebens vorrangig durch Tarifvertrge Recht zum Arbeitskampf Information und Werbung von Mitgliedern im Betrieb durch Gewerkschaftsmitglieder Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 182 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Deutscher Gewerkschaftsbund DGB Mitgliedsgewerkschaften: IG Metall Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft IG Bergbau, Chemie, Energie IG Bauen Agrar Umwelt Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststtten Gewerkschaft der Polizei Daneben bestehen viele Einzelgewerkschaften, z.B. die Gewerkschaft der Flugsicherung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

183 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Arbeitskampfrecht Betriebsrat: Muss neutral bleiben, 74 BetrVG darf seine Sachmittel nicht nutzen Gegen- Manahmen des Arbeitgebers: Aufrechterhaltung der Produktion Politik der offenen Tr Manahmen gegen Streikende Bei Fernwirkungen: Lohnverweigerung Stilllegung: Suspendierung der Arbeitswilligen Aussperrung: Nur Abwehraussperrung , wenn Solidaritt der Arbeitgeber bedroht ist Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

184 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Arbeitskampfrecht: Streik Hilfsinstrument der Tarifautonomie: Streikziel in Tarifvertrag regelbar oder Regelung der Folgen einer Betriebsstillegung oder verlagerung Ausgliederung oder Privatisierung Friedenspflicht bei geltenden Tarifvertrgen Streikaufruf Gewerkschaft nach Urabstimmung: Suspendiert Hauptpflichten aus Arbeitsverhltnis: Arbeitspflicht und Lohnanspruch ruhen Arbeitsniederlegung: Gewerkschafts- Mitglieder: Verpflichtet Nichtorganisierte: Berechtigt Kein Kurzarbeitergeld, 174, 146 SGB III Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 185 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Wann gilt ein Tarifvertrag im Arbeitsverhltnis? Bezugnahme Arbeitsvertrag: Gleichstellung 4 Abs. 1 TVG: Beide Arbeitsvertragsparteien sind tarifgebundenen: Arbeitgeber: Mitglied im Arbeitgeberverband Arbeitnehmer: Mitglied der Gewerkschaft Nachwirkung, 4 Abs. 5: Nach Aufhebung TV bis Neuregelung Allgemeinverbindlichkeitserklrung durch Bundesministerium fr Arbeit und Soziales, 5 Achtung: Umgekehrte Prfungsreihenfolge! Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

186 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Bezugnahmeklauseln ArbeitsV Begriff: Verweisung in Arbeitsvertrag auf Tarifvertrge, 3 TVG Vorteile fr Arbeitgeber tarifgebundenen: Einheitliche Regelungen, unabhn-gig von Gewerkschaftszugehrigkeit der AN = mindert den Anreiz zum Gewerkschaftsbeitritt nicht tarifgebundene: Erspart betriebliche Vergtungsordnung Arten der Bezugnahme: Statisch: Verweist auf den Tarifvertrag, der zum Zeitpunkt des Abschlusses des Arbeitsvertrags gilt Dynamische: Bezug auf die jeweils gltige Fassung eines Tarifvertrags, Jeweiligkeitsklausel Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 187 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Allgemeinverbindlicherklrung Voraussetzungen, 5 Abs. 1 TVG: Antrag einer Tarifpartei, Rechtswirksamer Inlandstarifvertrag Tarifgebundene Arbeitgeber beschftigen mindestens 50 % der Arbeitnehmer (entfllt?) ffentliches Interesse Wirkungen, 5 Abs. 4 TVG: Ausweitung der Tarifbindung auf Auenseiter = Einschrnkung der negativen Koalitionsfreiheit Gesetzesgleich normativ Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

188 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Allgemeinverbindliche Tarifvertrge: 502 von 72.800 Baugewerbe Bauhauptgewerbe: Bundesrahmentarifvertrag Sowie Dachdecker, Fliesenleger, Gerstbauer, Maler & Lackierer Mit Sozialkassen: Schlechtwetter, Urlaub Bckerhandwerk, Frisrhandwerk Hotel- und Gaststttengewerbe NRW Sowie Wach- und Sicherheitsgewerbe ffentlicher Dienst: TVD Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

189 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Mindestlhne durch Tarifvertrge: Allgemeinverbindlicherklrung, 5 TVG Erstreckung, 3 ff AEntG Rechtsverordnungen gem. 7 AEntG 10 ff AEntG, z.B. im Pflegebereich: 3 a AG: Auf Vorschlag Tarifparteien 4 Abs. 3 Mindestarbeitsbedingungengesetz Koalitionsvertrag Groe Koalition: 8,50 Allgemeine gesetzliche Mindestlohnregelung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 190 Arbeitsrecht im Betrieb Branche 6 Mindestlhne Bauhauptgewerbe: West 11,05 /Std. 2013 Ost 10,25 /Std. Dachdecker 11,55 /Std. Elektrohandwerk Montage 10,00 /Std. Gerstbau, seit 1.8.2013 10,00 /Std. Maler- und Lackierer 12,00 / 9,75 /Std.

Abfallwirtschaft: 8,68 /Std. Bergbauspezialgesellschaften Frisrhandwerk, seit 08/2013 Gebudereinigung: Nur bis 31.12.2013 Pflegebranche: 8,75 / 7,75 /Std. Wach- & Sicherheitsgewerbe: 7,00 8,75 /Std. Gastronomie: EntgeltTV av 8,35/Std. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 191 Arbeitsrecht im Betrieb 6

Vermeidung Arbeitsverhltnis Arbeitnehmerberlassung: Fremde Arbeitnehmer befristet ausleihen Outsourcen: bertragung von Arbeits-schritten auf selbstndige Dienstnehmer, z.B. Buchhaltung an Steuerberater Werkunternehmer, z.B. Rohbau an Bauunternehmer Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 192 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Arbeitnehmerberlassung Arbeitgeber Verleiher nehmer berlassungsvertrag

Arbeit- Eingliederung Entleiher Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 193 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Arbeitnehmerberlassung: Arbeitsvertrag zwischen Arbeitnehmer und Leiharbeitgeber = Verleiher Arbeitnehmerberlassungsvertrag zwischen Leiharbeitgeber und Entleiher

Eingliederungsverhltnis zwischen Vertragsarbeitnehmer und Entleiher BAG 18.01.2012 7 AZR 723/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 194 Arbeitsrecht im Betrieb 6 ArbeitnehmerberlassungsG Verleiher bedarf der Genehmigung des Landesarbeitsamtes, 1 Anderenfalls Arbeitsverhltnis zwischen AN + Entleiher, 10 I AG: Folgen fr Lohnansprche und Kndigung,

Entleiher entledigt sich Arbeitnehmerschutz, jedoch: Anspruch auf gleiche Arbeitsbedingungen + Entgelt, 10 IV: equal pay berlassung nur vorbergehend, 1 Abs. 1 S. 1 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 195 Arbeitsrecht im Betrieb 6 ArbeitnehmerberlassungsG Verbot der nicht vorrbergehenden Arbeitnehmerberlassung, 1 Abs. 1 S. 2 AG Versto begrndet kein Arbeitsverhltnis mit dem Verleiher. 10 AG gilt nur fr die fehlende AG Genehmigung. BAG 10.12. 2013 9 AZR 51/13

Beabsichtigt der Entleiher, einen Leiharbeitnehmer mehr als vorbergehend / ohne zeitliche Begrenzung zu beschftigen, kann der Betriebsrat die Zustimmung verweigern, 14 Abs. 3 AG, 99 Abs. 2 BetrVG, insbes. Beschftigung eines Leiharbeitnehmer statt einer Stammkraft. BAG 10. 7.2013 7 ABR 91/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 196 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Outsourcen ArbeitArbeitgeber nehmer Werk- oder Dienstvertrag Selbstndiger Unternehmer Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 197 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Outsourcing Begriff: Ausgliederung von Teilbereiche des Leistungsprozesses in Werk-/ Dienstvertrge Abgrenzung: Werkvertrag: Unternehmer schuldet Werk = Erfolg Dienstvertrag: Dienstleistung Arbeitsvertrag: Dienstleistung mit Eingliederung Anerkennung, wenn tatschlich durchgefhrt: Eingliederung in eigene Arbeitsorganisation: Bestimmung Arbeitsbedingungen und - zeit Ausbung des Weisungsrechts Unternehmerisches Risiko: Eigenes Werkzeug und Arbeitsmittel Zahlung fr Leistung (Aufma), nicht fr Zeit (Stunden)

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 198 Arbeitsrecht im Betrieb 6 Fremdpersonal in Werk-und Dienstvertrgen Mageblich nicht Vereinbarung oder Bezeich-nung, sondern praktische Durchfhrung: Eingliederung in Arbeitsorganisation: Ausbung des Weisungsrechts und Kontrollen Bestimmung Arbeitsbedingungen und -zeit Unternehmerisches Risiko: Eigenes Werkzeug und Arbeitsmittel Zahlung fr Leistung (Aufma), nicht fr Zeit (Stunden) Gewhrleistung Arbeitnehmer in Organisation des Bestellers: Arbeitnehmerberlassung, 10 AG

ohne Genehmigung: Arbeitsvertrag mit Entleiher Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 199 Arbeitsrecht im Betrieb 6S Annahmeverzug bei Streikteilnahme Die tariffreie A GmbH beschftigt 45 Arbeitnehmer. Ende Mrz 2010 fordert die tarifzustndige IG Bau A zu Tarifver-handlungen ber einen Haustarifvertrages auf. Am 8.4.2010 wird eine Tarifkommission TK gewhlt. Am 9.4. kndigt A 6 Mitglieder der TK ordentlich zum 30.6.2010 und stellt sie frei. Bei der Urabstimmung am 13.04.2010 sprechen sich 95,5 % der gewerkschaftlich organisierten Beschftigten fr Streik aus. Die IG Bau fordert A auf, Tarifgesprche anzubieten und ruft am 21.4.2010 die Belegschaft zum Streik auf. Am 22.4.2010 kndigt A nunmehr fristlos. Auf die Klagen der Gekndigten stellt das Arbeitsgericht mit Urteil vom 14.7.2010 die Unwirksamkeit aller Kndigun-gen fest. Der Streik wird daraufhin ohne Tarifabschluss beendet.

Die Gekndigten verlangen Lohn wegen Annahmeverzug vom 25.04. bis 15.07.2010. BAG 17.7.2012 - 1 AZR 563/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 200 Arbeitsrecht im Betrieb 6S Fall: Streikaufruf im Intranet Die K GmbH betreibt ein Krankenhaus mit 870 Beschftigten. Nach ihrer Anordnung ist die Nutzung des Intranets ausschlielich dienstlichen Zwecken vorbehalten. Mitarbeiter A ist Betriebs-ratsvorsitzender und Mitglied von ver.di. Fr den 13. April 2011 rief ver.di zu einem Warn-streik bei K auf. Diesen Aufruf leitete A ber das Intranet an alle Arbeitnehmer weiter und rief die Beschftigten auf, sich an dem Streik zu betei-ligen. Er signierte mit Fr die ver.di Betriebsgrup-pe und fgte seinen Namen an. K verlangt von A , solche Aufrufe in Zukunft zu

unterlassen. Zurecht? Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 201 Arbeitsrecht im Betrieb 6S Lsung: Streikaufruf im Intranet Schutz der individuellen Koalitionsfreiheit, Art. 9 Abs. 3 GG: Gilt nur fr Gewerkschaften, nicht fr andere Arbeitnehmervereinigungen, insbes. nicht fr Betriebsrte Betriebsrte: 1. 2 Abs. 2 BetrVG: Wahrnehmung der Interessen der Arbeitnehmer und des Betriebes 2. 74 Abs. 2 S. 1 BetrVG: Arbeitskampfrechtliches Neutralittsgebot Ergebnis: Unterlassungsanspruch des Arbeitgebers, 1004 BGB BAG 15.10.2013 1 ARB 31/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 202 Arbeitsrecht im Betrieb 6S Arbeitskampf Gewerkschaft fr Flugsicherung e.V. gegen die Fraport AG im Februar 2012 1. Einstweilige Verfgung: Untersagung des Streiks. Versto gegen Friedenspflicht, da auch Forderungen durchgesetzt werden sollten, zu denen noch ein Tarifvertrag galt. Einzelne Forderungen unter Friedenspflicht machen den Streik insgesamt rechtswidrig. Arbeitsgericht Frankfurt 29.02.2012 - 9 Ga 24/12 2. Schadensersatzklagen gegen Gewerkschaft abgewiesen: a)Lufthansa: Nur Drittbetroffene / nicht bestreikt b)Fraport: Streik htte ohne die beanstandeten Forderungen keinen anderen Verlauf genommen (rechtmiges Alternativverhalten) Hessisches Landesarbeitsgericht 05.12.2013 - Sa 592/13 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2012 www.ingendahl-rust.de 203 Arbeitsrecht im Betrieb 6S Fall: Arbeits - oder Werkvertrag? U wurde fr das Bayerische Landesamt fr Denkmal-pflege (BLfD) seit 2005 aufgrund von 10 Werkvertrgen ttig. Im letzten Vertrag vom 23.3./1.4.2009 ist die Vorarbeit fr die Nachqualifizierung der Denkmalliste fr die kreisfreie Stadt und den Landkreis Frth vereinbart. Abhngig vom Standort der Ortsakten konnte die Ttig-keit nur in den Dienststellen des BLfD erbracht werden, einen Schlssel besa U nicht. U hat regelmig von 7:30 bis 17:00 Uhr gearbeitet, ber einen PC mit persnlicher Benutzerkennung hatte er Zugang zu den Eingabemasken. Der Termin zur Fertigstellung wurde anhand von Erfahrungswerten kalkuliert und auf den 30.11.2009 fest-gelegt. Die Vergtung von 31.200 incl. Umsatzsteuer durfte U nach Abschluss der Bearbeitung bestimmter Gebiete in Betrgen von 5.200 abrechnen. U macht geltend, er stnde in einem Arbeitsverhltnis. BAG 25.09.2013 10 AZR 282/12; 17.04.2013 - 10 AZR 272/12

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 204 Arbeitsrecht im Betrieb 6S Lsung: Arbeits- oder Dienst-/Werkvertrag? Kriterien fr Arbeitsverhltnis: Grad der persnlichen Abhngigkeit Weisungsrecht: Inhalt, Durchfhrung, Zeit, Dauer und Ort der Ttigkeit, 106 GewO ueres Erscheinungsbild: Typischer Einsatzbereich von Arbeitnehmern Eingliederung: Ausbung der Weisungsrechte und Kontrollen durch Einsatzbetrieb Leistung persnlich zu erbringen Material / Werkzeug des Einsatzbetriebes Werk- bzw. Dienstleistungen nicht bestimmbar (Abschlags-) Zahlungen: Von Leistungserfolg unabhngige bzw. auf Stundenbasis Gewhrleistung vertraglich ausgeschlossen

Lsung: Wertende Gesamtbetrachtung: Arbeitsverhltnis Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 205 Arbeitsrecht im Betrieb 6S Leiharbeitnehmer Zurechnung Betrieb Verleiher, 14 I AG BAG v. 10.10.2012, 7 ABR 53/11 Betriebsrat: Aktives + passives Wahlrecht , 7 II , 8 BetrVG Kndigungsschutz: Mehr als 10 Mitarbeiter, 23 I KSchG Sozialauswahl bei betriebsbedingter Kndigung, BAG 24.01.2013 - 2 AZR 140/12; 20.06.2013 2 AZR 271/12 Entleiher: Betriebsgre: Soweit Leiharbeitnehmer einen regelmigen Beschftigungsbedarf (Sockelarbeit) decken Zahl Betriebsratsmitglieder, 9 BetrVG

BAG 13.3.2013 - 7 ABR 69/11 Kleinbetrieb, 23 I KSchG, BAG 24.01.2013 2 AZR 140/12 hindern betriebsbedingte Kndigung, wenn BAG 15.12.2011 - 2 AZR 42/10 ?????? nicht nur vorbergehend o. als Personalreserve eingesetzt, sondern auf Dauer- Arbeitsplatz mit stndigem , nicht schwankenden Sockelarbeitsvolumen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 206 Arbeitsrecht im Betrieb 6S Fall: Diebels - Empfangsdienst Frau Freundlich arbeitet fr die Wachdienst Niederrhein GmbH, Moers. Sie wird als einzige Mitarbeiterin bei der Firma Diebels, Issum im Empfangsdienst eingesetzt. Dort wurde sie von Mitarbeitern der Wachdienst Rheinland GmbH in

ihre Aufgaben eingewiesen, auf die Diebels auch den Pfrtner, die Poststelle und die Kantine outgesourct hat. Teilweise arbeitet sie nach Vorgaben der kaufmnnischen Mitarbeiter der Brauerei. Als Diebels den Empfangsdienst wieder selbst bernimmt, kndigt Wachdienst Niederrhein ordentlich. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 207 Arbeitsrecht im Betrieb 6S Lsung: Diebels - Empfangsdienst Frau Freundlich wurde von Ihrem Arbeitsgeber WD Niederrhein GmbH weder in ihre Beschfti-gung eingewiesen, noch kontrolliert. Diese prgenden Arbeitgeberaufgaben hat der WD Rheinland GmbH bernommen. Rechtsfolgen: ANberlassung von Frau Freund-lich an den WD Niederrhein. Da der WD Nieder-rhein keine

Erlaubnis 1 AG hat, sind sowohl der Arbeitsvertrag als auch der berlassungs-vertrag zwischen den WDs unwirksam, 9 Z. 1. Der Arbeitsvertrag wird zwischen Frau F und dem Entleiher WD Niederrhein fingiert, 10 AG. Dieser Arbeitsvertrag besteht ungekndigt fort! Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 208 Arbeitsrecht im Betrieb 6S BR- Zustimmung zur Leiharbeit Erforderliche Zustimmung des Betriebsrates bei Gesetzesversto i.S.d. 99 BetrVG: 1 Abs. 1 S. 2 AG ist Verbotsgesetz: Leiharbeitnehmer darf nur vorbergehend eingestellt werden. Auslegung vorbergehend: Betrachtung

Personenbezogen Aufgabenbezogen: Bei objektiv dauerhaft anfallender Arbeit darf Leiharbeitnehmer nur zu deren aushilfsweiser Wahrnehmung heran-gezogen werden. BAG 08.01.2014 3 Ta BV 43/14 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 209 Arbeitsrecht im Betrieb 6S Equal Pay in der Leiharbeit Verleiher muss Leiharbeitnehmer die beim Entleiher bliche Arbeitsbedingungen + entgelt gewhren, 10 IV 1 AG vorrangig jedoch Tarifvertrag, 10 IV 2 Tarifgemeinschaft Christlicher Gewerkschaften fr Zeitarbeit und Personalserviceagenturen War nie tariffhig, BAG 23.05.2012 - 1 AZB 58/11 Abgeschlossene Tarifvertrge wirkungslos bliches Entgelt geschuldet und Bemessungsgrundlage

Sozialversicherungsbeitrge Entleiherhaftung wie selbstschuldnerischer Brge fr Sozialversicherungsbeitrge, 28 e II 1 SGB IV Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 210 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Betriebsverfassungsrecht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 211 Arbeitsrecht im Betrieb

7 Betriebsverfassungsrecht Betriebsrat (BR): Einbindung der Arbeitnehmer in die Fhrung des Unternehmens durch Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte auf der Ebene des Betriebes Aufgaben des BR, 2 Abs. 1 BetrVG: Vertrauensvolle Zusammenarbeit mit AG Beachtung geltender Tarifvertrge Ziel: Wohl von Arbeitnehmern & Betrieb Friedenspflicht: Kein Streikrecht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 212 Arbeitsrecht im Betrieb 7

Betriebs- Begriff: Unabhngig von Unternehmen als Rechtstrger Arbeitsrechtlich (allgemein): In einer Betriebssttte (rumliche Nhe) werden materielle & immaterielle Betriebsmittel und Mitarbeiter fr arbeitstechnische Zwecke zusammengefasst, geordnet eingesetzt und von einem einheitlichen Leitungsapparat gesteuert: Einheitliche Entscheidung in personellen und sozialen Angelegenheiten Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 213 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Arbeitnehmer, 5 BetrVG Alle Arbeitnehmer + Auszubildenden, Abs. 1

Ausgrenzungen, Abs. 2: Organvertreter juristischer Person, Nr. 1 Personengesellschafter, Nr. 2 Enge Verwandte, Nr. 5 Leitende Angestellte, Abs. 3: Grds. nicht Berechtigung zu Einstellungen+ Entlassungen z.B. Prokura, 48 ff HGB Leiharbeitnehmer BAG 13.03.2013 7 ABR 69/11 Bleiben Angehrige im Verleiherbetrieb, 14 I AG Sind im Entleiherbetrieb nicht wahlberechtigt In der Regel Beschftigte zhlen aber bei den Schwellenwerten des Entleihers gem. 9 mit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 214 Arbeitsrecht im Betrieb

7 Betriebsrat: Wahl Bestellung des Wahlvorstands, 1 WO durch den Betriebsrat, 16 BetrVG betriebsratlos, 17 BetrVG: Durch Betriebsversammlung: Einladung 3 AN, Abs. 3 Gesamt- oder Konzernbetriebsrat, Abs. 1 Arbeitsgericht, Abs. 4 Wahlgrundstze: Demokratisch 14: Geheim + unmittelbar 20: Behinderungs- + Beeinflussungsverbot 21: Amtszeit 4 Jahre, 01.03.-31.05.2010 bis 2014 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 215 Arbeitsrecht im Betrieb 7

Betriebsrat: Wahl Whlerliste, 2 WO: Aufstellung durch Wahlvorstand mit Mehrheit, Abs. 1 Am Wahltag Mitarbeiter ber 18 Jahre(Voll- o. Teilzeit) des Betriebsinhabers + innerhalb betrieblichen Organisation eingesetzt oder zur Arbeitsleistung berlassen, 7 BetrVG Ausknfte von AG, Abs. 2 Eintragung konstituiert aktives+ passives Wahlrecht, Abs. 3 Auslegung im Betrieb, Abs. 4 Einspruch binnen 2 Wochen: Nur durch AN, 4 WO 4 Entscheidung durch Wahlvorstand unverzglich Anrufung Arbeitsgericht: Beschlussverfahren Wahlausschreibung, 3 WO Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 216 Arbeitsrecht im Betrieb 7

Betriebsverfassung BetrVG: Betriebsrat: Gewhlte Mitglieder - bis Erlschen, 24 Ersatzmitglieder rcken nach , 25 I fr endgltig ausgeschiedene Mitglieder, 24 z.B. durch Beendigung Arbeitsverhltnis zeitweilig verhinderte Mitglieder Geschftsfhrung des Betriebsrates: 26 BR whlt Vorsitzenden, bei Verhinderung vertritt ihn der Stellvertreter, auch bei Entgegennahme von Erklrungen des AG 33 Beschlsse: Grds. einfache Mehrheit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 217 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Ttigkeit des Betriebsrats, 37

Ehrenamtlich = Unentgeltlich Whrend der Arbeitszeit: Arbeitsbefreiung, soweit Betriebsratssitzung oder fr BR- Aufgaben erforderlich: Beurteilungsspielraum Meldepflicht AN: Ab- + Anmeldung von Arbeit: Nicht notwendig persnlich, auch mndlich Grds. ohne Spezifizierung der beabsichtigten Ttigkeit Mit voraussichtlicher Dauer der Abwesenheit Nach Beendigung: Rckmeldung Bedienen Zeiterfassung bei Verlassen des Betriebs BAG 29.06.2011, 7 ABR 135/09 Arbeitgeber: Kann Dringlichkeit der Arbeit prfen und bei betrieblichen Notwendigkeiten die Unabkmmlichkeit des Mitarbeiters und eine zeitliche Verschiebung geltend machen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 218 Arbeitsrecht im Betrieb

7 Betriebsverfassung BetrVG: Kosten der BR- Ttigkeit: Trgt AG, 40 Rume, Sachmittel, Schulungen Kinderbetreuungskosten BAG 23.06.2010 7 ABR 103/108 Hinzuziehung durch AN gegenber AG: Zur Erluterung des Arbeitsentgelts und Errterung Leistungsbeurteilungen und Mglichkeiten beruflicher Entwicklung, 82 II Einsicht in Personalakte, 83 Abs. 1 Beschwerderecht: An AG und an BR, 84 I Betriebsversammlung, 42 ff BetrVG: Keine Funktion nach auen Kein Weisungsrecht gegenber Betriebsrat Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 219 Arbeitsrecht im Betrieb

7 Mitwirkung des Betriebsrates: 74 Zusammenarbeit mit AG, Friedenspflicht 75 berwachung Diskriminierungsverbot 76 Bildung Einigungsstelle 78 Betriebsratsmitglieder: Verbot zu stren, benachteiligen, begnstigen 80 Viele allgemeine Aufgaben 79 Verschwiegenheitspflicht BR Mitglieder 81 Unterrichtungs- & Errterungspflicht AG 82 Anhrungs- & Errterungsrecht AN Hinzuziehung Mitglied des BR 83 Einsicht in Personalakten Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 220 Arbeitsrecht im Betrieb

7 Betriebsvereinbarung, 77 Privatrechtlicher Vertrag zwischen AG und BR zu betriebsverfassungsrechtlichen Themen. Abschluss nach Regeln des BGB AT: Vertretung BR durch Vorsitzenden Bei Versto gg. hherrangiges Recht: Nichtigkeit Schriftform, 125 BGB Bekanntgabe: keine Wirksamkeitsvoraussetzung, AN kann sich aber auf Unkenntnis berufen Durchfhrung durch Arbeitgeber, Abs. 1: Pflicht In Fllen erzwingbare Mitbestimmung: Durchsetzung durch Einschaltung der Einigungsstelle Geltung, Abs. 5: - Unbefristet - Kndigungsfrist 3 Monate Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 221 Arbeitsrecht im Betrieb

7 Betriebsvereinbarungen, 77 Vorrang Tarifvertrge = Sperrwirkung, Abs. 3: BR hat Regelungsbefugnis wie Tarifparteien Ausnahme: Arbeitsentgelt + bedingungen, die durch Tarifvertrag geregelt sind oder blicherweise geregelt werden Verhltnis zum Arbeitsvertrag: Unabdingbar, Abs. 4: Geltung unmittelbar: Werden Inhalt der Arbeitsvertrge zwingend: AN kann nur mit Zustimmung BR verzichten Disposition nur durch Betriebsparteien Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 222 Arbeitsrecht im Betrieb 7

Betriebsvereinbarung, Beispiele: Arbeitszeit, Gleitzeit Rauch- und Alkoholverbote Reaktionen auf Alkoholverdacht: Definition Verdachtsmomente Alkoholtest auf Wunsch des Mitarbeiters Bei krankhafter Alkoholabhngigkeit: Mitarbeiter soll sich innerhalb von 6 Monaten einer Rehabilitationsmanahme unterziehen Suchterkrankungen Tor-, Taschen- und Schrankkontrollen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 223 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Freiwillige Mitbestimmung, 88 durch Betriebsvereinbarungen:

Allzustndigkeit BR fr Regelung der Arbeitsbedingungen Gegenstnde, als Beispiele: Unfallverhtung Sozialeinrichtungen Vermgensbildung Integration & Bekmpfung von Rassismus Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 224 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Soziale Mitbestimmung Kern der Beteiligungsrechte 87 Erzwingbarer Mitbestimmung Enumerativen Flle: Grds. nur kollektive Tatbestnde, jedenfalls Z. 3 Beschrnkung Direktionsrecht des AG: Wirksam nur mit Zustimmung des BR, grds. auch in Eilfllen

Initiativrecht des Betriebsrats 88 Freiwillige Mitbestimmung durch Betriebsvereinbarung 89 Mitwirkung bei der Gestaltung des Arbeits- + Umweltschutzes Incl. Untersttzung der zustndigen Behrden Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 225 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Erzwingbare Mitbestimmung, 87 I Ordnung des Betriebs + Verhalten AN, Nr. 1 Klassisch: Rauch- und Alkoholverbote Kollektiver betriebliche Ordnung mit Betriebsbuen und Ordnungsstrafen Arbeitsnotwendige Manahmen mitbestimmungsfrei

Arbeitszeit: Beginn, Ende + Verteilung, Nr. 2 Gleitende o. Vertrauensarbeitszeit, Schichtsystem Vorbergehende Verkrzung/ Verlngerung d. betriebsblichen Arbeitszeit, Nr. 3 Allgemeine Kurzarbeit + berstunden /-schichten Aufstellung Urlaubsgrundstze und plan, Nr. 5 Einfhrung/Anwendung technischer Einrich-tungen, Nr. 6, z.B. Arbeitnehmerberwachung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 226 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Erzwingbare Mitbestimmung, 87 I

Verhtung von Arbeitsunfllen + Berufskrankheiten sowie Gesundheitsschutz, Nr. 7 Beachtung der UVV Gefhrdungsbeurteilung, 5 ArbSchuG Sozialeinrichtungen, Nr. 8: Nicht bereits Personalverkauf Nur wenn Zweckgebundenes Sondervermgen Betriebliche Lohngestaltung, Nr. 10 Nicht Lohnbestandteile, insoweit Sperrwirkung TV Aber ber- und auertarifliche Leistungen Akkord- und Prmienstze, Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 Nr. 11 www.ingendahl-rust.de

227 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Gestaltung der Arbeit Humanisierung der Arbeitswelt 90 Unterrichtungs- und Beratungsrechte ber Planungen (Um-) Bauten Betriebssttten technische Anlagen Arbeitsverfahren und pltze, insbesondere Bildschirmarbeitspltze, neue Technologien + Qualitts-Management-Systeme ISO 9000 91 Erzwingbare Mitbestimmung bei gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen, z.B. Arbeitsstttenrichtlinien, DIN, VDE, VDI Jedoch: Keine Mitbestimmung bei Umsetzung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

228 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Beteiligung in allgemeinen personellen Angelegenheiten Personalplanung, 92 Abs. 1: Informationspflicht ber Personal- Bedarfs-, Deckungs-, Entwicklungs- + Einsatzplanung Beschftigungssicherung, 92 a: Vorschlagsrecht, Beratung Stellenausschreibung, 93 : Kann BR verlangen, auch bei Besetzung mit Leiharbeitnehmer BAG 15.10.2013 1 ABR 25/12 Personalfragebogen, Beurteilungsgrundstze, 94: Zustimmung erforderlich Auswahlrichtlinien, 95: Zustimmung erforderlich

Entfernung betriebsstrender Arbeitnehmer, 104: Initiativrecht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 229 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Personelle Einzelmanahme 99 Arbeitgeber mit mehr als 20 Arbeitnehmern muss vor jeder Einstellung Ein- und Umgruppierung Versetzung Einsatz Leiharbeitnehmer nicht nur vorbergehend den Betriebsrat umfassend unterrichten Zustimmungsverweigerungsrecht des BR nur in enumerativen Fllen, Abs. 2 z.B. Gesetzesversto Arbeitgeber kann Ersetzung durch Arbeitsgericht

beantragen, Abs. 4 Geschlossene Vertrge ohne Zustimmung wirksam Aufhebungsanspruch, 101 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 230 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Vorlufige pers. Manahme, 100 Personelle Manahme i.S.d. 99 ist aus schlichen Grnden dringend erforderlich Verfahren bei Sofortvollzug: Unverzglich unterrichtet Arbeitgeber den Betriebsrat teilt Betriebsrat ein Bestreiten dem Arbeitgeber mit Aufrechterhalten bei Bestreiten: Nur wenn

Arbeitgeber innerhalb von 3 Tagen das Arbeitsgericht anruft Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 231 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Anhrung Betriebsrat, 102 1. Vor jeder Kndigung, auch auerhalb KSchuG in - Kleinbetrieb bis 10 Mitarbeiter - Wartezeit 6 Monate 2. Unterrichtung: Anhrung a) des Betriebsratsvorsitzenden, 26 II 2 - nur bei Verhinderung: an Stellvertreter - im Betrieb oder empfangsbereit b) formfrei, dringend empfohlen: schriftlich

3. Inhalt, ausfhrlich ber: Sozialdaten: Personalien, Familienstand, Kinder Betriebszugehrigkeit und Kndigungsfrist Ausgebte Ttigkeit und Verdienst Kndigungsgrnde, subjektive Determinierung: Alle fr den Entschluss erheblichen Grnde Soziale Rechtfertigung: Abmahnungen, Sozialauswahl usw. Art der Kndigung: auerordentlich oder ordentlich Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 232 Arbeitsrecht im Betrieb 7 4. Anhrungsfrist, Abs. 2: - ordentliche Kndigung : 1 Woche - auerordentliche K. : 3 Tage Verkrzung: nur wenn nach interner Beratung abschlieende uerung des Betriebsrates 5. Widerspruch des Betriebsrats:

a) nur in den Fllen des Abs. 3 b) schriftlich c) Folge bei ordentlicher Kndigung: Weiterleitung an Arbeitnehmer Anspruch auf Weiterbeschftigung bis zur rechtskrftigen Entscheidung Arbeitsgericht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 233 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Beschrnkung durch Anhrung Art der Kndigung: Keine Auslegung der auerordentlichen als ordentliche Kndigung Soziale Rechtfertigung der Kndigung: nur durch mitgeteilte Grnde (ausschpfen) Nachschieben: Allgemein: Nur wenn bei Kndigung vorlagen, dem

Arbeitgeber aber nicht bekannt waren. Betriebsrat- Anhrung muss zu den weiteren Grnden nachgeholt werden, eine neue Kndigung ist aber nicht erforderlich Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 234 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Fehlerhafte Willensbildung BR Anforderungen Beschlussfassung, 33: Sitzung des Betriebsrats Weder Videokonferenz noch schriftliche Abstimmung Ordnungsgeme Ladung mit Tagesordnung Beschlussfhigkeit: Mindestens Hlfte der Mitglieder Persnlich anwesend: Vertretung: Bei Verhinderung Ersatzmitglieder Mehrheit der Betriebsratsmitglieder

Vertrauensschutz AG in ordnungsgeme Willensbildung: Sofern AG von ordnungsgemer Beschluss-fassung ausgehen kann Kein Problem: Abwarten der Anhrungsfrist Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 235 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Kndigungsschutz BRMitglieder Ordentliche Kndig. unzulssig, 15 KSchG Abs. 1: Betriebsrat Nachwirkung 1 Jahr Wahlbewerber bis Bekanntgabe Ergeb Abs. 3: Wahlvorstand Nachwirkung 6 Monate Abs. 3a: Einlader zu Betriebsversammlung bis Bekanntgabe Wahlergebnis

Auerordentliche Kndig. , 103 BetrVG: Nur mit Zustimmung des Betriebsrats Einholung: Formell wie Anhrung Beschrnkung auf Grnde in Anhrung Ersetzung durch Arbeitsgericht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 236 Arbeitsrecht im Betrieb 7 Leitende Angestellte: Qualifizierende Merkmale, 5 Abs. 4 Berechtigung zu Einstellungen +Entlassungen z.B. Prokura, 48 ff HGB Herausnahme aus Betriebsverfassung und in Sprecherausschussgesetz: Anhrung vor Kndigung nicht 102 BetrVG ,

sondern Sprecherausschuss, 31 SprAG Kndigungsschutzgesetz, 14 II: Keine Begrndung Auflsungsantrag, 9 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 237 Arbeitsrecht im Betrieb 7 1. Zustzliche Betriebsrte: Gesamtbetriebsrat, 47 ff: Bei mehreren Betriebsrten Konzernbetriebsrat, 54 ff: Verbundene Unternehmen i. S. d. 18 AktG 2. Untergliederungen: Jugend- + Auszubildendenvertretung, 60 ff

Schwerbehindertenvertretung, 93 ff SGB IX Wirtschaftsausschuss, 106 ff: Bestellung + Zusammensetzung durch Betriebsrat Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 238 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Betriebs- Begriff: Bedeutung fr: Kndigungsschutzgesetz: Mitarbeiteranzahl Sozialauswahl: Einzubeziehende Mitarbeiter BetrVG: Je Betrieb ein Betriebsrat Einrichtung Betriebsrat, Voraussetzungen: Betrieb

Mindestens 5 Arbeitnehmer Von denen drei whlbar sind Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 239 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Leitstze des BAG: Betriebsrat kann seine Zustimmung zur zeitlich unbefristeten Einstellung von Leiharbeitnehmern verweigern. BAG 10.07.2013 - 7 ABR 91/11 Gesetzeswidriger Dauereinsatz von Leiharbeit-nehmern, fhrt nicht dazu, dass zwischen Leih-arbeitnehmer und Entleiher ein Arbeitsverhlt-nis entsteht. BAG 10.12.2013 - 9 AZR 51/13 Rechtslage: 1AG: Verbietet Dauereinsatz 99 BetrVG: BR darf Zustimmung bei Gesetzesversto verweigern

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 240 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Fall: Ein Betriebsrat fr alle Die Wohlfahrtspflege Oberbayern gGmbH betreibt Seniorenzentren, Kindergrten sowie pdagogische und psychiatrische Einrichtungen mit 2.200 Mit-arbeitern in 90 Einrichtungen. Die Hauptverwaltung mit einer zentralen Personalrechtsabteilung ist in Mnchen. Mit Wahlausschreibung vom 27.03.2006 rief der Wahlvorstand zur Wahl eines gemeinsamen Betriebsrates fr die Hauptverwaltung und 20 Ein-richtungen mit jeweils mindestens 5 Arbeitnehmern auf. Nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses beantragt der Arbeitgeber, die Wahl fr unwirksam zu erklren, 18 Abs. 2 BetrVG. Wie wird das Arbeitsgericht entscheiden? BAG, Beschluss 09.12.2009 7 ABR 38/08

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 241 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Lsung: Ein Betriebsrat fr alle Betriebsratsfhige Organisationseinheiten i.S.d. 18 Abs. 2 BetrVG sind: 1. Betriebe gem. 1 Abs. 1: In einer Betriebssttte verfolgen Arbeitnehmern von einem Leitungs-apparat gesteuert mit Betriebsmitteln fortgesetzt arbeitstechnische Zwecke. 2. Selbstndige Betriebsteile, 4 Abs. 1 S. 1: Auf den Zweck des Hauptbetriebes ausgerichtete und dessen Organisation eingegliederte Einheit mit einer den Einsatz der Arbeitnehmer bestimmenden Leitung: Abgrenzbar und ein Mindestma organisatorischer Selbstndigkeit, insbesondere eine den Einsatz der Arbeitnehmer steuernden Leitung (Ausbung Weisungsrecht). 3. Auslegung: Hauptverwaltung und Einrichtungen sind jeweils selbstndige Betriebe i.S. des 1 Abs.. 1 BetrVG.

Ergebnis: In jeder Einrichtung htte ein Betriebsrat gewhlt werden mssen. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 242 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Erzwingbare Mitbestimmung Beispiele zu 87 BetrVG: Kollektiver betriebliche Ordnung mit Betriebsbuen und Ordnungsstrafen, Nr. 1: Buordnung & Verhngung Abmahnung: Bloe Warnung: Keine Mitbestimmung Jedoch wenn Sanktion beabsichtigt Bereitschaftsdienst + Rufbereitschaft: Nr. 2 Ausgestaltung, nicht Einfhrung

Kurzarbeit oder berstunden: Nr. 3 Rechtsfolgen: Zustimmung beseitigt nur die kollektivrechtliche Schranke, Wirksamkeit nach Arbeitsvertrag erforderlich! Verweigerung macht Anordnung auch gegenber dem Arbeitnehmer unwirksam Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 243 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Fall: Betriebsvereinbarung Frau M war bis Mitte 2009 in einer Brotfabrik beschftigt, die in 2008 von GL 1 auf GL 2 bergegangen ist. Bei GL 1 bestand eine Betriebsvereinbarung ber die Gewhrung von Bonuszahlungen. Danach entschei-det die Geschftsleitung zu Anfang jeden Jahres, ob sie den AN als freiwillige Leistung einen Bonus zahlt. Am

28.01.2009 beschliet der Vorstand GL 2, fr 2008 keinen Bonus auszuschtten. Frau M klagt gegen GL 2 auf Zahlung eines angemessenen Bonus. Hilfsweise will sie Schadensersatz, da GL 2 die Entscheidung fr 2008 bereits Anfang 2008 htte treffen und bekanntmachen mssen. Hat die Klage Erfolgsaussichten? BAG vom 13.12.2011 1 AZR 432/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 244 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Lsung: Betriebsvereinbarung 1. Anspruch auf Bonus: 1. Die Betriebsvereinbarung ist auf GL 2 bergegangen, 613 a BGB. 2. Sie gibt aber keinen Anspruch auf Bonus, sondern lsst dem Arbeitgeber die freie, ungebundene Entscheid-ung. GL 2 hat wirksam entschieden, keinen Bonus fr 2008 zu zahlen. Ergebnis: Kein Anspruch auf Bonus.

2. Anspruch auf Schadensersatz: 1. GL 2/1 htte Anfang 2008 entscheiden mssen. Er hat diese Verpflichtung verletzt, 280 I BGB. 2. GL 2/1 hat die Pflichtverletzung zu vertreten, 276 I BGB. 3. Frau M hat durch die Verzgerung aber keinen Schaden in ihrem Vermgen erlitten, insbes. keinen Anspruch auf Bonus. Ergebnis: M hat keinen Anspruch auf Schadensersatz Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 245 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Eingruppierung Begriff: Zuordnung Ttigkeit AN zu Merkmal-en einer Lohn- oder Vergtungsgruppe Anspruchsgrundlage: Lohn- oder Vergtungsordnung insbes. in Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung, 87 I Nr. 10, 77 IV BetrVG

Darlegungslast: Anwendbarkeit Vergtungsordnung Einordnung nach Gesamtbild der Ttigkeits-merkmale Eingruppierungs- Feststellungsklage Ist personelle Einzelmanahme, 99 BetrVG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 246 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Fall: Leiharbeitnehmer bei Amazon Amazon Bad Hersfeld beschftig 65 Leiharbeitnehmer ab dem 1.3.2013. Die Beschfti-gung im Hinblick auf das Ostergeschft ist bis zum 31.03. befristet. Dann sollen die Hlfte der Leiharbeitnehmer in ein festes Beschftigungs-verhltnis bernommen werden. Der Betriebs-rat erfhrt davon und widerspricht der

a) Beschftigung von Leiharbeitnehmern b) Ihrer bernahme in ein festes Arbeitsverhltnis. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 247 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Lsung: Leiharbeitnehmer bei Amazon 1. AG hat BR ber personelle Einzelmanahmen zu unterrichten, insbes. ber Einstellungen, 99 Abs. 1 2. Die Arbeitsaufnahme von Leiharbeitnehmern ist Einstellung (h.M.), da Eingliederung in den Betrieb, jedenfalls die bernahme in Festbeschftigung. 3. Betriebsrat kann Zustimmung nur in den Fllen des Abs. 2 verweigern, insbes. bei Gesetzesversto, hier fraglich 4. Mitteilung der Verweigerung binnen 1 Woche mit Grnden, dann Fiktion Zustimmung, Abs. 4. 5. Arbeitgeber kann Ersetzung der Zustimmung beim Arbeitsgericht beantragen, Abs. 5,

a) Beweislast: BR fr Formalien, ArbG fr Nichtvorliegen b) 100: Dringlichkeit und keine Weigerungsgrnde c) Arbeitsgerichts Bad Hersfeld, Hinweis in Gteverhandlung: Entscheidung bis zum 31.03.2013 nicht mglich, so dass Erledigung der Hauptsache eintreten wird. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 248 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Fall: Zustimmung Betriebsrat zur Kndigung Das Vorstandsmitglied H der Pharma AG bespricht am 01.06.2004 mit mehrere Betriebsratsmitglieder, dass angestellte Kraftfahrer K unerlaubt mit einer Kleingaststtte selbstndig ist und aus diesem Grunde fristlos, hilfsweise fristgerecht gekndigt werden solle. 1. Alle Betriebsratsmitglieder uern sich zustimmend, Pharma AG kndigt K am 02.06.2004. 2. Der Betriebsrat bert ber das Anhrungs-schreiben

vom 01.06. abschlieend am 04.06. und beschliet, nicht zu widersprechen. Pharma AG kndigt K am 07.06.2004 fristlos, hilfsweise fristgerecht . BAG 03.04.2008 - 2 AZR 965/06 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 249 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Lsung: Zustimmung BR zur Kndigung 1. Die Unterrichtung mehrerer BRMitglieder erfllt nicht die Anforderung einer BRAnhrung, insbes. keine Beschlussfassung in Betriebsratssitzung. Zustimmende uerung ist - fr Arbeitgeber offensichtlich - nicht ordnungsgem. Die Kndigung vom 02.06.2004 ist mangels ordnungsgemer Anhrung unwirksam. 2. Kndigung vom 07.06.2004: Die Anhrungsfrist luft an diesem Tag erst ab. Nach abschlieender Beratung des Betriebsrats am 04.06. kann die

Kndigung (vorzeitig) ausgesprochen werden. Kndigung ist formell wirksam. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 250 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Fall: Kndigung eines Betriebsrats Spedition S GmbH: Ein Fahrer erfhrt Freitagnacht, dass er Samstag operiert werden muss. Er will die persnlichen Sachen aus der Sattelzugmaschine (SMZ) holen und findet diese nicht auf dem Platz. Auf Strafanzeige S ermittelt die Polizei ber das Betriebshandy den Standort in einem Industriegelnde. Dort wird der Disponent A am Sonntag Abend festgenommen, als er die SMZ zum Platz zurckfahren will. Der volle Tank von 750 l ist leer. A ist seit 6 Jahren beschftigt und Mitglied des Betriebsrats. Der Betriebsrat stimmt seiner fristlosen Kndigung am Montag zu, S kndigt am Dienstag auerordentlich. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 251 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Lsung: Kndigung Betriebsrats 1. Nur auerordentliche Kndigung mit Zustimmung des Betriebsrates 2. Zustimmung ordnungsgem: a) Sitzung mit Anwesenheit aller Mitglieder fr zu Kndigenden das Ersatzmitglied b)Unterrichtung des Betriebsrats ber die Grnde der auerordentlichen Kndigung 3. Kndigungsschutzprozess: Bercksichtigt werden nur Grnde, zu denen der Betriebsrat angehrt wurde. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 252

Arbeitsrecht im Betrieb 7S Kndigungsschutz des Ersatzmitgliedes 1. Der besondere Kndigungsschutz gem. 15 KSchuG, 103 BetrVG gilt fr Ersatzmitglieder nur soweit und solange sie ein verhindertes ordentliches Betriebsratsmitglied vertreten. Mageblich ist der Zugang der Kndigung. 2. Nach Beendigung des Vertretungsfalles besteht nur der nachwirkende Kndigungsschutz gem. 15 Abs. 1 S. 2 KSchuG. BAG vom 27.09.2012 - 2 AZR 955/11 3. Der Kndigungsschutz des Betriebsrates besteht im Vertretungsfall durchgehend. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 253

Arbeitsrecht im Betrieb 7S Fall: Rckkehr zur Klckner AG Leonard Arbeiter ist 1999 mit Abspaltung der Klck-ener International GmbH aus Klckner Stahlhandel ausgeschieden. Nach Verkauf an Al Bragandhi in 2004 kehrt er ohne sozialen Besitzstand zu Klckner Stahlhandel zurck. Im Arbeitsvertrag mit umfas-senden Befugnissen wird er als Leitender Angestel-lter bezeichnet. An seinem 1. Arbeitstag bekommt er auf dem Weg in die Chefetage im Aufzug Platzangst und gesteht dem Personalchef, von Kunden frdernde Zuwendungen erhalten zu haben. Er wird nach Hause geschickt, um seine kranke Frau zu pflegen. Nach Anhrung des Sprecherausschusses wird er 3 Wochen spter mit 2Wochen- Frist gekndigt. Hat die Kndigungsschutzklage Aussicht auf Erfolg? Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 254

Arbeitsrecht im Betrieb 7S Lsung: Rckkehr zur Klckener AG Abspaltung + Betriebsbergang 613 a: Bei Rckkehr kein sozialer Besitzstand Kndigungsgrund: Bestechung im geschftlichen Verkehr, 299 StGB, Dienstbezug obwohl bei alter Arbeitgeberin Kein Kndigungsschutz whrend Probezeit 6 Monate Anhrung BR: Sprecherausschuss, wenn leitender Angestellter BAG: Einweisung in Arbeitsbereich erforderlich, hier jedoch Einfhrung bereits im Aufzug gestoppt. Kndigungsschutzprozess: Im Kammertermin: Kndigungsgrund: Probezeit war abgelaufen nein a.o., 626 II: 2-Wochenfrist vorbei Kndigungsschutzgesetz: Kein Grund Verhaltensbedingt

Vergleich: Beendigung AV gegen Abfindung 40.000 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 255 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Fall: Internes Recruitment-Center Arbeitgeberin unterhlt 390 Filialen. Ihr Verkaufs-gebiet ist in 15 Regionen eingeteilt, jeder Region ist ein RecruitmentCenter angegliedert. Die Filialleiter teilen dem jeweiligen Center die zu besetzenden Stellen mit. Das zustndige Recruitment- Center prft alle Bewerbungen; die, die die geforderten Kriterien erfllen, bermitteln es der Filialleitung. Die trifft die Auswahlentscheidung und fhrt das Anhrungsverfahren nach 99 BetrVG durch, wobei sie den Betriebsrat ber alle bei ihr eingegangenen Bewerbungen informiert und ihm alle ihr vorliegen-den Bewerbungsunterlagen zur Verfgung stellt. Der Betriebsrat hlt dies fr unzulssig. Er verlangt, dass ihm die Unterlagen aller Bewerber zur Verfgung gestellt werden.

LAG Schleswig - Holstein 29.22.2012 5 TaBV 8/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 256 Arbeitsrecht im Betrieb 7S Lsung: Internes Recruitment-Center Der Betriebsrat hat gem. 99 I BetrVG Anspruch auf Auskunft ber alle Bewerber und Aushndigung der Bewerbungsunterlagen. Das interne Recruitment- Center trifft eine Vorauswahl unter den Bewerbern + unterbreitet einen Besetzungs-vorschlag, z.B. um ein bundeseinheitliches Unternehm-enskonzept zu wahren. Diese Vorauswahl umgeht die Mitbestimmung des Betriebsrats + ist rechtswidrig. Nicht erheblich ist, dass diese Verfahrensweise bei der Flle der Bewerbungen effizient und sinnvoll ist. Anders, wenn AG ein externes Personalberatungsunternehmen beauftragt, die Stelle auszuschreiben + aus den Bewerbungen Besetzungsvorschlge zu unterbreiten: AG muss dem Betriebsrat nur Auskunft ber die Bewerber geben,

die Personalberatung vorschlgt. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 257 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Arbeitsrechtliche Gesetze Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 258 Arbeitsrecht im Betrieb 8

Bundesdatenschutzgesetz, BDSG: Verdeckte berwachungsmanahmen: Ehrlichkeitstests Einsatz von Privatdetektiven und Testkunden GPS Ortung von Dienstwagen oder handy Kontrollieren von Gesprchsdaten und E-Mailkorrespondenz Videoberwachung und Abhren von Telefonaten Betriebsverfassungsgesetz: 75 II: Freie Entfaltung der Persnlichkeit 87 I Nr. 1: Ordnung des Betriebs + Verhalten Arbeitnehmer Nr. 6: Technische Einrichtungen 4 Strafrechtlicher Schutz gegen Verbreitung von Firmen-know-how (Wiki leaks): 299 StGB Benachrichtigung, 17 UWG Verrat von Firmengeheimnissen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 259 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Bundesdatenschutzgesetz, BDSG: Zulssigkeit der Erhebung, Verarbeitung und Nutzung personenbezogener Daten, 32 Fr Begrndung, Durchfhrung o. Beendigung des Arbeitsverhltnisses erforderlich oder Tatschliche Anhaltspunkte fr Straftaten Videoberwachung in ffentlich zugnglichen Rume, 6 b Ansprche der Betroffenen bei Speicherung: 33 Benachrichtigung,

34 Auskunft, Lschung 35 Berichtigung der Personalakten 7 : Schadensersatz Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 260 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Berufsbildungsgesetz, BBiG Berufsausbildungsvertrag, 10 Abs. 2: Grds. Rechtsvorschriften Arbeitsvertrag Besonderheiten aus Wesen + Zweck der Ausbildung Probezeit, 20: 1 bis 4 Monate Ende Ausbildungsverhltnis, 21 Bestehen der Abschlussprfung, Abs. 2 Durchfallen in 2. Wiederholungsprfung, Abs. 3 Verlngerung insgesamt max. 1 Jahr

bergang in Arbeitsverhltnis : bernahmeverpflichtung: nur tariflich oder vertraglich Fiktion bei Weiterarbeit, 24 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 261 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Kndbarkeit des Berufsbildungsvertrages, 22 In Probezeit, Abs. 1: ohne Begrndung mit Ein- Tages- Frist Nach Probezeit, Abs. 2: Enumerativ

Auszubildender: Wegen Aufgabe dieser Ausbildung Beide Parteien: Auerordentlich mit Begrndung Bestehen der Abschlussprfung, Abs. 2 Gerichtlichte Geltendmachung: Sofern Ausschuss nach 111 II ArbGG eingerichtet: zunchst anrufen, keine 3- Wochen- Frist Praxis: Einvernehmliche Beendigung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 262 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Bundesurlaubsgesetz, BUrlG Anspruch auf bezahlten Jahresurlaub: Mindestens 4 Wochen, 3 Abs. 1 , 13 Auf Basis 6- Tage- Woche: 24 Tage Voraussetzungen fr Urlaubsanspruch: Wartezeit 4 : Erstmals nach 6 Monaten Kein volles Jahr gearbeitet : Teilurlaub, 5 Abs. 1: Zwlftel je voller Monat

ab 01.07. Anspruch auf gesamten Jahrurlaub Auch bei Krankheit & in ruhendem Arbeitsverhltnis BAG 07.08.2012 9 AZR 535/10 Nicht bei Kurzarbeit Null Urlaubsentgelt, 11: Lohn ohne Arbeitsleistung Durchschnittlicher Arbeitsverdienst 13 Wochen ohne berstunden, einmalige Leistungen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 263 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Bundesurlaubsgesetz, BUrlG Urlaubserteilung, 7 : Auf Antrag des Arbeitnehmers, Abs. 1 Urlaubswnsche mageblich, auer dringende betriebliche Belange Gewhrung grds. zusammenhngend, zumindest 12 Werktage Bewilligung durch Arbeitgeber, Abs. 2: Ist grds. unwiderruflich

Nach Kndigung: Anordnung einseitig durch AG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 264 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Bundesurlaubsgesetz, 7 BUrlG Verfall des Urlaubs: Grds. am 31.12. des Jahres bertragung ins nchste Kalenderjahr, Abs. 3 Rechtzeitig verlangter Urlaub wurde aus dringenden betriebliche o. personen-bedingten Grnden nicht gewhrt bertragungszeitraum 3 Monate: Bis 31.03. Verlngerung vertraglich mglich Dauerhafte und fortbestehende Erkrankung bertragungszeitraum: 15 Monate BAG 07.08.2012 - 9 AZR 353/10; 16.10.2012 - 9 AZR 63/11 Urlaubsabgeltung finanziell, 7 Abs. 4:

Nur nach Beendigung des Arbeitsvertrages Rechtzeitig verlangt, aber verweigert: Ersatzurlaub = kein Verfall, wohl Verjhrung BAG 14.05.2013 9 AZR 760/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 265 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Bildungsurlaubsgesetz NW Regelung lnderweise unterschiedlich Anspruch jeder Arbeitnehmer, 3: 5 Tage pro Jahr Zwei Jahre knnen zusammengefasst werden Antrag und Bewilligung, 5 Bildungsveranstaltungen , 9:

Allgemein zugnglich Tglich in der Regel 8, mindestens 6 Unterricht-stunden 45 Minuten Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 266 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Entgeltfortzahlung, EFZG An gesetzlichen Feiertagen, 2: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, 01.05. Tag der Arbeit, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, 1. + 2. Weihnachtstag Im Krankheitsfall, 3: Abs. 1: Bis zu 6 Wochen je Krankheit ohne Verschulden Abs. 3: Erst nach 4 Wochen, selbst bei Arbeitsunfall Fortzuzahlen, 4: Regelmiges Entgelt, ohne berstunden Anzeige- und Nachweispflicht, 5: Arbeitsunfhigkeit mehr als 3 Kalendertagen: rztlich Bescheinigung

am darauf folgenden Arbeitstag AG kann ohne besonderen Sachgrund - frher verlangen BAG 14.11.2012 - 5 AZR 886/11 Bei Kndigung wegen Erkrankung, 8 I: Lohnanspruch bleibt, jedoch lngstens fr 6 Wochen: Nachweis schwierig Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 267 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Krankheit & Urlaub: Arbeitsunfhigkeit im Urlaub: wird nicht auf Urlaub angerechnet, 9 Gesetzlicher Urlaubsanspruch erlischt, auch wenn er wegen Krankheit nicht genommen werden kann, am 31.03. des berjahres.

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 268 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Arbeitsunfhigkeit infolge Krankheit, 3 Krankheit: Regelwidriger Krper- oder Geisteszu-stand, der einer Heilbehandlung bedarf, 44 SGB V: Auch Abhngigkeit von Alkohol, Drogen, Nikotin, sobald AN seine Steuerungsfhigkeit verloren hat oder Diagnose. Nicht: Regelmig verlaufende Schwangerschaft, altersbedinge Nachlassen der Arbeitskraft, Schnheits-OP Fhrt zu Arbeitsunfhigkeit: Abhngig von Art + Umfang der geschuldeten Arbeitsleistung: Arbeitsvertrag und Direktionsrecht Krankheit ist alleinige Ursache des Ausfalls der Arbeit Keine Teil- Arbeitsunfhigkeit, wenn AG im Rahmen seines Weisungsrechtes fr AN noch Aufgaben zuweisen kann: Verkufer kann nicht Heben oder Maler darf nicht auf Gerst

S 98, 17 ; BAG 29.01.1992 - NZA 92, 643 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 269 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Entgeltfortzahlung bei Krankheit Nachweispflicht, wenn AU lnger als 3 Tage, 5: Arztattest vorlegen: Starke Indizwirkung Widerlegung AG: Ernsthafte Zweifel z.B. AN hat Erkrankung angekndigt Bei Zweifeln ber Krankenkasse: Vertrauensarzt Medizinischer Dienst, 275 I Nr. 3 SGB V Erkrankung im Ausland: EU- Arztattest erbringt Vollbeweis briges Ausland: Grds. gleicher Beweiswert

Ambulanter Arztbesuch ohne Arbeitsunfhigkeit: Kein Lohnfortzahlungsgrund: Nur Erkrankung als Anlass Arbeitsverhinderung, 616 BGB rztliche Versorgung whrend der Arbeitszeit erforderlich oder Sprechstunden liegen in der Arbeitszeit und Termin auerhalb der Arbeitszeit kann nicht vereinbart werden Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 270 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Entgeltfortzahlung ausgeschlossen: Arbeitsunfhigkeit durch grobes Verschulden Unflle: Ja: Vorstzlich, keine Schutzkleidung

Alkoholmissbrauch, bei Alkoholsucht fraglich Schlgerei: Wenn herausgefordert Sportunflle: BAG Teilnahme an besonders gefhrlicher Sportart Genesungswidriges Verhalten: Unterlassen, was die Genesung verzgern knnte Versuchter Suizid: i.d.R. psychische Ausnahmesituation Sterilisation + Schwangerschaftsabbruch: Fiktion 3 Abs. 2 Anspruch und Prozess: Arbeitgeber: Darlegungs- und Beweislast Arbeitnehmer: Auskunfts- und Mitwirkungspflicht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 271 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Grundlegende Rechte

& Pflichten Arbeitgeber: Direktionsrecht Beschftigung 106 GewO Arbeit zuweisen = Einordnung Frsorge Arbeitnehmer: Lohnzahlung Loyalitt Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 272 Dr. Joachim Ingendahl Arbeitsrecht im Betrieb 8

Direktionsrecht AG , 106 GewO Ort der Arbeitsleistung Montagettigkeit oder Versetzungsvorbehalt als Direktionsrechtsregelungen im Arbeitsvertrag Art der zu leistenden Arbeit Zeitlicher Umfang der Arbeitspflicht: Arbeitstempo Mehrarbeit / berstunden Einseitiges Leistungsbestimmungsrecht 315 BGB: Konkretisierung der vom AN geschuld-eten Ttigkeit nach billigem Ermessen. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 273 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Qualittsmanagementsystem QS

Regelung aller Arbeitsablufe Industriestandard ISO 9001: Qualitts- Planung: Bestimmung Soll Qualitts- Prfung: Ermittlung des Ist Qualitts- Steuerung: Korrektur Qualittsfrderung: Schulungen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 274 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Lohnabrechnung, 108 GewO

Steuerklasse / Kinder z.B. III/ 3 Bruttolohn Sachzuwendungen, z.B. PKW Sozialversicherungen AN Anteile Lohnsteuer AN: Schuldner AG: Einbehalten + Abfhren an FA, 39 b EStG Urlaubstage ggf. aus Vorjahr berstunden, Zeitkonten Nettolohn: berweisungsbetrag Anspruch monatlich, jedoch nur bei nderungen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 275 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Zeugnisanspruch, 630 BGB

109 GewO Holschuld des Arbeitnehmers Zwischenzeugnis: Vor Beendigung des Arbeitsverhltnisses Nur bei triftigem Grund Einfaches Zeugnis: Bei Arbeitsverhltnis bis 6 Monate Nur Personalien, Art + Dauer Beschftigung Qualifiziertes Zeugnis: Erstreckt sich auf Fhrung und Leistung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 276 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Mutterschutz- Gesetze Gesetz zum Schutz der erwerbsttigen

Mutter 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Entbindung Stillende Mtter, z.B. 7 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, BEEG: Berechtigte, 1 Hhe, 2 Bezugszeitraum, 4: Bis 14. Lebensmonat Anspruch auf Elternzeit, 15: 1 bis 3 Jahre ggf. anderweitige Erwerbsttigkeit, Abs. 4 Kndigungsschutz, 18 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2012 www.ingendahl-rust.de 277 Arbeitsrecht im Betrieb

8 Gesetz zum Schutz der erwerbsttigen Mutter MuSchuG Beschftigungsverbote fr Mtter, 3 ff: Werdende 6 Wochen, 3 Abs. 2 und 8 Wochen nach der Entbindung, 6 Abs. 1 Mutterschutzlohn, 11: Entgelt bei Beschftigungsverboten Mutterschaftsgeld, Von Krankenkasse , 13 : 13 kalendertglich Arbeitgeber- Zuschuss, 14: Schutzfristen + Entbindungstag Durchfhrung : Aushang, Auskunftspflicht, Aufsichtsbehrden Mutterschutzverordnung MuSchV Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2012 www.ingendahl-rust.de 278

Arbeitsrecht im Betrieb 8 Mtter: Kndigungsschutz Mutterschutzgesetz, 9: Whrend Schwangerschaft bis 4 M. nach Geburt Kenntnis des AGs o. Mitteilung binnen 14 Tagen Zustimmung durch oberste Landesbehrde In besonderen Fllen und nur ausnahmsweise Klagefrist 3 Wochen, 4, 7 KSchG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 279 Arbeitsrecht im Betrieb

8 Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz, BEEG Elterngeld, 4: Bis 14. Lebensmonat bei Teilung Eltern Berechtigte, 1 Hhe, 2 Elternzeit, 15 Abs. 3: 1 bis 3 Jahre Ruhen des Arbeitsverhltnisses Erwerbsttigkeit, Abs. 4 Kndigungsschutz, 18 : Ab Verlangen Elternzeit, lngstens 8 Wochen vor Beginn, und whrend der Elternzeit Auch whrend Probezeit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 280 Arbeitsrecht im Betrieb

8 Pflegezeitgesetz, PflegeZG: Ziel des Gesetze, 1 Kurzzeitige Arbeitsverhinderung, 2: Bis zu 10 Arbeitstagen, Abs. 1 Keine Lohnfortzahlung, Abs. 3 Pflegezeit: Voraussetzung: Pflege naher Angehriger in huslicher Umgebung, 3 Abs. 1 Dauer: bis Hchstdauer 6 Monate Kndigungsschutz, 5: Verbot, Abs. 1 Zustimmung Behrde im Ausnahmefall, Abs. 2 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 281 Arbeitsrecht im Betrieb 8

Teilzeit- u. Befristungsgesetz Verringerung der Arbeitszeit, 8: AN kann Wunsch nach Verringerung mit Vorlauf 3 Monate anmelden und konkretisieren, Abs. 2 AG muss Vorschlag mit AN errtern, Abs. 3 und Arbeitszeit entsprechend festlegen, Abs. 4 Ausnahme: wesentliche betriebliche Interessen hindern Verlngerung der Arbeitszeit, 9: - AN hat Wunsch geuert: - AG muss AN bei der Besetzung freier Arbeitspltze bevorzugt bercksichtigen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 282 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Teilzeit- + Befristungsgesetz

Verbot der Schlechterstellung von Teilzeitarbeit, 4: Anteiliges Arbeitsentgelt, z.B. bei Jahresleistungen Bei Versto: bliche Vergtung , 612 II BGB BAG 14.12.2011 5 AZR 457/10 Arbeit auf Abruf, 12: Arbeit entsprechend dem Arbeitsanfall Ohne Absprache gelten 10 Stunden pro Woche als vereinbart: Ohne Abruf Annahmeverzug des Arbeitgebers Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 283 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Teilzeit- u. Befristungsgesetz Sachgrnde fr Befristung, 14 Abs. Z.

Z. Z. Z. 1 3 7 8 Vorbergehender Bedarf Vertretung eines anderen Arbeitnehmers Vergtung aus Haushaltsmitteln Gerichtlicher Vergleich Sachgrundlose Befristung, 14 : Abs. 2: bis 2 Jahre 3 x Verlngerung Abs. 3: Neugrndungsprivileg binnen 4 Jahren beliebig viele Verlngerungen Keine Vorbeschftigung innerhalb der letzten 3 Jahre, BAG 6.04.2011-7 AZR 716/09 bislang jemals, so weiterhin ein LAG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

284 Arbeitsrecht im Betrieb 8 Teilzeit- u. Befristungsgesetz Schriftform, 14 Abs. 4 vor Beginn des Arbeitsverhltnisses bzw. vor Auslaufen der Befristung Ordentliche Kndigung whrend d. Befristung: Nur bei Vereinbarung im Arbeits- o. Tarifvertrag Arbeitslosmeldung: 3 Monate vor Auslaufen Befristungskontrollklage, 17: Nur innerhalb von 3 Wochen ab Auslaufen Immer nur die letzte Befristung Grenze: Mibrauchskontolle Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 285

Arbeitsrecht im Betrieb 8 Arbeitnehmerentsendeges etz AEntG regelt Mindestarbeitsbedingungen fr grenzberschreitend entsandte regelmig im Inland beschftigte AN Tarifnormerstreckung durch: 3 Allgemeinverbindliche TVe zwingend 7 andere TVe durch Rechtsverordnung Gewerbliche Besteller haften dem Arbeitnehmer als Brge fr den Nettolohn, 14 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 286 Arbeitsrecht im Betrieb 8S

Berufsbildungsgesetz, BBiG Kann der Auszubildende nach bestandener Prfung zur bernahme in ein Arbeitsverhltnis verpflichtet werden? Nein, insbes. 12 BBiG die bernahme in ein Arbeitsverhltnis verlangen? Nur Mitglieder von Jugend- und Ausbildungsvertretungen, 78 a BetrVG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 287 Arbeitsrecht im Betrieb 8S Bundesdatenschutzgesetz, BDSG Mitteilung Ergebnisse BEM an Betriebsrat: Bei einschlgiger Betriebsvereinbarung kann BR Mitteilung der AN

verlangen, die BEM 84 II erfllen. BAG 07.02.2012 1 ABR 46/10 Heimliche Schrankkontrolle des AN in Abwesenheit und ohne Einwilligung oder Verdeckte Videoberwachung am Arbeitsplatz: Beweisverwertung im Kndigungsschutzprozess, Daten in Beschftigungsverhltnissen, 32 BDSG Nur zur Aufdeckung von Straftaten, Abs. 1 S. 2 - wenn konkreter Verdacht einer Straftat - erforderlich: keine weniger einschneidende Mittel - angemessen: Interessenabwgung BAG 20.06.2013 2 AZR 546/12 + 21.06.2012 - 2 AZR 153/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 288

Arbeitsrecht im Betrieb 8S Fall: Teilzeit nach Elternzeit Frau F arbeitet seit 4 Jahren als Stuhlassistenz in Vollzeit bei Zahnarzt Z (5 Sthle, 16 Mitarbeiter). Zum 1.07.2012 endet ihre 3-jhriger Elternzeit. Am 20.03.2012 schreibt sie an Z: Meine kleine Tochter braucht mich immer noch sehr, ich mchte fr sie da sein. Ich bitte daher, meine Arbeitszeit auf 20 Stunden wchentlich zu beschrnken. Im Hinblick auf die ffnungszeiten der KiTa mchte ich an den 5 Werktagen von 8:00 bis 12:15 Uhr arbeiten. Ich danke fr Ihr Entgegenkommen. Z hat sich mit seinem Anwalt beraten, dass er auf der Vollzeitbeschftigung bestehen wird. Er hofft, dass F ihren Arbeitsplatz durch Eigenkndigung frei macht. Welche Arbeitszeiten gelten fr F? Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

289 Arbeitsrecht im Betrieb 8S Lsung: Teilzeit nach Elternzeit 1. Verkrzung der Arbeitszeit, 8 TZBefG: Konkretes Verlangen Frau F Kein Widerspruch Zahnarzt Z 2. Geltung nur bei Betrieben ab 15 Mitarbeitern Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 290 Arbeitsrecht im Betrieb 8S Fall: Urlaubsabgeltungsanspruch +

tarifliche Ausschlussfristen A war seit 1984 bei der Grohandels GmbH angestellt. Der Arbeitsvertrag enthielt weder einen Verweis noch Hinweis auf den einschlgigen allgemeinverbindlichen Manteltarif- vertrag MTV. Lt. 18 MTV sind alle finanziellen Ansprche bei Beendigung des Arbeitsverhltnisses binnen 2 Monaten nach dem Ausscheiden schriftlich geltend zu machen. A war vom 6.6.2007 bis 01.08.2008 arbeitsunfhig krank. Nach Kndigung durch G-GmbH vereinbarten die Parteien am 02.10. 2007 im Kndigungsschutzprozess durch gerichtlichen Vergleich das Ende des Arbeitsverhltnisses am 31.08.2008. Urlaub wurde weder gewhrt noch abgegolten. Mit Schreiben vom 23.04.2009 verlangt A von der G GmbH schriftlich, den Urlaub 2007 und 2008 abzugelten. Hat er den Anspruch? BAG 21.02.2012 9 AZR 486/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 291 Arbeitsrecht im Betrieb 8S

Lsung: Urlaubsabgeltungsanspruch + tarifliche Ausschlussfristen 1. Anspruch auf Urlaubsabgeltung: 1. Grds. Gewhrung Urlaub nur in Natur 2. Bei Beendigung Arbeitsverhltnis Abgeltung in Geld, 7 Abs. 4 BUrlG 2. Der allgemeinverbindliche MTV ist auf das Arbeitsverhltnis anzuwenden, 5 Abs. 4 TVG 1. Ansprche auf Urlaubsabgeltung unterliegen als reine Geldansprche den Verfallfristen. 2. A hat seinen Anspruch nicht innerhalb der Frist von 2 Monaten nach Beendigung des Arbeitsverhltnisses geltend gemacht. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 292 Arbeitsrecht im Betrieb 8S Kck - Fall: Kettenbefristung

Die Justizangestellte Bianca Kck wird im Juli 1996 beim Amtsgericht Kln als Schwangerschaftsvertretung befristet eingestellt. Weitere Befristungen wegen Elternzeit und Sonderurlaub schlieen sich an. Nach Auslaufen der 13. Befristung Ende Dezember 2007 klagt Frau Kck gegen das Land NRW auf Entfristung ihres Arbeitsverhltnisses. BAG 18.07.2012 7 AZR 443/09 + 7 AZR 783/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 293 Arbeitsrecht im Betrieb 8S Lsung: Kettenbefristung -Kck berprfung BAG (nach Vorlage EuGH): 14 Abs. 1, hier Z. 3 TzBfG: Zur Vertretung eines anderen AN, : Nur die letzte Befristung

Kein Rechtsmissbrauch, 242 BGB: Missbrauchskontrolle Nach Unionsrecht geboten In Deutschland nach 242 BGB Bei Gesamtdauer 11 Jahre + 13 Befristungen ist Rechtsmissbrauch indiziert Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 294 Arbeitsrecht im Betrieb 8S Fall: Befristung bei Zuvorbeschftigung Frau A wird mit Arbeitsvertrag vom 2.10.2007 ab dem 01.01.2008 von Q GmbH eingestellt. Das Arbeitsverhltnis ist bis zum 31.12.2008 sachgrund-los befristet. Zuvor war Frau A vom 11.9.2006 bis 31.12.2007 bei der M GmbH beschftigt. M GmbH und Q GmbH haben als einzige Gesellschafterin die M Beteili-gungs- und

Verwaltungsgesellschaft mbH. Die M GmbH hatte Frau A bei der Q GmbH eingesetzt. Eine Genehmigung zur Arbeitnehmerberlassung hatte M GmbH nicht. Steht Frau A noch nach dem 01.01.2009 bei Q GmbH in einem Arbeitsverhltnis? BAG 18.07.2012 - 7 AZR 451/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 295 Arbeitsrecht im Betrieb 8S Lsung: Befristung bei Zuvorbeschftigung Sachgrundlose Befristung, 14 II TzBefG: Nicht, wenn zuvor mit demselben AG ein unbefristetes Arbeitsverhltnis bestand Zuvor Einsatz: Bei Arbeitnehmerberlassung gewerblich

Kein Konzernprivileg, 1 III Nr. 2 AG Ohne Genehmigung Landesarbeitsamt: Arbeitsverhltnis bestand mit Q GmbH, 10 Abs. 1 Satz 1 AG Ergebnis: Die Befristung ist aufgrund der ZuvorBeschftigung unwirksam. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 296 Arbeitsrecht im Betrieb 8S Verpflichtung Vertragsfremder Arbeitnehmer: Schuldet stets persnlich Betriebsbergang, 613 a BGB: bernehmer Arbeitnehmerberlassung des Entleihers Verleiher ohne Genehmigung, 10 AG: Haftet wie ein selbstschuldnerischer Brge fr Gesamtsozialversicherungsbeitrge, 28 e

II SGB III Haftung des Auftraggebers, 14 AEntG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 297 Arbeitsrecht im Betrieb 8S Personalgesprche: Teilnahmepflicht AN: Direktionsrecht, 106 GewO Gegenstand: Leistung und Verhalten des AN Nicht: nderung des Arbeitsvertrages Initiativrecht Arbeitnehmer: BetrVG 82 Anhrung & Errterung 84 Beschwerderecht Hinzuziehung Dritter durch Arbeitnehmer: Betriebsrat: Nur in enumerativen Fllen:

81 IV , 82 II 2, 83 I 2, 84 I 2 BetrVG Schwerbehindertenvertretung, 95 SGB IX: Nein Vorgesetzte oder Kollegen: Grds. nein Gewerkschaftssekre., Rechtsanwalt, externe Dritte: Nur, wenn auch auf Arbeitgeberseite Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 298 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Gestaltung durch Arbeitsvertrge Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

299 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Normenhierarchie Arbeitsrecht Europisches Gemeinschaftsrecht: Verordnungen (nicht Richtlinien) Grundgesetz = Deutsche Verfassung Arbeitsgesetze + RVO: berwiegend zwingend Tarifvertrge Betriebsvereinbarungen (Einzel-) Arbeitsvertrag, mit AGB Kontrolle Direktionsrecht des Arbeitgebers Regelung der Arbeitsbedingungen: 1. Versto gegen hhere Norm unzulssig 2. Verbesserungen zugunsten AN grds. mglich Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 300

Arbeitsrecht im Betrieb 9 Recht der Arbeitsverhltnisse Europarecht: EU -Verordnungen Deutscher Gesetzgeber: Arbeitsgesetze Gewerkschaften & Arbeitgeber (-verband): Tarifvertrag, 3, 5 TVG Betriebsrat & Arbeitgeber: Betriebsvereinbarung, 77 BetrVG Vorrang des Tarifvertrages, Abs. 3 Arbeitgeber: Stellt Arbeitsvertrag, NachweisG Arbeitnehmer: Handelt einzelne Bedingungen des Arbeitsvertrages aus, 305 b BGB In dieser Reihenfolge auch Normenhierarchie 106 GewO + Schranken der Vertragsfreiheit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 301

Arbeitsrecht im Betrieb 9 Nachweisgesetz, NachwG: Verpflichtung Arbeitgeber: Sptestens einen Monat nach Beginn muss AG einen selbst unterschrieben Vertragsentwurf dem AN vorlegen mit allen wesentlichen Bedingungen Folge der Nichteinhaltung: Arbeitgeber hat die Beweislast fr die streitige Vereinbarungen AN muss substantiiert behaupten und durch Indizien plausibilisieren: AG muss Gegenteil beweisen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 302 Arbeitsrecht im Betrieb

9 nderung der vereinbarten Arbeitsleistung Nicht allein durch langjhrige bung Nur wenn zustzlich besondere Umstnde erkennen lassen, dass sich die Verpflichtung des AN auf die neue Ttigkeit beschrnkt Fall: Einstellung eines Rechtsanwaltes als Softwareentwickler, 5 Jahre vertragsfremde Beschftigung als Rechtsanwalt, dann erste Softwareentwicklung, bei der sich AN als unfhig erwies. BAG: Kndigung aus personenbedingten Grnden sozial wirksam Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 303 Arbeitsrecht im Betrieb

9 Allgemeine Geschftsbedingungen Begriff, 305 I 1 BGB Arbeitgeber als Verwender Arbeitnehmer als Verbraucher Vorformulierte Bedingungen Fr eine Vielzahl von Vertrge gestellt = nicht ausgehandelt Arbeitsrecht, 310 IV (erst seit 2002): Keine Anwendung auf Kollektivregelungen, Tarifvertrge, Betriebsvereinbarungen Arbeitsvertrge: Angemessene Bercksichti-gung der arbeitsrechtlichen Besonderheiten Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 304 Arbeitsrecht im Betrieb 9

Prfungsschema Vertragsbedingungen: Wirksamkeitskontrolle: 125 Nichtigkeit wegen Formmangels 134 Gesetzliches Verbot 138 Sittenwidrigkeit 305 310 BGB: AGB - Recht Anwendungskontrolle: 315 BGB Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 305 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Allgemeine Geschftsbedingungen Unklarheiten, 305 c II : Zweifel bei Auslegung gehen Zulasten des Verwenders Inhaltskontrolle: Generalklausel, 307:

Unangemessene Benachteiligung, insbes. Unvereinbarkeit mit gesetzlichem Leitbild Klauselverbote: mit Wertungsmglichkeit, 308 Nr. 6 Zugangsfiktion unwirksam ohne Wertungsmglichkeit, 309: Entgegen Nr. 6 sind Vertragsstrafen mglich Rechtsfolge: Nichtigkeit der Klausel, 309: Keine geltungserhaltende Reduktion Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 306 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Gestaltung Arbeitsvertrag: Befristung, gem. TzBefG: Empfohlen 1 Jahr (gilt auch bei Schwangerschaft, Schwerbehinderung usw.)

Beschreibung: Qualifikation: Berufsausbildung, Fahrerlaubnis Geschuldete Ttigkeit, ggf. Arbeitsplatzbeschreibung Probezeit: Maximal 6 Monate Vertragsstrafen, Betriebsbue: max. ein Monatsgehalt Lohn fr vertragswidrige Fehlzeit Vorrbergehender Verhinderung, 616 BGB: Lohnfortzahlung ausschlieen Geheimhaltungs- + Rckgabepflichten Anordnung berstunden (BAG: Nicht 106 GewO) Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 307 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Gestaltung Arbeitsvertrag:

Pauschale berstundenabgeltung: Regelung Umfang angeben, z.B. 5 Std./Woche Gesamte rechtlich zulssige Arbeitszeit Arbeitszeitkonten: Verrechnung von Zeitguthaben = berstunden mit Minusstunden BAG 21.03.2012 5 AZR 676/11 Tantieme, Boni & Co. Zielvereinbarung, Provision Stay-/ Retention- Bonus Flligkeit Lohn: Sptesten15. des Folgemonats Kostenregelung bei Lohnpfndungen Fhrung und Vorlage von Ttigkeitsnachweisen BAG 18.04.2012 5 AZR 248/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 308 Arbeitsrecht im Betrieb

9 Gestaltung Arbeitsvertrag: Kndigungsfristen: 622 III BGB: Vereinbarte Probezeit 2 Wochen 622 V BGB: Bis 20 Mitarbeiter Verkrzung auf 4 Wochen zum 15. oder Ende des Monats Freistellung durch AG whrend der Kndigungsfrist Ende AV mit Vollendung 65. Lebensjahr bzw. Anspruch auf Altersrente, 41 SGB VI nderungs-, Widerrufs- + Freiwilligkeitsvorbehalte Nur bei Jahreszahlungen, nicht monatlicher Flligkeit Weihnachtsgeld: Anspruch nur bei ungekndigtem Arbeitsverhltnis: ohne Differenzierung BAG 18.01.2012 10 AZR 667/10 Rckzahlungsklausel bei Ausscheiden bis 31.03. des Folgejahres: Nur wenn vom AN veranlasst Bei Entgeltcharakter: Bereits bei Bindung an ungekndigtes Arbeitsverhltnis am 31.12. unwirksam BAG 13.11.2013 10 AZR 848/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 309 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Gestaltung Arbeitsvertrag: Anordnung von Kurzarbeit, 99 SGB III Wettbewerbsverbot nachvertraglich, 74 ff HGB Ausschlussfrist/Verfallklausel: Schriftlich in 3 Monaten Zweistufig: Je fr schriftliche Geltendmachung + Klage Bestandsschutzklage wahrt fr vom Ausgang abhngige Vergtungsansprche Schriftformklausel, ggf. doppelt: nderungen nur schriftlich wirksam Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

310 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Entlohnungsformen: Zeitlohn Stunden/ Monate Leistungslhne: Akkordlohn: Stck- oder Zeit Geldakkord: Arbeitsmenge x Geldfaktor Zeitakkord: Arbeitsmenge x Vorgabezeit Prmienlohn: Grundlohn + Prmie Quantitativ Produktionsmenge (hoch) Materialverbrauch (gering) Qualitativebessere Gte, Freundlichkeit, Kundenzufriedenheit Anwesenheit keine Krankheitszeiten Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 311 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Zielvereinbarungen: Einvernehmliche Regelung: Zustzlich zu einer festen Vergtung erhlt der Mitarbeiter einen Bonus, der dem Grunde und der Hhe nach von dem Erreichen eines vereinbarten Zieles abhngig ist. Zielvorgabe, 106 GewO: Vorgabe von Arbeitszielen

Einseitig durch den Arbeitgeber Kontrolle gem. 315 BGB Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 312 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Wegezeiten: Bezahlung Wegezeiten: Betrieb zu auswrtiger Arbeitsstelle Sind Arbeitszeit i.S.d. Arbeitsvertrages : versprochene Dienste, 611 Arbeitszeitgesetzes Vergtung: kann angemessen vereinbart werden z.B. entfernungsabhngige Auslsung Ggf. Unterscheidung zwischen Fahrer und Mitgenommenen Auslsung: Pauschalierter Aufwendungsersatz, der Fahrt-, bernachtungs- und Verpflegungskosten abdecken soll.

BAG 12.12.2012 5 AZR 355/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 313 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Direktionsrechtsklauseln: Arbeitsort: Versetzungsklausel Arbeitszeit Flexibilisierung & Schichtarbeit Rauch-& Alkoholverbot, z.B. Kraftfahrer + Baustellen Telekommunikation gestatten/verbieten Telefon, Mails kaum noch praktikabel Internet Virengefahr rztliche Untersuchung: AG kann von AN Einverstndnis nur bei begrndetem Anlass verlangen, z.B. Anhaltspunkten f. Drogenmissbrauch Einverstndnis im Arbeitsvertrag mglich, wenn Interesse des AG wegen besonderer Gefhrlichkeit der Ttigkeit

Kontrollen : - Videoberwachung: 6 b BDSG Torkontrollen: Vereinbarung oder branchenblich (Mitbestimmungsrecht 87 BetrVG) Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 314 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Nebenbeschftigung Allgemeine Grenzen: Arbeitszeitrechtliche Hchstgrenze: Mehrere Arbeitgeber zusammenrechnen, 2 I 1 ArbZG Erhebliche Beeintrchtigung der Arbeitskraft Entgegenstehende Wettbewerbsinteressen Einzel- o. kollektivvertragliche

Beschrnkung: Nebenttigkeitsverbot: Wegen Art. 12 nur bei besonderen Grnden wirksam Anzeigepflicht: Wirksam Keine Rcknahme der Genehmigung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 315 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Dienstwagen mit Recht zu privater Nutzung: Sachwert ist (Brutto-) Lohn (wie Verpflegung oder Telefon) Versteuerung: Fahrtenbuch oder 1 % Regelung Sozialversicherungen: Pflichtig Rckgabe: Dienstwagenvereinbarung Erkrankung: event. mit Ende Lohnfortzahlung

Kndigung + Endtermin, bei Freistellung Kndigungsschutzklage: Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 Nur wenn aussichtslos www.ingendahl-rust.de 316 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Fort- /Weiterbildungskosten: Rckzahlungsklauseln: Verpflichtung nur auerhalb des Arbeitsvertrages Transparenz: - Zu Beginn Ausbildung, 307 I 2 BGB BAG 6.8.2013- 9 AZR 442/13 - Hhe Kosten ohne Unklarheiten Zulssige Bindungsdauer: Interessenabwgung Dauer der Entgeltfortzahlung und Kosten AG Wert fr AN Richtlinie: 6 9 Monate Bindung pro Monat Ausbildung Auslser: durch Betriebstreue vermeiden: Kndigung

Arbeitgeber: nur bei verhaltensbedingter Kndigung Arbeitnehmer: benachteiligt unangemessen i.S.d. 307 IV 1 BGB, wenn Grnde aus der des Sphre des AG nicht ausgenommen sind. BAG 13.12.2011 3 AZR 791/09; 21.08.2012 3 AZR 698/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 317 Arbeitsrecht im Betrieb 9 Arbeitspapiere des AN: Vorlagepflicht beim Arbeitgeber zu Beginn des Arbeitsverhltnisses: Sozialversicherungsausweis, 18 h SGB IV Inhalt: Rentenversicherungsnummer Familien-, Geburts- + Vorname Grds. keine Pflicht zum Mitfhren bei Arbeit Lohnsteuerkarte von Gemeinde, 39 I 1 EStG:

ab 2012 ELStAM Elektronische LohnSteuerAbzugs-Merkmale Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 318 Arbeitsrecht im Betrieb 9 AG-Pflicht zur Aufzeichnung der Arbeitszeiten Im Arbeitsvertrag oder tgliche Aufstellung? Zivilrechtlich: Arbeitszeitgesetz Nur berstunden, Fr Fahrpersonal, 18 21 a VII 1 Sozialversicherungsrecht: Prfung Beitragspflicht Geringfgige Beschftigung, 8 I Nr. 1 SGB IV: 2 I Nr. 6 -8 BeitragsberwachungsVO

Mindestlhne: Gesetzlich Gem. Tarifvertrag allgemeinverbindlich o. vereinbart Allgemein: Wenn zur Feststellung der Tatbestandsvoraussetzungen von Befreiungsvorschriften erforderlich? Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 319 Arbeitsrecht im Betrieb 9S Anordnung berstunden Direktionsrecht, 106 GewO: Nur wenn Recht eingerumt in & im Rahmen von Arbeitsvertrag, Betriebsvereinbarung, Tarifvertrag & Gesetz

Arbeitsvertrag Betriebsvereinbarung Tarifvertrag Arbeitszeitgesetz: Rahmen: Pausen und Ruhezeiten Anordnung : Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 320 Arbeitsrecht im Betrieb 9S Aufhebungs-/Abwicklungsvertrge Inhalt: Abfindung fr sozialen Besitzstand = Betriebszugehrigkeit Freistellung mit Anrechnung Urlaub + Mehrarbeit Qualifiziertes Arbeitszeugnis Rckkehrrecht

Nachvertragliches Wettbewerbsverbot Ausgleichsquittung: Kein weiteren Ansprche Vorteil fr Arbeitgeber: Kein Kndigungsschutz Dem Arbeitnehmer droht Sperrzeit, 159 SGB III: Bei Aufhebungsvertrag Nicht bei Abwicklungsvereinbarung o. Klageverzicht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 321 Arbeitsrecht im Betrieb 9S Personalbeurteilung: Zeitlohn Fehlerquellen

Tendenzen zu Mitte / Milde / Strenge Heiligenschein- Effekt Hierarchieeffekt Keine Fehlerkorrektur Schubladen: Kategorisierung Prmienlohn: Grundlohn + Prmie Quantitativ Produktionsmenge (hoch) Materialverbrauch (gering) Qualitative bessere Gte, Freundlichkeit, Kundenzufriedenheit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 322 Arbeitsrecht im Betrieb 9S Umgang mit Low Performern

Abgrenzung: Fehl- /Andersleistung Minderleistung Controlling: Vertraglich geschuldete Leistung Soll-/ Ist- Vergleich Wesentliche Abweichung: Quantitative Minderleistung Qualitative Minderleistung Arbeitsrechtliche Instrumente: Personalgesprch Entgeltkrzung (nderungskndigung, Vereinbarung) Kndigung Verhaltensbedingt: willentlich Personenbedingt: Fhigkeiten Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 323 Arbeitsrecht im Betrieb 9 S Flexibilisierung PersonalAbbau

Befristete Arbeitsvertrge Leiharbeitnehmer Outsourcen: Dienst-/ Werkvertrge Aufgabenverlagerung im Konzern Werksschlieungen Betriebs- nderungen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 324 Arbeitsrecht im Betrieb 9 S Personenbedingte Kndigung: Minderleistung Low Performer Geminderte Leistungsfhigkeit: Nur erhebliche quantitative Unterschreitung von

mindestens 50 % Individuelle Normalleistung als Mastab Qualitative Minderleistung (berdurchschnittliche Fehlerquote) nicht ausreichend Nach Ausschpfung der persnlichen Leistungsfhig-keit und zumutbaren Hilfsmanahmen Abgrenzung zur Arbeitsunfhigkeit Verhaltensbedingten Kndigung bei steuerbarem Verhalten Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 325 Arbeitsrecht im Betrieb 9 S Fall: Vergtung von berstunden Klger ist bei der Spedition S GmbH seit 1990 als Kraftfahrer im Fernverkehr zu einer Bruttomonatsver-gtung von 2.450 beschftigt. Ein schriftlicher Arbeitsvertrag existiert nicht. Mit Klage vom 12.03.2009 begehrt er die Bezahlung von berstunden November 2006 bis April 2008. Auf der Basis einer 48 Stunden- Woche hat er 307 Stunden und 46 Minuten ermittelt.

Spedition S beantragt Klageabweisung. Die Anhrung des Klgers und des Geschftsfhrers der Beklagten als Partei ergibt, dass bei Einstellung vereinbart wurde, dass der Klger die Arbeitszeit schulde, die arbeitszeitrechtlich erlaubt sei. Hat die Klage Erfolg? BAG 18.04.2012 5 AZR 195/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 326 Arbeitsrecht im Betrieb 9 S Lsung: Vergtung berstunden 1. Kein allgemeinverbindlicher Tarifvertrag. Keine Verfallklausel vereinbart, 2. Verjhrungsfirst nicht abgelaufen. 3. Wie viele Stunden sind arbeitsvertraglich geschuldet? 1. Vertragliche Bezugnahme auf ArbeitszeitG, 2. speziell fr Kraftfahrer, 21 a ArbZG, Abs. 4: Verlngerung: Bis 60 Std./Woche - Verzicht auf kalendertgliche Betrachtungsweise

- Ausgleichszeitraum: 4 Monate / 16 Wochen BAG 18.04.2012 5 AZR 195/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 327 Arbeitsrecht im Betrieb 9 S Fall: Rckzahlung Weiterbildungskosten Die Priegnitzer Eisenbahn betreibt Nahverkehrszge. Auf Grundlage des Arbeitsvertrages vom 14.07.2003 beschftigt sie A seit dem 01.08.2003 im Service. Vom 04.10.2005 bis 10.02.2006 absolvierte A eine von der P finanzierte Ausbildung zum Triebwagenfhrer. Am 31.02.2004 vereinbart P mit A und 24 anderen Mitarbeitern: Die Ausbildung erfolgt im Interesse von A an seiner beruflichen und fachlichen Fort- und Weiterbildung. A wird unter Fortzahlung seiner Bezge freigestellt. P trgt die Unterrichtsund Prfungsgebhren, bernachtungs- und Reiskosten. Kndigt A selbst oder P aus personen- oder verhaltensbedingten Grnden binnen 2 Jahren, hat A die Kosten der Ausbildung zeitanteilig zu erstatten. A besteht die Prfung am 12.03.2006. Aufgrund eines Vorfalls am 13.04.2006 wird ihm der Eisenbahnfahrzeugfhrerschein eingezogen und er wieder im Service eingesetzt. A kndigt zum 31.12.2006 selbst. P klagt auf Zahlung von 7.500 als Ausbildungskostenerstattung. Hat die Klage Erfolg? BAG 13.12.2011 3 AZR 791/09; 28.05.2013 3 AZR 103/12

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 328 Arbeitsrecht im Betrieb 9 S Lsung: Rckzahlung Weiterbildungskosten 1. Die Vereinbarung ber die Ausbildungskostenerstattung ist AGB i.S.d. 305 I BGB: Identische Vereinbarung mit 25 Triebwagenfhrern. 2. Die Vereinbarung ber die Ausbildungskostenerstattung ist unwirksam nach 307 I 1 BGB. A wird durch die Rckzahlungsklausel unangemessen benachteiligt: a) Die von P gestellte Klausel belastet A ohne Ausnahme fr jeden Fall der Eigenkndigung. Sie unterscheidet nicht, ob der Grund der Sphre des Arbeitnehmers oder des Arbeitgebers zuzurechnen ist. b) Keine geltungserhaltende Reduktion mit dem Inhalt, das der Grund der Sphre des Arbeitnehmers zuzurechnen ist. c) Teilung der Vertragsklausel nur, wenn der unzulssige Teil sprachlich und inhaltlich eindeutig abtrennbar wre. 3. Es kommt nicht darauf an, ob A von P zur Kndigung veranlasst

wurde. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 329 Arbeitsrecht im Betrieb 9 S Kndigung nach (wahrheitswidrigem) Leugnen der Schwerbehinderung in einem laufenden Arbeitsverhltnis: Argumente: 1. Persnlichkeitsschutz AN 2. Pflichtabgabe AG, 77 SGB IX 3. Kndigungsschutz nach 6 Monaten unentziehbar Kein Kndigungsschutz wegen widersprchlichem Verhalten BAG 16.02.2012 - 6 AZR 553/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 330

Arbeitsrecht im Betrieb 9 S Kndigung Gestaltungen: Kndigungsgrnde angeben? nein Freistellung ab Zugang Kndigung ggf. unwiderruflich nur bei Vereinbarung im AV Unter Anrechnung auf eventuelle offene Mehrarbeits- Ansprche Urlaubsansprche Hinweis auf Ordentliche Abrechnung und Zeugnis Meldung bei Arbeitsamt BA Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 331 Arbeitsrecht im Betrieb 9 S

Rckkehrklausel: Absicherung des Arbeitnehmers: Rckkehrrecht nach Wechsel in anderen, neuen Aufgabenbereich anderes (Konzern-) Unternehmen, auch Ausland Reichweite: Nur soweit Verpflichtung eingangen Kein bergang auf Betriebsnachfolger 613 a B Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 332 Arbeitsrecht im Betrieb 10 MitarbeiterRecruting & Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz AGG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 333 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Personalpolitik Auswahl geeigneter Mitarbeiter: Bewerbungsverfahren, Beachtung AGG Gesunderhaltung der Mitarbeiter: Prvention: Arbeitssicherheitsgesetze: Compliance Betriebliches Gesundheitsmanagement BGM Betriebliches Eingliederungsmanagement, 84 II SGB IX: Nach 6 Wochen Erkrankung oder bereits frher Leidens- oder krankheitsgerechter Arbeitsplatz sowie Hilfe bei allen Problemen, ggf. durch selbstndige Berater Unfhigkeit zur geschuldeten Arbeit

Anpassung Arbeitsbedingungen, bei freiem, zumutbaren Arbeitsplatz nderungskndigung Beratung zum Schutz durch das soziale Netz Kndigung aus personenbedingten Grnden Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 334 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Personalmanagement: Personalplanung: Unterrichtung BR 92 I BetrVG Personalbedarf Gegenwrtig und zuknftig Quantitativ und qualitativ Personaldeckung (-beschaffung, -abbau)

Personalentwicklung Personaleinsatz Personal- Recruiting: Bewerbungs- und Einstellungsverfahren Personal- Marketing Incentives fr Mitarbeiter Controlling: Leitungskontrolle Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 335 Arbeitsrecht im Betrieb 10 personal recruting: Rechtlich Abwerbung: Grundstzlich zulssig Wettbewerbswidrigkeit, 3 UWG: Nur bei Hinzutreten besonderer Umstnde Verleiten zum Vertragsbruch: Aufforderung zur Verletzung (noch) bestehender arbeitsvertraglicher Verpflichtungen Erteilung einer unrichtigen Auskunft

Ausnutzung der Geschftsgeheimnisse des Mitbewerbers An betriebliche e-mail- Adresse, 7 II Nr. 3 UWG Telefonanrufe am Arbeitsplatz, cold calls, sofern mehr als erste Kontaktaufnahme Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 336 Arbeitsrecht im Betrieb 10 personal recruting: Stellenausschreibung: Aufforderung zur Abgabe eines Arbeitsangebotes Keine unzutreffenden Angaben Diskriminierende Einstellungsvoraussetzungen: Vermutung fr Benachteiligung, 22 AGG:

Geschlechtsneutrale Ausschreibung Verkuferin bis 35 Jahre Deutscher Metallfacharbeiter Berufsanfnger, Junganwalt, Frauenkanzlei Hausmeisterehepaar: Gleichgeschlechtliche Paare? bliche Bewerbungsunterlagen = Foto und Lebenslauf Auswahlprozess: AGG: Verbot jeder Diskriminierung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 337 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Stellenausschreibungen: Vorvertragliches Schuldverhltnis: Arbeitgeber:

Rcksichtnahme Aufklrung ber wesentliche Umstnde Arbeitnehmer: Offenbarungspflichten Qualifikation und Eignung Vollzug einer Freiheitsstrafe Transsexualitt: ggf. nach ausgeschriebener Stelle Gesundheitszustand, z.B. Kraftfahrer: Alkoholabhngigkeit Nicht: Schwangerschaft, Familienplanung Behinderung, wenn sie Beschftigung ausschliet Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 338 Arbeitsrecht im Betrieb 10

Bewerbung Vorstellungskosten: Aus Aufforderung zur Vorstellung folgt Ersatzpflicht der erforderlichen Auslagen, 670, 662 BGB Ausschluss muss unmissverstndlich zum Ausdruck gebracht werden Bewerbungsunterlagen: Anspruch auf Rckgabe Unterrichtung des Betriebsrates Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 339 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Fragerecht des Arbeitgebers: Nur bei berechtigtem + schutzwrdigen Interesse: Schulzeugnissen und Noten

Fachliche Qualifikation und berufliche Erfahrungen Auslandsaufenthalte, Sprachkenntnisse wenn f. Ttigkeit relevant Eignung fr die konkrete Ttigkeit, auch krperliche Einzelflle: zulssig? nein Alkohol- + Drogenabhngigkeit, HIV Alter grds. ja Schwerbehinderung nein - jedoch nach 6-monatiger Beschftigung Heirats- & Familienplanung, Schwangerschaft nein Religions-, Gewerkschafts-, Parteizugehrigkeit nein Vorstrafen: Nur Verurteilung einschlgig zur Ttigkeit Bisheriger Verdienst, Vermgensverhltnisse nein Versto: Arbeitnehmer hat das Recht zur Lge Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 340 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Eignungsuntersuchungen DatenschutzG: Erhebung personenbezogener Daten Eignungstests: Nichtrztliche Untersuchungen Graphologische Gutachten Psychologische Tests rztliche Untersuchungen: Bei Bezug zur Ttigkeit Genomanalyse: Verbot, 19 ff Gendiagnostikgesetz Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

341 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Allgemeines GleichbehandlungsG Als Kriterium fr Differenzierung unzulssig = Diskriminierung, 1: Rasse - ethnische Herkunft Geschlecht - sexuelle Identitt Religion - Weltanschauung Alter - Behinderung Anwendungsbereich, 6-18: Beschftigte & Bewerber, 6 Abs. 1: Arbeitsbedingungen einschl. Zugang zur Erwerbsttigkeit und beruflicher Aufstieg Entgelt, Aus- und Weiterbildung, Kndigungen Arbeitgeber, 6 Abs. 2 Ausschreibung: Stellenanzeige, 11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 342 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Allg. Gleichbehandlungsgesetz Benachteiligungsverbot, 7: Arbeitgeber, Arbeitskollegen und Dritte Formen der Benachteiligung, 3: Abs. 1: Unmittelbare = weniger gnstige Behandlung Abs. 2: Mittelbare = scheinbar neutrale Regelung Abs. 3: Belstigung Abs. 4: sexuelle= unerwnscht + Verletzung der Wrde Abs. 5: Anweisung zu Verhalten Mittelbare Diskriminierung, Muster: Gruppenbildung nach nicht verbotenen Kriterien Eine Gruppe wird kollektiv und unmittelbar benachteiligt Mit Gruppe sind statistisch sind insbes. gegen Benachteiligung Geschtzte betroffen BAG 21.06.2012 - 8 AZR188/11

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 343 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Allg. Gleichbehandlungsgesetz Zulssige Kriterien: Ausbildung Erfahrungen Kenntnisse, auch Sprachen, insbes. Deutschkenntnisse Vollzeitbeschftigung (trotz 5 TzBfG) Auch: Fuballfan clubbezogen, fraglich: Ossi / Wessi Unzulssige Kriterien: Sexuelle Identitt Geschlecht Jung, dynamisch: Alter Fhrerschein: Behinderte mittelbar Gesund Behinderte Hochschulabsolventen / Young Professionals bersetzt junger Fachmann /-frau Familienplanung Geschlecht Frau

ArbG Ddorf 13.3.2013 - 11 Ca 7393/11; BAG 21.6.2012 - 8 AZR188/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 344 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Zulssige Benachteiligungen Nachteile werden ausgeglichen, 5: Durch geeignete und angemessene Manahmen Z.B. Verpflichtung ffentlicher Arbeitgeber, schwerbehinderte Bewerber zu Vorstellungsgesprch einzuladen, 82 S. 2 SGB IX Berufliche Anforderungen, 8: Anforderung ist objektiv fr die Ausbung der Ttigkeit wesentlich und entscheidend Verkehrsanschauung: Erzieher in Mdcheninternat Unternehmerisches Konzept: Frauenbuchhandlung? Kundenerwartung: Weibliche Vertriebsmitarbeiterin? Entgeltgleichheit, Abs. 2: Die Aspekte des 1 rechtfertigen keine unterschiedliche Bezahlung

Religion oder Weltanschauung, 9 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 345 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Rechtfertigung Diskriminierung Berufliche Anforderungen, 8 Nach Art der Ttigkeit Objektiv notwendige Voraussetzung fr die Ausbung Verkehrsanschauung (z.B. Trendmoden fr Jugend-liche nicht durch Verkufer der Elterngeneration) kaum durch unternehmerisches Konzept (Frauenbuchhandlung, Kosmetik)) Nicht durch Kunden- oder Kufererwartung wesentlich + entscheidend: nicht nur zweckmig Alter, 10 ,

Fallgruppen Z. 1 bis 6 : Legitimes Ziel Angemessenheit des Mittels: vernnftig und geeignet Erforderlichkeit des Mittels: geringster Eingriff BAG vom zur Altersgrenze fr Beschftigung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 346 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Folgen unerlaubter Ungleichbehandlung: Arbeitgeber muss gegen die verstoenden Beschftigten die erforderlichen und angemessenen

Manahmen zur Unterbindung ergreifen, 12 Abs. 3. Wird AG nicht ttig: Beschwerderecht des Beschftigten, 13 Leistungsverweigerungsrecht des Beschftigten, wenn und soweit erforderlich, 14 Schadensersatzanspruch, 15 Maregelungsverbot, 16 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 347 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Schadensersatzansprche, 15: Materieller S., Abs. 1: auer kein Verschulden Entgangener Verdienst: Differenzrechnung Immaterieller S., Abs. 2: Verschuldensunabhngig bei jeder Benachteiligung, 7: Nicht eingestellt in Auswahl einbezogen

Ausnahme: Keine ernsthafte Bewerbung ( 242) Angemessene Entschdigung: Alle Umstnde, auch Abschreckung Maximal 3 Monatsgehlter, wenn bei benachteili-gungsfreier Auswahl nicht eingestellt: Beweis AG Ausschlussfrist 2 Monate, Abs. 3 : Schriftliche Geltendmachung BAG 21.06.2012 - 8 AZR 188/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 348 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Allg. Gleichbehandlungsgesetz Beweislast, 22: Abgestuft Mitarbeiter: Vortrag + Beweis von Indizien, die eine Benachteiligung i.S.d. 1 AGG vermuten lassen, z.B. 82 SGB IX

Arbeitgeber: Beweis, dass kein Versto vorlag Kein Auskunftsrecht des Bewerbers, ob ein anderer eingestellt wurde oder aufgrund welcher Kriterien Gibt der Arbeitgeber dem abgelehnten Bewerber keine Auskunft ber seine Auswahlentscheidung, lsst das allein noch keine Diskriminierung vermuten. BAG vom 25.04.2013 8 AZR 287/08 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 349 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Lebensalter & Personalauswahl Altersstrukturanalyse und AltersgruppenManagement Zieldefinition: Gewnschte Verteilung Vorbeugung gegen beralterung Neueinstellungen: AGG Lebensalter als Kriterium unzulssig

Kndigung sozial wirksam: Betriebsbedingt und Sozialauswahl Lebensalter hemmend Nicht: Verjngung des Mitarbeiterschaft Altersgruppenbildung, 1 Abs. 3 S.2 KSchG: Nur Erhalt einer bestehenden Altersstruktur Kndigung aus allen Altersschichten proportional Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 350 Arbeitsrecht im Betrieb 10 Vermeidungs-Strategie: Ausschreibung & Auswahlverfahren: Ohne jede Diskriminierung Einstellungsentscheidung: geheim Ablehnungsschreiben: Ohne Begrndung & immer freundlich

Auswirkungen AGG im Betrieb: Einstellungsvoraussetzungen leistungsorientiert Betriebsklima vorurteilsfrei integrierend Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 351 Arbeitsrecht im Betrieb 10 AGG konforme Stellenausschreibung Alter: Keine Altersangabe (Zwischen Nicht lter als..) Keine direkte Ansprache einer Zielgruppe: Jnger: Young Professionals, junge Dynamiker lter: Erfahrene Alte Hasen, rstige Rentner Selbstbeschreibung: Wir sind jung & dynamisch Geschlecht: Stets geschlechtsneutral

Ethnische Herkunft und Rasse: Signalwort Muttersprache meiden Sprachkenntnisse: nur soweit fr Stelle erforderlich Lichtbild nicht explizit anfordern Behinderung: Keine Hinweise Krperlich belastbar, geistig flexibel Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 352 Arbeitsrecht im Betrieb 10 AGG konforme Stellenausschreibung Alter: Keine Altersangabe (Zwischen Nicht lter als..) Keine direkte Ansprache einer Zielgruppe: Jnger: Young Professionals, junge Dynamiker lter: Erfahrene Alte Hasen, rstige Rentner Selbstbeschreibung: Wir sind jung & dynamisch

Geschlecht: Stets geschlechtsneutral Ethnische Herkunft und Rasse: Signalwort Muttersprache meiden Sprachkenntnisse: nur soweit fr Stelle erforderlich Lichtbild nicht explizit anfordern Behinderung: Keine Hinweise Krperlich belastbar, geistig flexibel Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 353 Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Altersabhngige Staffelung der Urlaubsdauer: In Arbeits- und Tarifvertrgen Unwirksam wegen Altersdiskriminierung Anpassung der Dauer nach oben BAG 20.03.2012 9 AZR 529/10

Gegennormen zum Diskriminierungsverbot: Kann AG die Ungleichbehandlung rechtfertigen? Verfolgung eines rechtmigen Ziels, 3 Abs. 2 Positive Manahmen ("affirmative actions"), 5 Differenzierung wg. beruflicher Anforderungen, 8 "Kirchenklausel, 9 AGG Differenzierung aufgrund Alters, 10 AGG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 354 Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Altersgrenze in Betriebsvereinbarung Der 1942 geborene A ist seit 1980 bei der B AG beschftigt. Nach der von beiden Parteien unterzeichneten Einstellungsmitteilung war das Arbeitsverhltnis auf unbestimmte Zeit geschlossen. Eine Betriebsvereinbarung aus dem Jahr 1976 sah die Beendigung des Arbeitsverhltnisses mit Erreichen des 65.

Lebensjahres vor. Dieses vollendete A im August 2007. A wendet sich gegen die Beendigung seines Arbeitsverhltnisses. BAG 05.03.2013 -1 AZR 417/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 355 Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Lsung: Altersgrenze Betriebsvereinbarung 1. Erreichung des Rentenalters und Beginn der Altersrente a) beenden Arbeitsverhltnisse nur bei Vereinbarung im Arbeitsvertrag b) sind kein Kndigungsgrund, 41 SGB VI 2. Regelung in Betriebsvereinbarung, 77 II : Wahrung von Recht + Billigkeit, 75 BetrVG,

bei Anspruch auf Regelaltersrente. 3. Keine Altersdiskriminierung Ergebnis: Das Arbeitsverhltnis ist beendet. www.ingendahl-rust.de Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 356 Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Der transsexuelle Lagerarbeiter Die Fa. Naturstein Niederrhein GmbH mit ber 20 Arbeitnehmern beschftigt in ihrem Lager seit ber 5 Jahren den zuverlssigen und allseits geschtzten Herrn Victor. Herr Victor offenbart dem Geschfts-fhrer, dass er im falschen Krper lebe. Nach einer medizinischen Geschlechtsumwandlung werde er zuknftig als Frau Victoria leben. 1. Der Geschftsfhrer erklrt Ihnen, dass er im Lager keine Frau einsetzen knne, u.a. gbe es nur Mnnertoiletten und umkleiden. Er bittet Sie um Vorschlge, das Arbeitsverhltnis auf schnellstem Wege zu beenden. 2. Nach einem halben Jahr verlangt Victoria die

Umschreibung ihres Arbeitszeugnisses auf sich als Frau. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 357 Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Lsung: Der transsexuelle Lagerarbeiter 1. Transsexuellen Gesetz: Regelt nur nderung Vornamen 2. Anfechtung: 1. Kein Erklrungs- oder Inhaltsirrtum, 119 Abs. 1 BGB 2. Irrtum ber verkehrswesentliche Eigenschaft, 119 Abs. 2 BGB: 1. Geschlechterzuordnung: Im Lager wohl ja 2. Aber: Geschlecht nach AGG kein zulssiges Kriterium 3. Kndigung, soziale Rechtfertigung, 1 KSchG: 1. event. personenbedingt 2. Aber : Geschlecht nach AGG kein zulssiges Kriterium 4. Einigung mit Kriterien: 1. Abfindung

2. Psychologisches Problem des Mitarbeiters: muss sein Leben im anderen Geschlecht neu beginnen 5. Zeugnis: 1. Bei Verlangen nachtrglich auf Namen der Frau, 2. Grundsatz der Wahrheit hindert jedoch Umschreibung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 358 Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Entschdigungsansprche nach AGG Das beklagte Land hatte 2 Stellen fr Lehrkrfte in einer JVA ausgeschrieben. Der Klger ist Diplompdagoge und bewarb sich als zu 60 % Schwerbehinderter. Mit Schreiben vom 29.08., Zugang am 02.09. lehnte das Land die Bewerbung ab. Mit am 04.11. eingegangenen Schreiben meldet Klger Schadensersatz- und

Entschdigungsansprche an, weil er nicht zu einem Vorstellungsgesprch eingeladen wurde. Welche Ansprche hat der Klger? BAG 15.03.2012 - 8 AZR 160/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 359 Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Lsung: Entschdigungsanspruch AGG 1. Entschdigungsanspruch wegen immateriellen Schadens, 15 Abs. 2 AGG: 1. Klger ist als Bewerber Beschftigter, 6 I 2 2. Benachteiligung, 7 AGG weil 1. nicht eingeladen 2. obwohl objektiv geeignet 3. Hhe kann in Ermessen des Gericht gestellt werden

2. Aber Verfall, 15 Abs. 4 AGG: Schriftliche Geltendmachung in 2 Monaten, bis 2.11., hier erst am 04.11. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 360 Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Entschdigungsansprche nach AGG: Unter dem 22.06.2009 schrieb die Beklagte zwei Stellen fr zwei freiberufliche Mitarbeiter (bei Eignung Festanstellung mglich) als Net Entwickler (m/w) SQL Datenbankentwickler zwischen 25 und 35 Jahren aus. Der am 27.03.1956 geborene Klger bewarb sich erfolglos. Nachdem die Beklagte zumindest einen Bewerber aus Berlin zu einem Vorstellungsgesprch eingeladen hatte, sah sie letztlich von einer Einstellung von Mitarbeitern ab. Mit der am 27.10.2009 beim Arbeitsgericht eingegangenen Klage verlangt der Klger die Zahlung einer Entschdigung von 26.400 .

Hat der Klger einen Schadensersatzanspruch aus 15 AGG? BAG 23.08.2012 - 8 AZR 285/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 361 Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Entschdigungsanspruch 15 Abs. 2 BAG (1) 1. Persnlichen Anwendungsbereich des AGG: 1. Als Bewerber ist der Klger nach 6 I 2 Beschftigter 2. Unerheblich ist, ob Bewerber : 1. objektiv geeignet ist oder 2. die Bewerbung subjektiv ernst gemeint war (ggf. jedoch Einwand des Rechtsmissbrauchs, 242 BGB) 2. Unmittelbare Benachteiligung i.S.d. 3 I: 1. Wenn eine Person wegen eines in 1 genannten Grundes einen Nachteil erfhrt, bei Einstellung oder Befrderung

nicht in die Auswahl einbezogen, sondern vorab ausgeschieden wird. 2. Eine Benachteiligung wird nicht beseitigt durch 3. Nicht - Verm gensscha den , 15 I I AGG: Vers to gegen Benac hteiligungsverbot = 1. 2. 1. sptere Einstellung oder Beschftigung des Benachteiligten, 2. Nichtbesetzung der ausgeschriebenen Stelle Objektiver Eignung des Bewerbers Na ch Anfo rderungspro fil des Arbeitgebers Im Arbeitsl eben herrschender Verkehrsa nscha uung 2012ww w. BAG 23.08.2012 - 8 AZR 285/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 362 Arbeitsrecht im Betrieb

10 S Entschdigungsanspruch 15 Abs. 2 BAG (2) 1. Persnlichen Anwendungsbereich des AGG: 1. 2. Als Bewerber ist der Klger nach 6 I 2 Beschftigter Unerheblich ist, ob Bewerber : 1. 2. objektiv geeignet ist oder die Bewerbung subjektiv ernst gemeint war (ggf. jedoch Einwand des Rechtsmissbrauchs, 242 BGB) 2. Unmittelbare Benachteiligung i.S.d. 3 I: 1.

2. 1. 2. Wenn eine Person wegen eines in 1 genannten Grundes einen Nachteil erfhrt, bei Einstellung oder Befrderung nicht in die Auswahl einbezogen, sondern vorab ausgeschieden wird. Eine Benachteiligung wird nicht beseitigt durch sptere Einstellung oder Beschftigung des Benachteiligten, Nichtbesetzung der ausgeschriebenen Stelle 3. obwohl er objektiv fr die ausgeschriebene Stelle geeignet war: 1. Nach Anforderungsprofil des Arbeitgebers 2. Im Arbeitsleben herrschender Verkehrsanschauung 4. Zulssiger Einwand: Keine ernsthafte Bewerbung 5. Rechtzeitig innerhalb der 3- Monatsfrist, 15 IV? 6. Hhe angemessene Entschdigung bercksichtigt: Art und Schwere der Benachteiligung, ihre Dauer und Folgen, Anlass und Beweggrund des Handelns, Wiederholungsfall, abschreckende Wirkung gegen- ber dem Arbeitgeber. BAG 23.08.2012 - 8 AZR 285/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

363 Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Tarifliche Altersgrenzen im MTV Cockpitpersonal: Pensionierung mit 60. Lebensjahr ist unwirksam: 14 I 1TzBfG: Fr Befristung kein sachlicher Grund 7 Abs. 1 i.V.m. 1 AGG: Auf Alter beruhende Ungleichbehandlung bei der Entlassung 8 I, 10 AGG: Unterschiedliche Behandlung Objektiv Angemessen und durch ein legitimes Ziel gerechtfertigt Mittel: Nur angemessen und erforderlich www.bag 18.01.2012 - 7 AZR 112/08 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 364

Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Fall: Stewardessen fr Air Furt: Im Hinblick auf die andauernde Ertragskrise gibt der neue CEO der krnkelnden Airline aus Erfurt einen Wechsel der Personalpolitik bekannt: Man werde zu dem ursprnglichen Konzept ausschlielich weiblichen Kabinenpersonals zurckkehren und damit fr die Fluggste attraktiver werden. Bereits aufgrund der Berichterstattung in der Presse rechne er mit einer Welle von Bewerbungen attraktiver junger Frauen. Der homosexuelle H fhlt sich angesprochen. Welche Aussichten hat seine Bewerbung?. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 365 Arbeitsrecht im Betrieb

10 S Lsung: Stewardessen fr Air Furt 1. Wenn Air Furt das neue Personal-konzept realisiert, hat die Bewerbung keinen Erfolg. 2. Hingegen Chancen gem. 15 auf materiellen / immateriellen Schadensersatz, weil 1. In der Pressemitteilung Mnner allgemein und lteren Frauen im Besonderen benachteiligt werden 2. dieser Versto die Rechtswidrigkeit der Benachteiligung im Bewerbungsverfahren indiziert, 3, 22 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 366 Arbeitsrecht im Betrieb 10 S Bewerbungskonzept: Keine

Stelle aber Schadensersatz 1. Anzeige / Stellenausschreibung mit Diskriminierung 2. Bewerbung als objektiv Diskriminierter 3. Beobachtung, ob im Auswahlverfahren vorzeitig ausgeschlossen, 3 4. Schadensersatz binnen 2 Monatsfrist anmelden. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 367 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Arbeitsschutz & Arbeitszeit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

368 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Arbeitszeitgesetz, ArbZG Bereitschaftsdienst: Zur Verfgung stehen + sich bereit halten, um im Bedarfsfall von sich aus volle Arbeitsttigkeit sofort aufzunehmen Dienst am Arbeitsort /-nhe: Wache Achtsamkeit im Zu-stand der Entspannung, z.B. Schlafen im Bereitschaftsraum Ist Arbeitszeit i.S.d. Arbeitsschutzes Vergtungspflicht: Kann geringer sein, Pauschalabgeltung 15 25 % zulssig voll wenn Inanspruchnahme grer 50 % Rufbereitschaft: Unvorhersehbarkeit des Arbeitsanfalles Freie Wahl des Aufenthaltsortes Ist Ruhezeit, bei Inanspruchnahme Arbeitszeit Grds. vergtungspflichtig TVD12,5 % d. blichen Entgeltes, ggf. auch pauschale Abgeltung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 369 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Arbeitszeitgesetz, ArbZG Reine Arbeitssicherheit: Freizeit, Erholung Vermeidung berlastung, burn out Hchstdauer der Arbeitszeit: grds. 8 Std., max. 10 Std. tglich, 3 Besonderheiten: Fahrpersonalgesetz Verlngerung Arbeitszeit nur durch Tarifvertrag mglich, 7 I Nr. 2a Nachtarbeit + Nachtarbeitnehmer, 6 Schichtarbeit Sonn- und Feiertagsbeschftigung, 9:

Beschftigungsverbot von 0 bis 24 Uhr Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 370 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Arbeitszeitgesetz, ArbZG berarbeit o. berstunden: berschreitung der vertraglich vereinbarten Arbeitszeit Mehrarbeit: Geht ber die gesetzlich normalerweise zulssige Arbeitszeit von 8 Stunden hinaus Vertragliche Arbeitszeitformen: Gleitzeit Vertrauensarbeit: Keine Kontrolle der Arbeitszeit, nur der Arbeitsergebnisse Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 371 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Arbeitszeitgesetz, ArbZG Zur Beurteilung der Arbeit bercksichtigen: Intensitt der Belastung, insbes. Hufigkeit der Inanspruchnahme Dauer der Arbeitsbereitschaft Einfluss auf den Lebensrhythmus Regel- o. Unregelmigkeit von Unterbrechungen Verantwortlichkeit und Folgen zu spten Eingreifens Strfaktoren: Gerusche oder Erschtterungen Beteiligungsrechte des Betriebsrates: berwachung Einhaltung, 80 I Z. 1 BetrVG Mitbestimmung bei Lage der Arbeitszeit, 87 Abs. 1 Z. 2 + 3 BetrVG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 372 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Arbeitsschutzgesetz: 3 Verantwortung des Arbeitgebers 4 Gestaltung der Arbeit: Vermeidung von Gefahren 5 Prventive Gefhrdungs- Beurteilung 6 Dokumentation 9 Eingeschrnkter Zugang zu gefhrlichen Arbeitsbereichen 12 Unterweisung der Arbeitnehmer 13 Fr Erfllung der Arbeitgeberpflichten verantwortliche Personen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

373 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Arbeitszeitgesetz, ArbZG Grenze zum Privatleben verschwimmt: BYOD (bring your own device): Nutzung eigener Smart-phones, Notebooks, Tablet-PC zu dienstlichen Zwecken Erreichbarkeit auerhalb Arbeitszeit: Erwartung - freiwillig auf (dienstlichem) Handy oder per Internet: Lsen die Verrichtung der Arbeit von Anwesenheit am Arbeitsplatz Arbeitszeit, 2 I : Beginn bis Ende ohne Ruhepausen, Unerheblich, ob tatschlich gearbeitet, auch Betriebsbedingte Wartezeit innerhalb der Betriebszeiten = Arbeitsbereitschaft Fahrtzeiten bei Dienstreisen, als Fahrer und Beifahrer Wasch- und Umkleidezeiten: nur wenn AG eine bestimmte Kleidung vorschreibt + Umkleiden im Betrieb erfolgen muss BAG vom 19.09.2012 5 AZR 678/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 374 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Arbeitszeitgesetz, ArbZG Ruhepausen, 4: Begriff: Im Vorhinein feststehend arbeitsfrei, mindestens 15 Minuten lang Dauer:30 Min. bis 9 Stunden, 4 ArbZG 45 Min. bei mehr als 9 Std. Arbeitszeit Ruhezeiten, 5: Ab Arbeitsende mind. 11 Std. Nacht-( 2 III -V) und Schichtarbeit, 6: Abs. 3: Alle 3 Jahre arbeitsmedizinische Untersuchung Abs. 4: Umsetzungsanspruch auf Tagarbeitsplatz Sonn- und Feiertage, 9: Beschftigungsverbot 10, 14 Ausnahmen: Beschftigung zulssig 11 Ausgleich durch Ersatzruhetag 12 Abweichung per Tarifvertrag

13,15 Genehmigung durch RechtsVO /Aufsichtsbehrde Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 375 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Gesetz ber Betriebsrzte und Fachkrfte fr Arbeitssicherheit, ASiG Betriebsrzte, 2 Aufgaben, 3: Z. 2: Untersuchung + arbeitsmedizinische Beurteilung der Arbeitnehmer Z. 3: Durchfhrung Arbeitsschutz + Unfallverhtung III: nicht berprfung der Krankmeldungen, rztliche Schweigepflicht Fr smtliche Befunde Auch bei Arbeitsplatzbezug+ Sicherheitsrelevanz Fachkrfte fr Arbeitssicherheit, 5: Sicherheitsingenieure, Techniker und Meister

Angestellt oder berbetrieblicher Dienst Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 376 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Bestellung durch Unternehmen: Betriebsrzte, 3 rztliche Schweigepflicht, 8 I 3 Fachkrfte fr Arbeitssicherheit, 5 Sicherheitsingenieure, Techniker und Meister Beide: Pflicht zur Bestellung, 2 I, 5 I, wenn erforderlich im Hinblick auf Betriebsart und verbundene Unfall- /Gesundheitsgefahren Zahl der Arbeitnehmer und ihre Zusammensetzung Betriebsorganisation Bei Anwendung ihrer Fachkunde weisungsfrei, 8 I

Unmittelbar dem Betriebsleiter unterstellt, 8 II Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 377 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Arbeitsschutz Sozialer Arbeitszeitgesetz Mutterschutzgesetz + -richtlinienverordnung Jugendarbeitsschutzgesetz Kinderarbeitsschutzgesetz und verordnung Technischer : Sicherung vor Betrieb & Produktion

Arbeitssicherheitsgesetz Arbeitsschutzgesetz Gertesicherheitsgesetz Gefahrstoffverordnung Medizinischer: Gesunde Arbeitsumgebung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 378 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Arbeitsschutzgesetz ArbSchuG Grundpflichten des Arbeitgebers: Arbeitsschutz und Gesundheitsfrsorge

gegen Arbeitsunflle + Berufskrankheiten : Erforderliche Manahmen treffen, 3 Mit der Arbeit verbundene Gefhrdungen ermitteln, 5: Konkretisierung der Frsorgepflichten aus 618 BGB Anspruchsgrundlage des Arbeitnehmers Schlssel fr zielgerichteten Arbeitsschutz Gefhrdungsbeurteilung Der schlafende Riese Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 379 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Verbesserung des Arbeitsschutzes

durch Gefhrdungsbeurteilung, 5 Ermittlung der Gefhrdungen Nur physisch oder auch psychische Belastungen? Beurteilung der Gefhrdungen Festlegung konkreter Arbeitsschutzmanahmen Durchfhrung der Manahmen berprfung der Durchfhrung und Wirksamkeit der Manahmen Fortschreiben der Gefhrdungsbeurteilung Dokumentation Ergebnisse & Manahmen, 6 Siehe 3 Allg. Pflichten AG , ArbMedVV Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 380 Arbeitsrecht im Betrieb

11 Arbeitsschutzgesetz ArbSchuG Pflichten + Rechte der Beschftigten, 15 ff Beachtung insbes. Unfallverhtungsvorschriften Als arbeitsvertragliche Nebenpflicht Beteiligung des Betriebsrates gem. BetrVG: Mitbestimmung soziale Angelegenheiten, 87 I Z. 7: Aufbau einer Organisation zur Verhtung von Arbeits-unfllen, Berufskrankheiten sowie Gesundheitsschutz BAG 18.03.2014 - 1 ABR 73/12 Arbeitsschutz + Unfallverhtung, 89: Betriebsrat muss sich einsetzen, Abs. 1 Arbeitgeber muss BR hinzuziehen und unterrichten Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 381 Arbeitsrecht im Betrieb

11 Arbeitsstttenverordnung Einrichten & Betrieb Arbeitssttte, 3: Sicherheit und Gesundheitsschutz fr die Beschftigten Nichtraucherschutz, 5 Arbeitsrume, Pausen- und Bereitschaftsrume, Erste- Hilfe und Sanitrrume, Unterknfte, 6 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 382 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Technische Arbeitssicherheit Rechtsverordnungen aufgrund 18:

Arbeitsstttenverordnung Baustellenverordnung Betriebssicherheitsverordnung Bildschirmarbeitsverordnung Lrm- und Vibrations- ArbeitsschutzVO Andere Gefahrstoffverordnung Biostoffverordnung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 383 Arbeitsrecht im Betrieb 11 Verantwortung Arbeitnehmer, 15 :

Beachtung Arbeitsschutz- und Unfallverhtungsvorschriften Tragen Schutzkleidung, Benutzung Sicherheitsvorrichtungen Ordnungsstrafen, 209 SGB VII Bestellung von Beauftragten fr Datenschutz, 4 f BDSG Strahlenschutz, 30, 31 StrahlenschutzVO Schwerbehinderte, 98 SGB IX bei Abfall, Immissionsschutz, Gentechnik Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 384 Arbeitsrecht im Betrieb

11 Berufsgenossenschaft, SGB VII Pflicht zur Verhtung arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren, 14 Unfallverhtungsvorschriften BG (UVV) Erlass gem. 15 Abs. 1 SGB VII Jeweils spezifisch fr alle Arbeitsbereiche Auch als Pflicht zu arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen, 15 Abs. 1 vorletzter S. berwachung und Beratung, 17 Aufsichtspersonen mit Anordnungsbefugnis, 18,19 Sicherheitsbeauftragter, 22 SGB VII: Bei mehr als 20 Beschftigten oder Hoher Unfallgefahr Bugeldvorschriften, 209 SGB VII Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 385

Arbeitsrecht im Betrieb 11 Gesundheitsschutz AN Arbeitsschutzgesetz: Gefhrdungsprvention Arbeitssicherheitsgesetz Betriebliches Eingliederungsmanagement, 84 Abs. 2 SGB IX: Nach 6 Wochen Arbeitsunfhigkeit Rechnung Benennung auerbetrieblicher Ansprechpartner fr Anonyme Hilfe bei psychischen Belastungen Hilfestellungen in allgemeinen Lebenslage, die zu Problemen und Belastungen fhren Allgemeine Manahmen zur Gesundheitsfrderung: Betriebliches Gesundheitsmanagement BGM Unternehmens- und Fhrungskultur Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 386 Arbeitsrecht im Betrieb

11 Aufsichtsorgane Arbeitssicherheit Staatliche Gewerbeaufsicht Kommunale Gewerbeaufsicht, 139b GewO Regierungsprsident (NRW), mit Staatlichem Amt fr Arbeitsschutz (Essen) Berufsgenossenschaft, SGB VII: Unfallverhtungsvorschriften, 17 ff Zusammenarbeit mit Gewerbeaufsichtsmtern Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 387 Arbeitsrecht im Betrieb 11

Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen Zweck: Frherkennung bzw. Vorbeugung arbeitsbedingter Erkrankungen und Berufskrankheiten Arbeitsschutzgesetz: 5 Abs. 2 + 3: Beurteilung der mit der Arbeit verbundenen Gefahren 7 : Feststellung der gesundheitlichen Eignung vor bertragung der Aufgaben Verpflichtung andere Gesetze: Bei Gefahrstoffverordnung: Belastung durch Gefahrstoffe Biostoffverordnung: Umgang mit biologischen Abfallstoffen Rntgen- + StrahlenschutzVO Belastung ionisierende Strahlen Gentechniksicherheitsverordnung Verordnung zur Arbeitsmedizinischen Vorsorge (ArbMedVV) Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 388 Arbeitsrecht im Betrieb 11 S Arbeitsmedizinische Vorsorgeuntersuchungen Berufsgenossenschaft: BGV / GUV V A1: Grundstze der Prvention: Untersuchungsarten vor Aufnahme der Ttigkeit und Nachuntersuchungen Pflicht- Angebots-, Wunsch- und Eignungsuntersuchungen In altersabhngigen Abstnden Grundsatz: Verantwortung des Betriebsarztes Empfehlungen der BG, die Mindeststandards formulieren G

G G G G G 20 21 25 37 41 42 Lrm Kltearbeiten Fahrer von Kraftfahrzeugen Bildschirmarbeitspltze Arbeiten mit Absturzgefahr Infektionskrankheiten rztliche Schweigepflicht des Betriebsarztes: Fr smtliche Befunde und Informationen Ergebnismitteilung an Arbeitgeber: Nur ob gesundheitliche Bedenken vorliegen (ggf. zeitlich befristet) Auflagen fr Ttigkeit Untersagt Arbeitnehmer: Nur Mitteilung, dass Untersuchung stattgefunden hat Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 389 Arbeitsrecht im Betrieb 11 S JugendarbeitsschutzG - JArbschG bis 14 Jahre: Verbot der Kinderbeschftigung, 5 Kinderarbeitsschutzverordnung KindArbSchV Jugendlicher, 2: 15 bis 17Jahre Arbeitszeit und Freizeit, 8 ff: Max. 8 / 40 Std. Beschftigungsverbote: Gefhrliche Arbeiten, 22 Akkord, 23 Unter Tage, 24 Gestaltung der Arbeit, 28 Gefhrdungsbeurteilung, 28 a Zchtigungsverbot, 31 rztliche Untersuchungen, 32 ff: Erstuntersuchung, 32 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 390 Arbeitsrecht im Betrieb 11 S Arbeitsschutzrecht: Zustndigkeit Bundesanstalt fr Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Forschung und Beratung Ausschuss fr Arbeitsmedizin auf Grundlage der ArbMedVV Staatliche Gewerbeaufsicht Staatliches Amt fr Arbeitsschutz Gewerbeaufsicht der Kommunalbehrden Berufsgenossenschaften: Unfallverhtungsvorschriften, 17 ff SGB VII Arbeitsmedizinische Vorsorge- Untersuchung der Mitarbeiter Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 391

Arbeitsrecht im Betrieb 11 S Arbeitsunfall: Zustndigkeit Unternehmen: Fachkrfte fr Arbeitssicherheit, 5 ASiG Sicherheitsbeauftragter, 22 SGB VII Berufsgenossenschaft, 8 SGB VII Beachtung Unfallverhtungsvorschriften Krankenbehandlung, Rente 20% Erwerbsminderung Regierungsprsidenten Ddorf mit Staatlichem Amt fr Arbeitsschutz in Essen+ MG Staatsanwaltschaft: Amtsermittlung wegen Krperverletzung oder Ttung Fahrlssigkeit wegen mangelnder Sorgfalt Verste gegen Gesetze, Verordnungen oder Unzureichende Organisation Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

392 Arbeitsrecht im Betrieb 11 S Fahrpersonalgesetz, FPersG Fr Fahrpersonal von Kraftfahrzeugen Fahrer: hchstpersnliche Fahrerkarte, einlegen in digitalem Tachografen im LKW der aufzeichnet Lenk- oder Arbeitszeit Pausen Ruhezeiten Aufsicht: Kontrolle Auf der Strae Im Betrieb Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 393

Arbeitsrecht im Betrieb 11 S Soziale Netzwerke Heimarbeitsplatz: Gesamte Arbeit ber das Netz Private Nutzung dienstlicher Computer und Laptop Anschlsse: Telefon + Internet Zugriff AG auf private Nutzungsdaten des AN? Betriebsvereinbarungen, z.B. e-mail und internet Dienstliche Nutzung privater Einrichtungen: bring your own device byod Schutz betrieblicher Interessen? Eintragungen in Social Media Kanlen: Verwertung bei Recruting Ehrenschutz (Beleidigung + Verleumdung): Kndigung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 394

Arbeitsrecht im Betrieb 11 S Bewaffneter Personenschtzer fr Prof. Claassen Vertragliche Arbeit: in 2-Wochen - Blcken Personen- und Objektschutz qualifiziert, Chauffeur Dienst und Schlafen im Objekt, Inanspruchnahme auch privat rund um die Uhr Permanente Aufmerksamkeit, auch bei Mahlzeiten Im Freizeitblock: Tagsber Organisation persnliche Kontakte per Handy/E- Mail Nachts: permanente Ansprechbarkeit bei Alarm Kndigung: Am 23.12.2012 nach 15,5 Std. Arbeit ohne Pause Um 22:30 Uhr in Kirchzarten, Schwarzwald: Kein Vorschuss auf bernachtungskosten Heimreise mit dem Zug, krank ab 25. + Meldung, Arztbesuch 27. 12.12 Kndigung 28.12.2012 fristlos, hilfsweise fristgerecht Welche Ansprche hat der Personenschtzer? Was befrchtet Prof. Claassen? Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 395 Arbeitsrecht im Betrieb 11 S Bewaffneter Personenschtzer fr Prof. Claassen Kndigungsschutzklage: Kndigung Auerordentlich: Kein an sich geeigneter Grund aber Sperrzeit bis Rechtskraft Ordentlich: Kein Kndigungsschutz, ggf. zur Unzeit o. Maregelungsverbot, 612 a Arbeitszeiten: Bezahlung unverjhrt bis 4 Jahre Dienstzeiten: voll Pausen: keine Nachts: Dienstbereitschaft z.B. 25 % Freizeitblock: Rufbereitschaft z.B. 12,5 % pro Monat bis zu 450 Std. Befrchtungen: Bugeld- und Strafvorschrift Presse

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 396 Arbeitsrecht im Betrieb 11 S Missachtung von Arbeitsschutzvorschriften B arbeitet seit 1991 bei der Abriss GmbH. 1995 setze sie B bei der Sanierung eines Kinderheims ein, das wegen Asbest stillgelegt worden war. April 1995 wies ein beteiligter Bauunternehmer darauf hin, dass asbesthaltiger Staub freigesetzt werde, der Abriss drfe nur von spezialisierten Unternehmen aus-gefhrt werden. B teilte dies dem Geschftsfhrer der GmbH mit. Der erwiderte, das asbesthaltige Material sei allgemein bekannt und bestand auf der Fortsetz-ung der Arbeiten. Im Mai 1995 stellte das staatliche Gewerbeaufsichtsamt die extrem hohe Exposition von Asbestfasern fest und verfgte die sofortige Einstellung der Bauarbeiten und Versiegelung des Gebudes. Als B im Jahre 2006 an Lungenkrebs erkrankt, vermutet er die

Sanierungsarbeiten 1995 als Auslser. Gegen wen stehen B Schadensersatzansprche zu? BAG 20.6.2013, 8 AZR 471/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 397 Arbeitsrecht im Betrieb 11 S Arbeitsschutzvorschriften missachtet Berufsgenossenschaft: Eintritt fr Arbeitsunfall, 8 SGB VII Berufskrankheiten, 9 SGB VII Krankheit infolge versicherter Ttigkeit, Abs. 1 Beweisproblem: Erleichterung, Abs. 3 Arbeitgeber Privileg, 104 I SGB VII: Haftung nur bei Vorsatz: Im Hinblick auf Verletzungshandlung + erfolg Absicht: nicht gewollt, aber ggf. billigend in Kauf genommen oder auf glcklichen Ausgang gehofft

BAG: Arbeitgeber hofft trotz Versto gegen Arbeitsschutzvorschriften darauf, dass ein Arbeitsunfall oder Berufskrankheit nicht eintritt Kein allgemeiner Erfahrungsssatz, Sondern konkrete Umstnde des Einzelfalls mageblich Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 398 Arbeitsrecht im Betrieb 11 S Fall: Mitwirkung an rztlicher Untersuchung A, geb.1974, arbeitet seit 2000 als Busfahrer bei der BGmbH (mehr als 10 Beschftigte). Seit 2001 war er wiederholt arbeitsunfhig krank, seit dem 8.11.2007 durchgehend. Eine 2009 wegen der Erkrankungen ausgesprochene Kndigung erklrt das Arbeitsge-richt im Februar 2010 fr sozial unwirksam. Ab Mrz 2010 fordert BGmbH 4 Mal auf, an einer arbeits-medizinischen Untersuchung zur Feststellung seiner Fahrdiensttauglichkeit teilzunehmen. A verweigert die Mitwirkung, eine fachrztliche Begutachtung am 11.12.2009 habe keine Zweifel an seiner verkehrsmedizinische Eignung ergeben. B

GmbH mahnt A drei Mal ab, beim 4. Mal kndigt sie. Ist diese Kndigung sozial wirksam? BAG 27.9.2012, 2 AZR 811/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 399 Arbeitsrecht im Betrieb 11 S Lsung: Mitwirkung Arztuntersuchung 1. Kndigung wegen langfristiger Erkrankung: Bis zu wesentlichen neuen Tatsachen steht die Rechtskraft des 1. Urteils entgegen. 2. Kndigung verhaltensbedingt, sofern Teilnahme als Nebenpflicht aus Arbeitsverhltnis, sofern a) Veranlassung gegeben: Hier wohl aus Erkrankung seit dem 08.11.2007 b) Beauftragter Arzt fachkompetent + unbefangen: Interesse des Arbeitnehmers an freier Arztwahl muss zurckstehen.

(Fall des BAG: Pflicht ergab sich aus Tarifvertrag.) Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 400 Arbeitsrecht im Betrieb 12 Arbeitsunfhigkeit & Betriebliche Gesundheitsfrderu ng Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 401 Arbeitsrecht im Betrieb

12 Arbeitnehmerschutz Krankheit Krankheitsbegriff: Entgeltschutz: Einheitlich AG Lohnfortzahlung 6 Wochen, 3 EntgFG: Je Krankheit Krankenkassen, SGB V: Krankengeld 78 Wochen Arbeitslosengeld bei Arbeitsunfhigkeit, 146 SGB III: Danach Rente wg. Erwerbsminderung, 43 SGB VI: Keine 6 Std. tglich erwerbsfhig Gesetzliche Unfallversicherung, SGB VII: Rente ab Minderung der Erwerbsfhigkeit um 20 % Kndigungsschutz: Kndigungsschutzgesetz: Betriebliches Eingliederungsmanagement, 84 II SGB IX Personenbedingte Grnde (3 Jahre beobachten, negative Prognose, erhebliche Beeintrchtigung betrieblicher Interessen, fehlende Weiterbeschftigungsmglichkeit) Schwerbehinderte Menschen, 85 SGB IX

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 402 Arbeitsrecht im Betrieb 12 Arbeitsunfhigkeits-Bescheinigung Mitteilung Erkrankung: Vor Arbeitsbeginn Vorlagepflicht Bescheinigung: Entgeltfortzahlungsgesetz: Einholung erst nach 3 Tagen vertraglich ab 1. Tag vereinbar Vorlage an Arbeitgeber unverzglich Hoher Beweiswert: AN darlegungs- und beweispflichtig: Mit Vorlage tatschliche Vermutung fr bescheinigte Arbeitsunfhigkeit Erschtterung durch AG: Beweis des Gegenteils erforderlich bei EU- Ausland Konkrete Umstnde, die zu ernsthaften Zweifeln Anlass geben: - Arbeitsunfhigkeit angekndigt, z.B. bei Urlaubsverweigerung - Schwarzarbeit o. ganzttig auf Eigenheimbaustelle gearbeitet

- gleichartige Ttigkeit bei anderem Arbeitgeber ausgefhrt - Nichterscheinen zum medizinischen Dienst Nicht: Am spten Abend in Bars - Diskotheken angetroffen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 403 Arbeitsrecht im Betrieb 12 Arbeitsunfhigkeits-Richtlinien des gemeinsamen Bundesausschusses, gem. 92 I Nr. 7 SGB V 2 Arbeitsunfhigkeit: Abs. 1 AN kann seine zuletzt ausgebte Ttigkeit nicht mehr ausfhren oder Ttigkeit wrde die Unfhigkeit unmittelbar hervorrufen Abs. 2 auch whrend stufenweiser Wiedereingliederung Abs. 4 Befragung des Arztes zur Ttigkeit, ihren Anforderungen + Belastungen 4 Verfahren:

Mageblich krperlicher, geistiger + seelischer Gesundheitszustand Wiederspruch zu Entlassungsbericht Rehabilitationseinrichtung 5 Abs. 3 Bescheinigung fr Entgeltfortzahlung: Grds. ab erster Inanspruchnahme des Arztes Rckwirkend bis 2 Tage nach gewissenhafter Prfung 7 Zusammenwirken mit Medizinischem Dienst Arbeitsunfhigkeitsrichtlinien Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 404 Arbeitsrecht im Betrieb 12 AG-Reaktionen bei Erkrankung: Frage an AN nach Art + Grund Erkrankung? 5 EFZG: rztliches Arbeitsunfhigkeitsattest neutral Kein weitergehendes Fragerecht o. Krankengesprch Kontrolle der Arbeitsunfhigkeit / Widerlegung

Krankenkasse: Medizinischer Dienst, 275 SGB V Stufenweise Wiedereingliederung, 74 SGB V Betriebliches Eingliederungsmanagement (BGM), 84 SGB IX: Nach Erkrankung Ggf. bereits vor Ablauf 6 Wochen Prvention: Betriebliches GesundheitsManagement (BGM) Kndigung aus personenbedingten Grnden: 1 KSchG/ 6 Wochen LFZ, 8 EntgFG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 405 Arbeitsrecht im Betrieb 12 Arbeitsunfhigkeit: Klassifikation Krperlich: Physisch Organische Erkrankung Orthopdische

Seelisch: Psychisch stark steigend Depressionen burn out Sucht, insbes. Alkohol (versuchter) Suizid Bipolare s Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 406 Arbeitsrecht im Betrieb 12 Kndigung bei Sucht-Erkrankung

Alkohol- und Drogensucht sind Krankheit: Sofern willkrlich nicht steuerbar: MA ist schwach Verpflichtungen Arbeitnehmer: Entbindung alle rzte von Schweigepflicht Krankheitseinsicht + Therapiewilligkeit Grds. Therapie, Grenze: ein (?) Rckfall Verpflichtungen Arbeitgeber: Vor Kndigung: Verhaltensbedingte Verste abmahnen Krankheit feststellen: Gesprche + Arbeitsmedizinische Untersuchung Untersttzung eine Therapie / Versuch Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 407 Arbeitsrecht im Betrieb 12

Arbeitgeberoptionen Krankheit Arbeitsvertrag: Anwesenheits- + Leistungsprmien Betrugsverdacht: Detektiv verdeckte berwachung Ohne hinreichenden Anfangsverdacht: Verwertungsverbot Rehabilitation durch Sozialversicherungstrger: Schwerbehinderte: Versorgungsmter, SGB IX Krankenkasse: Arbeitsplatzbezogen Dt. Rentenversicherung: Arbeitsfhigkeit 6 Stunden tglich Offensive Betreuung Mitarbeiter in allen Notlagen: Medizinisch, sozial und finanziell Ggf. anonym Insbes. Fhrungskrfte durch Psychologen/ Coach Gutes Arbeitsklima Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 408 Arbeitsrecht im Betrieb

12 Betriebliches Eingliederungsmanagement, 84 II SGB IX Arbeitnehmer, auch nicht schwerbehindert ist innerhalb eines Jahres lnger als 6 Wochen erkrankt: AG- Pflicht, bereits vorher sinnvoll Inhalt: AG- Gesprch mit AN, BR +Beteiligten Ziel: Ursachen der Erkrankungen beseitigen, insbes. durch leidensgerechte Ttigkeit Wichtiges Element zum Erhalt der Arbeits- und Leistungsfhigkeit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 409 Arbeitsrecht im Betrieb 12 BEM, 84 SGB IX: Relevanz Keine Folgen im Arbeitsverhltnis Fr eine Kndigung:

Keine formelle Wirksamkeitsvoraussetzung, Kein Nachteil fr AG, wenn ohnehin kein positives Ergebnis mglich berwachung durch Betriebs-/Personalrat, 80 I Nr. 1 BetrVG, 68 I Nr. 4, 5 PersVG Schwerbehindertenvertretung, 95 I Nr. 1 www.integrationsaemter.de Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 410 Arbeitsrecht im Betrieb 12 BGM: Ablauf in Stufen Zustimmung betroffener Mitarbeiter: Freiwilligkeit Erstgesprch mit BEM-Verantwortlichen und Schwerbehindertenvertretung: Ziel Feststellung der Grnde fr die Erkrankungen,

Insbesondere ob Arbeitsbedingungen Auslser waren. Wege zur Feststellung der Ursachen: Mitarbeiter entbindet behandelnde rzte von ihrer Schweigepflicht Freiwillige Untersuchung Betriebsarzt o. Arbeitsmediziner Manahmen zur Reduzierung der Krankheitszeiten: technische / organisatorische Umgestaltung Arbeitsplatz: Ausstattung, Ablauf, Arbeitszeit, Versetzung leidensgerecht Einbeziehung der Sozialleistungstrger: Krankenkassen, Rentenversicherung (ReHa- Berater), Integrationsamt/ Frsorgestelle Schwerbehinderte Strenger Datenschutz: Vertraulichkeit Auerhalb Personalakte Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 411 Arbeitsrecht im Betrieb 12 BEM, 84 SGB IX: Beweislast

Keine anderweitige Beschftigung: Arbeitgeber: Hinweis auf BEM gengt Arbeitnehmer: muss Alternativen vortragen Positives Ergebnis: Empfehlung Umsetzen, sofern Manahme durchfhrbar Umsetzung bedarf Einwilligung / Initiative des Arbeitnehmers: Arbeitgeber kann eine angemessene Frist setzen und danach kndigen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 412 Arbeitsrecht im Betrieb 12 Wirkungen auf Kndigungsschutz Konkretisierung Verhltnismigkeitsgrundsatz: Erkennen und entwickeln milderer Mittel zur Vermeidung einer krankheitsbedingten Kndigung

BEM erfolgt: Ergebnis fr Weiterbeschftigungsmglichkeit im Arbeitsgerichtsprozess grds. mageblich Kein BEM: Arbeitgeber muss im Arbeitsgerichtsprozess umfassend vortragen, dass Arbeitnehmer auf seinem Arbeitsplatz nicht eingesetzt werden kann, dessen leidensgerechte Anpassung oder Vernderung ausgeschlossen ist und der AN nicht auf einem anderen freien Arbeitsplatz bei genderter Ttigkeit eingesetzt werden kann. BAG 23.04.2008 - 2 AZR 1012/2006 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 413 Arbeitsrecht im Betrieb 12 BEM nicht durchgefhrt: Auswirkungen im Zustimmungsverfahren Hauptfrsorgestelle Kndigungsschutzprozess

Anderweitige Beschftigung: AN kann jede denkbare Ausweicharbeit rgen Kein oder unzureichendes BEM: AG hat darzulegen, warum denkbare oder aufgezeigte Alternativen zur Reduzierung der Fehlzeiten nicht in Betracht kommen Bercksichtigt BAG bei der Abwgung zur krankheitsbedingten Kndigung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 414 Arbeitsrecht im Betrieb 12 Betriebliches Gesundheitsmanagement BGM: Beteiligte Arbeitgeber (Direktionsrecht, Frsorgepflicht): Geschftsleitung, Personalabteilung Betriebsarzt, Fachkraft fr Arbeitssicherheit Betriebsrat, 81, 87 I Z. 7, 88 Z. 1 BetrVG

Schwerbehindertenvertretung, 94 ff SGB IX Bundesanstalt fr Arbeit, SGB III Krankenkassen, 20 ff, 74 SGB V Rentenversicherung, 16 SGB VI Berufsgenossenschaften, 35 SGB VII Frsorgestelle, 33, 34 SGB IX Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 415 Arbeitsrecht im Betrieb 12 Arbeitgeberpflichten

Behinderte 106 S. 3 GewO: AG hat bei der Ausbung des Direktionsrechts auf die Behinderung Rcksicht zu nehmen Stufenweise Wiedereingliederung, 28 SGB IX: Anspruch BAG 13.06.2006 9 AZR 229/05 Verbot der Benachteiligung von Beschftig-ten wegen einer Behinderung, 7 Abs. 1 i.V.m. 1 AGG 81 Abs. 4 SGB IX: AG Bercksichtigt Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 416 Arbeitsrecht im Betrieb 12 Nach Art der Krankheit: Orthopdische Leiden + Organerkrankung Suchterkrankungen

Aus 1. Rckfall nicht automatisch auf Sinnlosigkeit schlieen(Statistik: Bei Alkoholtherapie 50 %) Strukturiertes Verfahren mit dosierten Druck Psychische Beeintrchtigungen z.B. Verlust einer nahestehenden Person oder chronifizierte Persnlichkeitsstrung. Bei Burn-out + Mobbing ist AG hufig Teil des Problems: Manahmen im zwischenmenschlichen Miteinander errtern Hinzuziehung eines externen Mediators Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 417 Arbeitsrecht im Betrieb 12 Betriebliche Gesundheitsfrderung Ganzheitlich integrierter Ansatz Unternehmens- Individueller Auslser oder Initiative:

Hohe Krankenstnde Hohe Fluktuation, innere Kndigungen Investition in Humankapital Strukturelle + planerische Rahmenbedingungen: Zieldefinition und Zielstrukturierung Festlegung von Zustndigkeiten + Verantwortlichkeiten Auswahl von Organisationseinheiten Planung und Steuerung Vernetzung mit anderen Managementanstzen Aufbau von Kooperationsbeziehungen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 418

Arbeitsrecht im Betrieb 12 Integriertes Gesundheitsmanagement Ziele Personal- + Organisationsentwicklung: Arbeits- und Gesundheitsschutz, unter Einbindung und Kostenbeteiligung von Krankenkassen, 20 a c, 40 SGB V Unfallversicherung (BG), 33 SGB VII Schwebehinderung, 15, 44 I, 53,54 SGB IX Rentenversicherung, 28 SGB VI Gewerbeaufsicht, Vorsorge, Gesundheitsfrderung Mitarbeiter- u. Konfliktberatung, Suchtprvention Projektleitung: Koordination von Schwerbehindertenvertretung Sicherheitsfachkrften, Betriebsarzt Sozial-/ Suchtberatung Betriebliches Gesundheitsmanagement von uni-hannover.de Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

419 Arbeitsrecht im Betrieb 12 Mobbing: Begriff: Systematisches Anfeinden, Schikanieren und Diskriminierung von Arbeitnehmern untereinander, durch Vorgesetzte: Bossing gegen Vorgesetzte: Staffing Stalking (engl. jagen, hetzen): Beabsichtigtes wiederholtes Verfolgen + Belstigen, so dass dessen Sicherheit bedroht und er in seiner Lebensgestaltung schwer beeintrchtigt wird. Nebenpflicht des AG: Schutz 13 AGG Betriebsrat: 74 BetrVG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 420

Arbeitsrecht im Betrieb 12 STEAG: Langfristige individuelle Frderung der Eigenverantwortung (LIFE) Ganzheitliches Konzept: Begleitung der Mitarbeiter in allen Lebensbereichen und Hilfestellung zu Problemen Gesundheitliche: Ziel Sicherung der Arbeitsfhigkeit finanziellen und soziale Prvention Gruppenschulung Stressbewltigung Reduzierung arbeitsbedingter Belastungen Bewegungsapparat Fhrungskrfteschulung: Gesundheitsgerechte Mitarbeiterfhrung Leistungen des Unternehmens: Betriebssport Konfliktmanagement Hilfe in schwierigen Lebenssituationen Kooperationspartner: Knappschaft und weitere Beteiligte Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 421 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S BGM: Auerbetriebliche Kostentrger Bundesanstalt fr Arbeit, SGB III 19, 112 Behinderte 119 Ausbildung 130 Befristete Leistungen 45 Aktivierung und berufliche Eingliederung 51 Berufsvorbereitende Bildungsmanahmen Krankenkassen SGB V: 20 Primre Prvention 20 a Betriebliche Gesundheitsfrderung 20 b Prvention arbeitsbedingter Gesundheitsgefahren 74 Stufenweise Wiedereingliederung Rentenversicherung

16 Verweis auf SGB IX SGB VI Berufsgenossenschaften 35 Verweis auf SGB IX SGB VI Frsorgestelle, Leistungen SGB IX 33 zur Teilhabe am Arbeitsleben Abs. 6 medizinische und psychologische Hilfen 34 an Arbeitgeber Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 422 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Arbeiten im Schongang? WDR am 04.04.2013 Der Molkereizulieferer Satro in Lippstadt hat rzte aufge-fordert, erkrankte Mitarbeiter nur teilweise krankzuschrei-ben. Auf freiwilliger Basis sollten diese Mitarbeiter auf sogen. Schonarbeitspltzen arbeiten. Die Idee fr den Vorsto bei den rzten kam nach Auskunft der Firma so: Einige der 300 Mitarbeiter des Lippstdter Milchpulver-herstellers fragten die Personalleitung, ob sie trotz Krankschreibung arbeiten drften, sie wollten nicht

zu Hause rumsitzen. So sei man darauf gekommen, Schonarbeitspltze anzubieten. Tipps fr die rzte: "Wir knnen befristete Arbeitspltze, die nur geringe krperliche Belastungen mit sich bringen, zur Verfgung stellen. Wir wren Ihnen dankbar, wenn Sie in medizinisch dafr geeigneten Fllen einen vorbergehenden Einsatz verletzter bzw. erkrankter Mitarbeiter als Alternative zur Krankschreibung in Erwgung ziehen wrden. Eine kurze schriftliche Mitteilung gegen-ber unserem Mitarbeiter wre fr uns ausreichend." Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 423 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Arbeiten im Schongang? Hoheitsrecht der Mediziner: Viele rzte im Kreis Soest sind emprt. Sie wollen sich nicht in die Diagnose hineinreden lassen, so der Sprecher der rztekammer im Kreis Soest, Dr. Heinz Ebbinghaus: "Wir als rzte sehen das Ganze schon bedenklich. Fr uns stellt das auch einen Vertrauensbruch dar. Wir als rzte haben das Hoheits-recht, die Menschen krank zu schreiben. Wir sehen uns da schon etwas be-drngt. Wir Mediziner wissen schon zu unterscheiden, wer krankgeschrieben werden muss und wer nicht. Das lassen wir uns auch nicht nehmen."

Der Soester Arbeitsrechtler Dr. G. hlt den Vorsto fr problematisch. "Gegen eine freiwillige Teilnahme des Arbeitnehmers ist nichts einzuwenden. Das kann er sicherlich machen. Davon zu halten ist meines Erachtens aber nichts. Ich rate davon dringend ab, das zu machen. Der Arbeitnehmer hat gesetzlichen Schutz durch das Entgeltfortzahlungsgesetz und darauf sollte er auch bestehen. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststtten bezeichnet den Vorschlag der Firma als ungeheuerlich. Mit der Aktion wolle sie die Mitarbeiter nur zustzlich unter Druck setzen, um die Zahl der Krankheitstage zu senken. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 424 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Teilarbeitsunfhigkeit Es gibt Fallgestaltungen, in denen der Arbeitnehmer auf Grund seiner Erkrankung nur teilweise nicht in der Lage ist, seine geschuldete Arbeitsleistung zu erbringen. Zu unterscheiden sind folgende Flle: Der Arbeitnehmer ist nicht in der Lage, die geschuldete Leistung in vollem zeitlichem Umfang zu erbringen (quantitative Teilarbeitsunfhigkeit). Der Arbeitnehmer kann einige, aber nicht smt-liche zu seinem Arbeitsplatz gehrende Ttigkeit-en

erbringen (qualitative Teilarbeitsunfhigkeit). Hat Arbeitnehmer Anspruch auf Entgeltfortzahlung ? Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 425 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Teilarbeitsunfhigkeit EntFZ kennt keine teilbare o. teilweise Arbeitsunfhigkeit, weder in quantitativ, noch qualitativ. Quantitative Teilarbeitsunfhigkeit: Kann der AN die geschuldete Arbeitsleistung nicht voll erbringen, ist er arbeitsunfhig und hat Anspruch auf Entgeltfortzahlung, 3 EFZG. BAG 26.6.1981 - 6 AZR 940/78 + 29.1.1992 - 5 AZR 37/91 Qualitative Teilarbeitsunfhigkeit: AG kann durch Zuweisung einer Ttigkeit, die AN trotz seiner Erkrankung erbringen kann, die volle Arbeitsfhigkeit herstellen (wie mutterschutz-rechtskonformen andere Beschftigung). nderung Einsatzbereich muss arbeitsvertraglich zulssig sein: Vom Direktionsrecht gedeckt o. AN einverstanden Praktische Abwicklung bedingt Rcksprache des Arztes (Beurteilung der Arbeitsunfhigkeit) mit dem AG (Arbeits-platzgestaltung). Hierzu

sind rzte weder bereit, noch ohne Einverstndnis ihres Patienten berechtigt. Auch Initiative zu leichterer Beschftigung msste vom AN ausgehen. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 426 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Teilarbeitsunfhigkeit Praxis-Beispiel Arbeitnehmerin A arbeitet als Telefonistin im Empfang eines groen Unternehmens. In ihrem Arbeitsvertrag ist der Ttigkeitsbereich mit "Brottigkeiten" umschrieben. Auf Grund einer Erkltung ist sie in einem solchen Ma heiser, dass sie keine Telefonate mehr fhren kann. Fr den Zeitraum der Erkrankung setzt der Arbeitgeber sie im Schreibpool ein. Die Krankheit fhrt hier nicht zu einer Arbeitsunfhigkeit. A ist zur Arbeitsleistung verpflichtet. Bleibt sie gleichwohl zu Hause, hat sie keinen Anspruch auf Entgeltfortzahlung und verletzt ihre Leistungspflichten. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

427 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Fall: AG verweigert AN Aufnahme der Arbeit H, geb. 1957, ist seit 1984 bei Zeche Z unter Tage beschftigt, zuletzt als Hauer. Von April 2009 bis zum 30. 04.2011 war er krank. Seinen Antrag auf Rente wg. Erwerbsminderung, 43 SGB VI, wies die Deutsche Rentenversicherung mit Bescheid 18.01.2010 zurck. Am 23.04.2011 teilt H an Z mit, dass gem. gutachter-lichen Feststellungen eine Befundverbesserung einge-treten und von Arbeitsfhigkeit auszugehen sei. Am 24.04.2011 reicht H ein Arztattest nach, dass er vor-aussichtlich ab dem 1.5.2011 wieder arbeitsfhig sei. Z veranlasst eine arbeitsmedizinische Untersuchung, die am 28.03.2012 feststellt, dass H seine arbeitsver-traglich geschuldete Ttigkeit nur unter Verschlechter-ung seines Gesundheitszustandes ausben knne. H klagt seinen Lohn ab dem 01.05.2011 ein. LAG D`dorf 17.07.2003 11 (6) SA 145/03 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

428 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Lsung: AG verweigert Arbeitsaufnahme 1. Annahmeverzug Z, 293, 615 BGB: AG muss einen funktionstchtigen Arbeits-platz zur Verfgung stellen und ihm eine Bettigung zuweisen. a) Arbeitsangebot H: Grds. tatschliches, 295 oder gem. 296 BGB wrtliches ausreichend b) Nicht, wenn H auerstande war, 297. 2. Arbeitsunfhigkeit a) Begriff in 3 EFZG und 44 SGB V identisch. b) Darlegungs- und Beweislast trgt Z: - Misslingt ab dem 01.05.2011 - jedoch durch arbeitsmedizinische Untersuchung: arbeitsfhig ab 28.03.2012 Ergebnis: Z muss vom 01.05.2011 bis 27.03.2012 Entgeltfortzahlung leisten. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 429 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S

Fall: Eingliederungsmanagement Thyssen E, Jahrgang 1968, ist seit 1984 bei Fa. TK beschftigt. Nach Aus-bildung zum Energieanlagen-Elektroniker arbeitete er in Wechsel-schicht. E leitet unter einer schweren Hygiene- Sensibilitt mit Waschzwang und Berhrungsngsten in Dusche und Toilette, aber auch beim Anfassen von Werkstcken. Seit Februar 2011 ist E Proband in den Sozialbetrieben. Er hat verschiedene Probestellen durchlaufen, seit Mai ist er in der Sattlerei. Der Meister setzt ihn zum Nhen von Feuerbeschichtungstchern ein und lernt ihn an der Industrienhmaschine an. Der Meister mchte ihn dauerhaft beschftigen, weil bislang nur ein einziger Mitarbeiter die komplexe Nhmaschine bedienen kann. Seit Ende November 2011 ist E nicht mehr arbeitsunfhig. Am 29.02.2012 verlangt der Personalleiter mit Untersttzung von Betriebsrat und Schwerbehindertenvertreter aus dem Arbeits-verhltnis auszuscheiden, sich durch das Trainingscenter um eine andere Beschftigung zu bemhen und eine Rente wegen Erwerbsminderung zu beantragen. Sonst werde er gekndigt. Wie ist die Rechtslage? Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 430 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S

Lsung: BEM Thyssen AG TK hat in ihrem Sozialbetrieb das betriebliche Eingliederungsmanagement mustergltig und erfolgreich durchgefhrt: 1. E hat seine Hygiene- Sensibilitt an dem Material der Feuerbeschichtungstcher berwunden. 2. Mit diesem Erfolg bessert sich seine Erkrankung insge-samt. Weitere Therapieerfolge erscheinen jetzt mglich. 3. In der Sattlerei ist ein leidensgerechter freier Arbeitsplatz. Es besteht aber Bedarf fr einen neuen Arbeitsplatz, da nur ein einziger Mitarbeiter die Nhmaschine bedienen kann. Der probeweise Einsatz machte nur Sinn bei Aussicht auf eine Dauerbeschftigung. Der Meister bejaht den Bedarf. 4. Mglicherweise ist E schwerbehindert, anerkannt oder ggf. sogar offensichtlich. Eine Kndigung ist durch personenbedingte Grnde nicht gerechtfertigt. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 431 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Fall: Rehabilitation Rentenversicherung Der 1965 geborene Tischler D ist seit 1988 bei der G GmbH (50 Mitarbeiter) als Monteur beschftigt. Er hatte nur

geringste Krankheitszeiten, seit dem 1.06. 2011 ist er jedoch durchgehend arbeitsunfhig er-krankt. Seit dem 15.1.2013 ist D aus dem Krankengeld. Im Februar 2013 fordert G ihn auf, am betrieblichen Eingliederungsmanagement mitzuwirken. D erklrt sich hierzu gerne bereit, will aber zunchst eine laufende psychotherapeutische Behandlung abwarten. Mit Bescheid vom 14.03.2013 bewilligt die Deutsche Rentenversicherung eine berufliche Integrationsmanahme als Leistung zur Teilnahme am Arbeitsleben vom 01.07.2013 bis 30.06.2014. Wre eine Kndigung sozial gerechtfertigt? Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 432 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Fall: Kndigung bei Rehabilitation I. Kndigungsschutzgesetz II. Soziale Rechtfertigung: 1. Erkrankungen letzten 3 Jahre: Erkrankt seit 2 Jahren 2. Negative Prognose a) BEM: Anpassung Arbeitsbelastung nicht mglich

b) Bescheid 14.03.2013 Dt. Rentenversicherung Arbeitsunfhig bis 30.06.2014 - Vermeidung Rente wg. Erwerbsminderung: Keine 6 Stunden tglich erwerbsfhig, 43 SGB VI 3. Erhebliche Beeintrchtigung betrieblicher Belange: a) Organisatorische Beanspruchung b) finanzielle Belastung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 433 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Fall: Kndigung bei Alkoholsucht Der 1948 geborene T ist seit 1997 bei der Fach-klinik fr Suchterkrankungen e.V. als Ergothera-peut beschftigt. Klinik setzt ihn in der Arbeits- und Kreativtherapie ein, in der Patienten von Suchmitteln entwhnt werden. T ist selbst Alko-holiker. Klinik wusste dies, nahm bei der Einstel-lung aber an, dass T trocken sei. 2006 und 2007 kam es mehrfach zu Rckfllen und Abmahnungen. Erste Kndigung 8/2007, Rcknahme 02/2008. Nach einem weiteren Rckfall kndigt Klinik T am 28.05.2009 fristlos, hilfsweise fristgerecht zum

31.12.2009. T erhebt Kndigungsschutzklage, begrndet? BAG vom 20.12.2012 2 AZR 32/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 434 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Lsung: Kndigung bei Alkoholsucht 1. Fristlose Kndigung: Ist unwirksam Alkoholabhngigkeit ist Krankheit. Verstt T infolge seiner Abhngigkeit gegen arbeitsver-tragliche Pflichten, scheitert der Schuldvorwurf. 2. Ordentliche Kndigung: Sozial gerecht-fertigt durch personenbedingte Grnde. 1. T bietet aufgrund der Alkoholsucht keine Gewhr, dass er auf Dauer in der Lage sein wird, seine geschuldete Ttigkeit ordnungsgem zu erbringen. Mit weiteren Aufflligkeiten ist zu rechnen.

2. Interessenabwgung: Klinik muss gegenber Patienten und Leistungstrgern schdliche Einflsse auf Behandlungserfolg ausschlieen. Wird durch 12-jhrige Betriebszugehrigkeit und Alter ber 60 Jahre von T nicht aufgewogen. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 435 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Wartezeitkndigung wegen Aidserkrankung Die Beklagte stellt intravens verabreichte Arzneimittel zur Krebsbehandlung her. Sie stellt A als Chemisch- Technischen Assistenten fr eine Ttigkeit im Reinraum ein. Anlsslich seiner Einstellungsuntersuchung wenige Tage nach Beginn des Arbeitsverhltnisses wies A den Betriebsarzt auf seine Infektion hin. Der Arzt uerte Bedenken gegen den Einsatz des Klgers im Reinraum-bereich; nach Entbindung von der rztlichen Schweige-pflicht teilte er der Beklagten die HIVInfektion des Klgers mit. Noch am selben Tag kndigte die Beklagte das Arbeitsverhltnis ordentlich. Wegen seiner ansteck-enden Krankheit knne sie den Klger nach ihrem internen Regelwerk nicht einsetzen.

Mit der Kndigungsschutzklage macht A geltend, er sein behindert. Die Kndigung sein unwirksam, weil sie ihn wegen seiner Behinderung diskriminiere. Zurecht? BAG vom 19.12.2013 6 AZR 190/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 436 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Wartezeitkndigung wegen Aidserkrankung: 1.Kndigungsschutzgesetz: Wartezeit 6 Monate, 1 Abs. 1 KSchG 2.Schwerbehinderung: a) Bei symptomloser HIV Infektion fraglich b) Kndigungsschutz erst nach 6 Monaten, SGB IX 90 I 1

3.Diskriminierung iSd. 3 I AGG: a) Behinderung: Beeintrchtigung an der Teilhabe an der Gesellschaft aus krperlichen Grnden. b) Kndigung wegen Behinderung. c) Rechtfertigung, sofern der Einsatz des Klgers im Reinraum nicht durch angemessene Vorkehrungen ermglicht werden kann. 4.Ergebnis: Zurckverweisung zur Aufklrung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 437 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Fall: Fristlose Kndigung wg. Stalking S, geb. 1957, ist verheiratet und zu 80 % schwerbehindert. Er ist seit 1989 Verwaltungsangestellter beim Land Hessen, seit 2005 beim Immobilienmanagement. 2007 beschwerte sich die als Leiharbeitnehmerin beschf-tigte Mitarbeiterin M1, sie fhle sich von S belstigt. Nach Einschaltung der Beschwerdestelle AGG teilte der Direktor S mit, eine unmittelbare Kontaktaufnahme habe mit M 1 habe zur Vermeidung arbeitsrechtlicher Konsequenzen auf jeden Fall zu unterbleiben.

Mit Schreiben vom 8.10.2009 wandte sich die Leiharbeit-nehmerin M2 an den Direktor, weil sie sich durch S in uner-trglicher Weise belstigt und bedrngt fhle. Seit Juni hatte S ihr mehr als 120 EMails, SMS + MMS geschickt, auch noch nachdem sie Anfang September privaten Kontakt gegenber S ausdrcklich abgelehnt hatte. Der Direktor will S fristlos kndigen. Zurecht? BAG vom 19.04.2012 2 AZR 258/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 438 Arbeitsrecht im Betrieb 12 S Lsung: Fristlose Kndigung wg. Stalking Stalking : An sich wichtiger Grund Abwgung der Umstnde des Einzelfalls: Ausma und Intensitt der Pflichtverletzung Folgen fr den Mitarbeiter Abmahnung nicht erforderlich, wenn Verhaltensnderung nach Abmahnung nicht zu erwarten Schwere Pflichtverletzung: Hinnahme offensichtlich und fr AN erkennbar ausgeschlossen

Notwendige Bestandteile Abmahnung: Rge eines genau bezeichneten Fehlverhaltens Hinweis auf Bestands- oder Inhaltsgefhrdung der Arbeitsverhltnisses im Wiederholungsfall, ausreichend: Androhung arbeitsrechtlicher Konsequenzen BAG vom 19.04.2012 2 AZR 258/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 439 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Allgemeiner & besonderer Kndigungsschutz Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

440 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Vertragsverletzung AN: Reaktionen Keine Entgeltminderung, ggf. Schadensersatz Ermahnung: Bei triftigem Grund, z.B. Schlechtleistung Abmahnung: Konkrete Rge & Kndigungsdrohung Bei jedem objektiven Vertragsversto Erbringt im Kndigungsschutzprozess keinen Beweis, gleichwohl Klage auf Entfernung aus Personalakte Einseitiges Rechtsgeschft Arbeitgeber Alternative: Korrekturvereinbarung Kndigung: Ordentlich: Verhaltensbedingt nach Abmahnung oder verzichtbar / Vertrauen zerstrt Auerordentlich: Kndigungsfrist unzumutbar lang Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

441 Arbeitsrecht im Betrieb 13 G Allgemeiner Kndigungsschutz Auerordentliche Kndigung, 626 BGB: Kndigungsgrund, Abs. 1: Zweistufige Prfung An sich geeignet zur Rechtfertigung auerordentliche Kndigung Abwgung der Umstnde des Einzelfalls 2 Wochen-Frist ab Kenntnis, Abs. 2 Kndigungsschutzgesetz: Kndigungsschutzgesetz anwendbar: Mehr als 10 Mitarbeiter im Betrieb AN lnger als 6 Monate beschftigt Kndigung sozial gerechtfertigt durch Verhaltensbedingte Grnde, grds. erst nach Abmahnung Dringende betriebliche Grnde & Sozialauswahl Personenbedingte Grnde, insbes. Krankheit Klagefrist, 4, 7 KSchG: 3 Wochen, gilt fr alle Grnde, auch besonderem Kndigungsschutz Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 442 Arbeitsrecht im Betrieb 13 G Besonderer Kndigungsschutz nach Personengruppen: Verbot ordentliche Kndigung: Auszubildende nach Probezeit, 22 II BBiG Betriebsrte, 15 I KSchG Erfordernis Zustimmung zur Kndigung: Auerordentliche Kndigung Betriebsrte, 103 BetrVG: Zustimmung Betriebsrat o.Ersetzung durch Arbeitsgericht Schwerbehinderte + Gleichgestellte Landschaftsverb. Ordentliche Kndigung, 85 SGB IX Auerordentliche Kndigung, 91 SGB IX Schwangere bis 4 Monate nach Geburt 9 MuSchG Elternzeit : 8 Wochen vor + whrend 18 BBEG Pflege naher Angehriger

5 PflegezeitG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 443 Arbeitsrecht im Betrieb 13 G Sonder- Kndigungsschutz: bersicht Verbot Gesetz Auszubildende: Ordentliche Kndigung , 22 BBiG Betriebsbergang, 613 a IV BGB Betriebsrte, ordentliche Kndigung: 15 KSchG - a.o. K.: Zustimmung Betriebsrat - Arbeitsgericht 103 BetrVG Zustimmung, z.B. durch Landschaftsverband: Betriebsrte, auerordentliche Kndigung: AG/ ArbG 103 Schwangere: whrend 9 MuschG und Nachwirkung 4 Monate Elternzeit , bis 3 Jahre 18 I 1 BEEG

Pflege naher Angehriger 5 PflegezeitG Schwerbehinderte und Gleichgestellte 85 SGB IX Anhrung des Betriebsrats: vor jeder Kndigung Anzeige der Massenentlassung 17 102 BetrVG BetrVG KSchG von mindesten 5 in Betrieben mit mehr als 20 Mitarbeitern Anzeige an Landesarbeitsamt Abs. 1 Konsultation des Betriebsrates: Abs. 2 Fallweise Kndigungsverbote: - Treu und Glauben 242 BGB - Maregelungsverbot 612 a BGB - Diskriminierung AGG

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 444 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Darlegungs- + Beweislast: Abgestuft Arbeitgeber: Fr alle die Kndigung begrnden-den Tatsachen, z.B. Vertragsversto +Abmahnung Arbeitnehmer behauptet konkrete Rechtfertigungs- + Entschuldigungsgrnde Arbeitgeber muss widerlegen: Vortrags- und Beweislast abgestuft: Wechselt zwischen AG + AN Bei Streit ber erheblichen Umstand: Beweiserhebung: Urkunde, Zeuge, Sachverstndiger ggf. Verwertungsverbot: Datenschutz, allg. Persnlichkeitsrecht, z.B. geheime Video-berwachung BAG 21.06.2012, AZR 153/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 445 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Abgestufte Vortrags-& Beweislast Am Beispiel Betriebsbedingte Kndigung 1 II 2: Arbeitgeber: Dringende betriebliche Grnde & Sozialauswahl Freie Arbeitspltzen, wenn Leiharbeitnehmer im Personalstamm: BAG 15.12.2011 - 2 AZR 42/10 Nicht nur vorrbergehend eingesetzt / Personalreserve Einsatz auf stndigem Arbeitsplatz mit stndig vorhandenem, nicht schwankenden Sockelarbeitsvolumen Arbeitnehmer: Keine anderweitige Beschftigungsmglichkeit die AG und AN objektiv mglich ist Muss konkret darlegen, wie er sich diese vorstellt. Erst dann muss AG eingehend erlutern, aus welchen Grnden eine Umsetzung nicht mglich war. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

446 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Wegfall Hierarchieebene Vortragslast AG Unternehmerische Entscheidung: berprfung ArbG Nicht auf sachliche Rechtfertigung o. Zweckmigkeit Nur ob offensichtl. unsachlich, unvernnftig o. willkrlich Organisationsentscheidung & Kndigungsentschluss deckungsgleich: AG muss Entscheidung verdeutlichen organisatorischer Durchfhrung zeitlicher Nachhaltigkeit Abbau Hierarchieebene o. Streichung ein Arbeitsplatz Darstellung der Auswirkungen der unternehmerischen Vorgaben + Planungen auf das erwartete Arbeitsvolumen Anhand einer schlssigen Prognose Angabe, wie die anfallenden Arbeiten vom verbliebenen Personal im Rahmen ihrer vertragsmigen Leistungen erledigt werden knnen. BAG 24.05.2012 - 2 AZR 124/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

447 Arbeitsrecht im Betrieb 13 AN ordentlich unkndbar Arbeitsvertragliche o. tarifliche Unkndbarkeit: Betriebsbedingt oder Anzahl Beschftigungsjahre Nur auerordentliche Kndigung: Wichtiger Grund: Allgemein: Abwarten Frist ordentliche Kndigung nicht zumutbar: Kndigungsgrund + Lnge der - frist Ausschlussvorschrift auslegen: Erleichterung oder Verschrfung Betriebsbedingt: Hohe Anforderungen, innerbetrieb-liche Umstrukturierung nicht ausgeschlossen, auch nicht bei Wegfall der Beschftigungsmglichkeit BAG 22.11.2012, 2 AZR 673/11 Sozialer Auslauffrist wie ordentliche Kndigung BAG 20.06.2013 2 AZR 379/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

448 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Abbau von Arbeitspltzen KSchG: Dringender betrieblicher Grund Wegfall des Arbeitsplatzes Problem: Richtige Sozialauswahl unter allen vergleichbaren Arbeitnehmern des Betriebes, 1 III 1 Einschrnkungen der Sozialauswahl, 1 III 2 Leistungstrger: Weiterbeschftigung liegt wegen besonderer Kenntnisse, Fhigkeiten & Leistungen im berechtigten betrieblichen Interesse Erhaltung ausgewogene Personal-, insbesondere Altersstruktur des Betriebes Kollektivrechtliche Regelungen , 1 Abs. 4: Tarifvertrag o. Betriebsvereinbarung gem. 95 BetrVG mit Punktesystem Abs. 5: Interessenausgleich mit Namensliste Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 449

Arbeitsrecht im Betrieb 13 Sicherung ausgewogene Personalstruktur, 1 III 2 KSchG Sozialauswahl (Kriterien: Betriebszugehrigkeit, Lebens- alter, Unterhaltspflichten) kann die Personalstruktur des Betriebes verschlechtern, es droht beralterung AG kann bei Darlegung konkreter Nachteile in jeder Altersgruppe proportional kndigen, z.B. AN bis zum 30. Lebensjahr jeweils bis zum 40., 50. und 60. Lebensjahr ab dem 61. Lebensjahr Nur Erhaltung, nicht Verbesserung der Altersstruktur Punktesystem mit Bercksichtigung Lebensalter Europarechts- und AGG konform Beurteilungs- + Gestaltungsermessen des Arbeitgebers Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 450

Arbeitsrecht im Betrieb 13 Betriebsnderungen, 111: Betrieb mit i.d.R. mehr als 20 Arbeitnehmern Betriebsnderungen: Betriebsstillegung, -einschrnkung, -verlegung Wesentlicher Personalabbau, 17 KSchG o. 5% Grundlegende nderung Betriebsorganisation Grundlegend neue Arbeitsmethoden Wesentliche Nachteile fr die Belegschaft Beteiligungsrecht: AG muss BR unterrichten + mit BR beraten Folge: Kndigungen betriebsbedingt, Sozialauswahl schwierig Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 451 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Mitbestimmung ber die unternehmerische Entscheidung der Betriebsnderung Interessenausgleich, 112 Abs. 1:

Gegenstand: Ob, wann und wie eine Betriebsnderung durchgefhrt wird Sozialplan, 112 Abs. 1 S. 2: Vereinbarung Betriebsrat Arbeitgeber = Sonderform der Betriebsvereinbarung Einigung ber die Milderung der wirtschaftlichen Nachteile fr Arbeitnehmer Interessenausgleich mit Namensliste, 1 V KSchG: Vermutung der dringenden betrieblichen Erfordernisse Sozialauswahl: berprfung nur auf grobe Fehler Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 452 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Modifikation Sozialauswahl, 1 V Interessenausgleich mit Namensliste 112 Abs. 1 BetrVG: Grds. einheitliche Urkunde

Gesetzliche Vermutung: Dass die Kndigung des namentlich bezeichne-ten Arbeitnehmers durch dringenden betrieb-liche Erfordernisse bedingt ist: Beweislast an Arbeitnehmer Es keine andere Beschftigungsmglichkeit gibt berprfung Sozialauswahl nur auf grobe Fehler: Arbeitnehmer kann Angabe der Grnde verlangen, die zur Sozialauswahl gefhrt haben Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 453 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Abbau von Arbeitspltzen Betriebsnderungen, 111 BetrVG: Wesentliche Auswirkungen auf erhebliche Teile der Belegschaft, insbesondere Abbau von Arbeitspltzen: Unterrichtung des und Beratung mit Betriebsrat Interessenausgleich = Vereinbarung (schriftlich) Sozialplan: Ausgleich oder Milderung der

wirtschaftlichen Nachteile, 112 BetrVG 3- seitiger Vertrag zwischen Arbeitgeber: Erspart sich Kndigungsschutzklagen Mitarbeiter: Einverstndliche Beendigung Arbeitsvertrag Beschftigungs- & Qualifizierungsgesellschaft: Einstellung fr 1 Jahr , insbes. Transferkurzarbeitergeld, 111 SGB III Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 454 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Auslegung Kndigungserklrung l Auerordentliche Kndigung: Zumindest fristgerechte Beendigung gewollt Falsche Kndigungsfrist: Kndigung mit anderer Frist ist grundstzlich ein anderes Rechtsgeschft Auslegung mglich, wenn Kndigung zustzlich als fristgerechte bezeichnet

Kndigungsschutzklage: Erforderlich, wenn keine Auslegung in Kndigung mit der richtigen Frist mglich Sonst Fiktion der Wirksamkeit, 4, 7 KSchG BAG 15.05.2013 5 AZR 130/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 455 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Anfechtung: Eigenkndigung + Aufhebungsvertrag 1. 119 Abs. 1 BGB: a)Erklrungsirrtum: Abgabe einer Erklrung b)Inhaltsirrtum, z.B. bloe Entschuldigung gemeint 2. 123 BGB: Drohung des AG mit fristloser Kndigung ist nur dann ein empfindliches bel, wenn ein verstndiger Arbeitgeber a.o. Kndigung nicht ernsthaft in Erwgung ziehen durfte. 3. Unbeachtlich: a) Irrtmer ber Rechtsfolgen, z.B. steuer- und sozialversicherungsrechtliche, z.B. Sperrzeit b) Unkenntnis Sonderkndigungsschutz

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 456 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Wettbewerbsverbot im gekndigten aber noch nicht beendeten - Arbeitsverhltnis Whrend des Arbeitsvertrages ist es dem Arbeitnehmer verboten, bei der Konkurrenz zu arbeiten: Innervertragliches Konkurrenzverbot Kndigungsschutzklage: Gilt auch whrend der Dauer des Kndigungsschutzprozesses, wenn sich die Kndigung als unwirksam herausstellt. Zulssig: Vorbereitung der Selbstndigkeit Verbot: Aufnahme einer werbenden Ttigkeit Eine auerordentliche Kndigung whrend des Prozesses ist zweistufig zu prfen. BAG 28.01.2010 - 2 AZR 1008/08 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 457 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Betriebsbedingte Kndigung whrend Kurzarbeit Wegfall des Arbeitsplatzes: Auerbetriebliche Grnde: Absatzschwierigkeiten, Umsatzrckgang mit dauerhafter Reduzierung des Arbeitskrftebedarfs Innerbetrieblicher Grund: Unternehmerentscheidung Organisationsentscheidung arbeitsplatznah Dringlichkeit: Keine technische oder organisatorischen Alternative zur Kndigung Keine Weiterbeschftigungsmglichkeit auf freiem Arbeitsplatz Kurzarbeit: Parteien gehen von einem nur vorbergehenden Arbeitsmangel aus, 96 Abs. 1 Z. 2 SGB III BAG 23.02.2012 - 2 AZR 548/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 458 Arbeitsrecht im Betrieb 13 Wiedereinstellungsanspruch: Wegfall eines Kndigungsgrundes: Nachtrglich entfallen Umstnde, die die negative Prognose begrndet haben Aus des Sphre des Arbeitgebers z.B. unvorhergesehene Beschftigungsmglichkeit Betriebsbergang nach betriebsbeding-ter Kndigung Aufhebungsvertrag: Anpassung nach Regeln ber den Wegfall der Geschftsgrundlage, 313 BGB Verdachtskndigung: Entkrftung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 459 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Fall: berflssige

nderungskndigung Die E GmbH betreibt die Produktion von Elektronikgerten. Zur besseren Auslastung ihrer Produktionsstrae will sie von ein- auf zwei- Schichten umstellen. Der 47-jhrige A ist seit 8 Jahren als Facharbeiter beschftigt. Seine Arbeitszeit ging von 8:00 bis 16:30 Uhr. E kndigt A ordentlich und betriebsbedingt und bietet den Abschuss eines neuen Arbeitsvertrages mit 1. Frhschicht von 6 -14 Uhr oder Sptschicht von 14 - 22 Uhr 2. Wechselschicht an. Probleme: Vorrangig Direktionsrecht des Arbeitgebers, 106 GewO Eine betriebsbedingte nderungskndigung ist nur www.ingendahl-rust.de Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 460 sozial gerechtfertigt, wenn die nderung nicht weiter 2014 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Kndigungsschutz mehrfache Mutter: M ist seit dem 15.03.2003 als Kundenberaterin bei Fa. I beschftigt, zuletzt whrend der Elternzeit als Teilzeitkraft mit 30 Wochenstunden fr 1.480 brutto. Am 01.10.2009 wird das Insolvenzverfahren ber Fa. I

erffnet. Mit Bescheid vom 11.05.2010 stimmt das Integrationsamt der Kndigung von M gem. 18 BEEG zu. Der Insolvenzverwalter kndigt mit Schreiben vom 20.05., Zugang am 22.05.2010. Gem. Attest vom 26.05.2010 ist M in der 6. Woche schwanger. Dies teilt M mit Schreiben vom 27.05.2010 I mit. Hat die am 10.06.2010 beim Arbeitsgericht Berlin eingegangene Kndigungsschutzklage von M Erfolg? LAG Berlin-Brandenburg 06.04.2011 - 15 Sa 2454/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 461 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Fall: Kndigung bei Sozialplan Metall Industrie MI GmbH beschftigt den 1964 geborenen ungelernten W (verheiratet, 3 Kinder) seit 1990. Wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten beschliet MI Personal abzubauen. Am 01.04.2010 vereinbart sie mit dem Betriebsrat einen Interessenausgleich mit Namensliste. Auf der Liste stehen die Namen von 196 Arbeitnehmern, auch der des Klgers. Daneben vereinbaren die Betriebspartei-en einen Sozialplan mit Abfindungsregelung und Regelungen zu einem Wechsel in eine Transfer- und

Qualifizierungsgesellschaft. Am 26.04.2010 kndigt MI den W ordentlich. Hat die Kndigungsschutzklage Erfolg? BAG 27.09.2012 - 2 AZR 516/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 462 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Lsung: Kndigung bei Sozialplan Vermutungen des 1 Abs. 5 S. 1 KSchG: Kndigung wurde aufgrund einer Betriebsnderung i.S. des 111 BetrVG ausgesprochen. Der sozialen Rechtfertigung durch dringende betrieblichen Grnde. Auskunftspflicht des AG, 1 Abs. 1 S. 1 2. HS KSchG: Abgestufte Darlegungslast fr die grobe Fehlerhaftig-keit der Sozialauswahl zunchst beim Arbeitnehmer. Arbeitnehmer kann widerlegen: Wegfall des Arbeitsplatzes: Beweis des Gegenteils Sozialauswahl: Nur grobe Fehler Ansprche aus Sozialplan: Abfindung

Beschftigung in Transfer- + Qualifizierungsgesellschaft Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 463 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Insolvenz Schlecker Sozialplan, 112 Abs. 1 BetrVG Insolvenz: max. 1/3 der Masse, 123 II 2 InsO Finanzierung durch Bund/Lnder: Politisch gescheitert Transfergesellschaft, 110 SGB III Arbeitsmarktpolitisches Instrument Finanzielle Basis: Transferkurzarbeitergeld der Bundesanstalt, 112 SGB III: max. 12 Monate, ca. 60 %, Aufstockung Unternehmen / Insolvenzverwalter Zusatzleistungen Bund mit Lnderbrgschaften Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester

2014 www.ingendahl-rust.de 464 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Insolvenz Schlecker Dreiseitiger Vertrag zwischen von Kndigung bedrohten Mitarbeitern: Beendigung des Arbeitsvertrages mit Schlecker dem Insolvenzverwalter der Fa. Schlecker i.I.: Arbeitgeber fr Auflsung Arbeitsvertrag einer Transfergesellschaft: Neues Arbeitsverhltnis befristet fr 6 Monate Vergtung 80 % des Nettoentgeltes Kurzarbeit mit Reduzierung Arbeitszeit auf 0 Stunden Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

465 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Fall: Kndigung Ersatzmitglied BR Jurist J wird am 01.09.2010 aus personen-bedingten Grnden ordentlich gekndigt. 1. J wurde 2004 als Programmierer eingestellt und danach ausschlielich 5 Jahre mit rechtlichen Fragestellungen beschftigt. Seit September 2009 versagt er bei allen Aufgaben als Programmierer. 2. J hatte bei der Wahl des 5 kpfigen Betriebsrates die 6.- meisten Stimmen erhalten. Die Amtszeit des Betriebsrates verlief ohne besondere Vorkommnisse und endete am 31.05.2010. Hat die Kndigungsschutzklage Erfolg? BAG 19.04.2012 2 AZR 233/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 466 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S

Lsung: Kndigung Ersatzmitglied Betriebsrats nderung der vertraglichen Arbeitspflicht: Auch nicht nach 5- jhriger anderweitiger Beschftigung Organisationsprogrammierer mit Mangel an Programmierkenntnissen: Anfechtung des Arbeitsverhltnisses: Irrtum ber verkehrswesentliche Eigenschaft, 119 Abs. 2 BGB Soziale Rechtfertigung der Kndigung: Aus in der Person liegenden personenbedingten Grnden Kndigungsschutz als Betriebsrat: Nachwirkender , 15 KSchG: 1 Jahr keine ordentliche Kndigung Als Ersatzmitglied: Nur wenn er in der Vertretungszeit Betriebsratsaufgaben tatschlich wahrgenommen hat BAG 19.04.2012 2 AZR 233/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 467 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Fall: Kndigung in der Wartezeit Frau K ist seit dem 1.7.2010 bei Fa. B beschftigt. Mit

Schreiben vom 14.12.2010 hrt B den Betriebs-rat zu der beabsichtigten Kndigung von B an. Neben den Sozialdaten der Klgerin und ihrem Eintrittsdatum teilt B dem Betriebsrat mit: Es wurde eine 6- monatige Probezeit vereinbart. Eine Fortsetzung des Arbeitsverhltnisses liegt nicht in unserem Interesse. Der Betriebsrat widerspricht der Kndigung, weil ihm kein Kndigungsgrund genannt worden sei. B kndigt Frau K mit Schreiben vom 28.12.2010 zum 15.01.2011. Frau K erhebt Kndigungsschutzklage und rgt, der Betriebsrat sei nicht ordnungsgem angehrt worden. BAG 12.9.2013 6 AZR 121/12 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 468 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Fall: Abteilungsbergang Klger ist seit 1989 bei der Fa. ET Mess- und Regeltechnik GmbH beschftigt, zuletzt als Leiter einer Abteilung mit 13 Mitarbeitern. Am 22.11. 2005 erwirbt die F-GmbH durch ein Asset und Business Sale und Purchase Agreement von der ET GmbH u.a. alle Rechte an der Software, den Patenten Know How und Namen

einer bestimmen Produktlinie. Zur F- GmbH wechseln der stellvertretende Abteilungs-leiter und 3 Ingenieure. Im Dezember teilt F-GmbH ihren Kunden mit, sie habe die ET bernommen. Klger beansprucht seine Anstellung bei der F- GmbH wegen bergang des Betriebsteiles. Hat seine Klage Erfolg? BAG vom 13.10.2011 8 AZR 455/10 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 469 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Lsung: Abteilungsbergang Ein bergang eines Betriebsteils liegt nur dann vor, wenn die bernommenen Betriebsmittel und / oder Beschftigten bereits beim Veruerer eine abgrenz-bare organisatorische wirtschaftliche Einheit, d.h. einen Betriebsteil darstellten. Diese organisatorische Bedingung erfllte die bertragene Abteilung nicht. Ergebnis: Das Arbeitsverhltnis des Klgers ist nicht auf die F- GmbH bergegangen.

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 470 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Fall: Kndigung durch Betriebserwerber Klger (GdB 50 %) war seit 1989 bei W GmbH beschftigt. Am 1.6.2010 wird ber das Vermgen der W GmbH das Insolvenzverfahren erffnet und RA K zum Insolvenzver-walter ernannt. Ab dem 1.7.2010 bernahm die Beklagte den Betrieb der W GmbH. Auf seinen Antrag vom 29.6.2010 erteilt der Landschaftsver-band RA K am 29.7.2010 die Zustimmung zur ordentlichen Kndigung des Klgers gem. 89 Abs. 3 SGB IX. Mit Schrei-ben vom 5.8.2010 hrt die Beklagte Betriebsrat und Schwerbehindertenvertretung zu der beabsichtigten Kndigung an, die am 13.8.2010 mitteilen, keine Bedenken zu haben. Mit Schreiben vom 17.8.2010 kndigt die Beklagte das Arbeitsverhltnis schriftlich zum 31.3.2010 aus dringenden betrieblichen Grnden. Hat der Klger mit seine Kndigungsschutzklage Erfolg? BAG 15.11.2011 8 AZR 827/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 471 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Lsung: Kndigung durch Betriebserwerber Der Beklage hatte fr seine Kndigung keine Zustimmung gem. 85 SGB IX. Gem. 613 a BGB tritt der Erwerber in das Arbeitsverhltnis ein, wie er es zu Zeitpunkt des Betriebsberganges vorfindet. 89 Abs. 3 SGB IX gilt nur fr den Insolvenzverwalter (Partei kraft Amtes), nicht fr einen anderen Arbeitgeber. Ergebnis: Die Kndigungsschutzklage hat Erfolg. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 472 Arbeitsrecht im Betrieb 13 S Outplacement -Beratung Unternehmen an "fairen" Trennungsprozessen interessiert sei. Gelingt dies, so wirkt es sich positiv auf die

Motivation verbleibender Mitarbeiter und auf das Erscheinungsbild des Unternehmens in der ffentlichkeit aus. Das erhht die Attraktivitt im Wettbewerb um Arbeitskrfte. Zugleich kann der Einsatz des Beraters langfristige und teure Rechtsstreitigkeiten vermeiden. Wenn der entlassene Arbeitnehmer mit Hilfe des Beraters schneller eine neue Anstellung findet, verringert sich auerdem die Restlaufzeit von Vertrgen, was die Kosten senkt. Der entlassene Mitarbeiter erhlt Untersttzung auf der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz, was die Stellensuche verkrzen kann. Die Hilfe reicht von der Zusammenstellung der Bewerbungsunterlagen bis zum Proben von Vorstellungsgesprchen. Der Mitarbeiter verbessert damit seine Erfolgschancen bei Bewerbungen. Auerdem knnen dadurch emotionale und rechtliche Auseinandersetzungen mit dem alten Arbeitgeber vermieden werden. Outplacementberatung ist heutzutage nicht nur auf Manager beschrnkt, sondern kommt auch anderen qualifizierten Mitarbeitern zugute. In manchen Sozialplnen wird diese Dienstleistung fr alle betroffenen Mitarbeiter vereinbart. Daneben bieten Berater ihre Dienste auch als Karriereberatung fr Selbstzahler an. Phasen Vorgehensweise Eine anfngliche Analyse konzentriert sich auf die berufliche und private Situation des Arbeitnehmers und umfasst eine realistische Einschtzung seiner Karriereperspektiven. Die berufliche und persnliche Qualifikation und das besondere Potenzial des Gekndigten stehen im Mittelpunkt der zweiten Phase. Outplacementberater erstellen ein Qualifikationsprofil, ermitteln den Weiterbildungsbedarf und empfehlen von Bildungstrgern unabhngige, individuelle Qualifizierungsmanahmen. In dieser Phase entwickeln Outplacementberater zusammen mit dem Arbeitssuchenden eine individuelle Bewerbungsstrategie, in deren Rahmen die berufliche Zielsetzung und das Vorgehen bei den Bewerbungen festgelegt werden. Die Bewerbungsphase schliet die Entwicklung der Bewerbungsunterlagen, die Durchfhrung von Bewerbungen, die Vorbereitung von Bewerbungsgesprchen und die Beurteilung von Stellenangeboten ein. Dabei untersttzen Outplacementberater den Arbeitssuchenden, einen ansprechenden individuellen Lebenslauf (Curriculum Vitae) zu verfassen sowie eine passende schriftliche Bewerbung zu formulieren und bereiten ihn mit einem Interviewtraining (ggf. per Video) auf eine wirksame Selbstprsentation beim Vorstellungsgesprch vor. Sie zeigen ihm neue Wege der Stellensuche, wie beispielsweise die Zielgruppen-Kurzbewerbung per E-Mail. In der letzten Phase wird der Arbeitnehmer bei der Vereinbarung eines neuen Arbeitsvertrages untersttzt.

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 473 Arbeitsrecht im Betrieb 14 Rechte und Rechtstrger Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 474 Arbeitsrecht im Betrieb 14 Rechtsbeziehungen Privater Subjekte: Inhaber von Rechten Personen: Natrliche und juristische Personengesellschaften: GbR, OHG, KG Kapitalgesellschaften

Objekte: Gegenstand von Rechten Absolute Rechte: Schutz gegen jedermann Eigentum , Besitz, Urheberrechte Relative Rechte: Ansprche Vertrge: Begrnden Ansprche Vertragsfreiheit Vertrge mit standardisierten Regelungen Durch zwei bereinstimmende Willenserklrungen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 475 Arbeitsrecht im Betrieb 14 Rechtstrger Natrliche Personen BGB Volljhrigkeit 17 Vertretung 164 Handelsgesellschaften:Handelsregister A Offene Handelsgesellschaft OHG 131 HGB

Kommanditgesellschaft KG 161 HGB Juristische Personen: Handelsregister B Eingetragener Verein e.V. Gesellschaft mit beschrnkter Haftung GmbH Unternehmergesellschaft haftungsbeschrnkt UG Aktiengesellschaft AG Stiftung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 476 Arbeitsrecht im Betrieb 14 Rechnungslegung - Jahresabschluss Bestandteile: Bilanz

Gewinn- und Verlustrechnung Anhang Lagebericht Verffentlichungspflicht AG, GmbH &Co, 325 HGB: Bis Ende des Folgejahres Im Unternehmerregister = Internet Verkrzte Fassung Bedeutung fr : Handelsrechtliche Gewinnermittlung / -verteilung Steuererklrungen Insolvenzantragspflicht wegen berschuldung www.Unternehmerregister.de Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2012 www.ingendahl-rust.de 477 Arbeitsrecht im Betrieb 14 Jahresabschluss: Bilanz ______________________________________________________________________________________________________________________

Aktiva Passiva VermgensEigenkapital gegenstnde Verbindlichkeiten Rckstellungen Unterkapital - Pensionen www.unternehmerregister. de Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 478 Arbeitsrecht im Betrieb 14 Rechtstrger Ende Natrliche Personen Betreuung: Vermgensverwalter Tod: Erbrecht: Gesamtrechtsnachfolge Insolvenz: Liquidation+Verteilung an Glubiger,

Gemeinschuldner Restschuldbefreiung Handelsgesellschaften OHG + KG Beendigung und Liquidation Insolvenz Juristische Personen: Beendigung und Liquidation Insolvenz Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 479 Arbeitsrecht im Betrieb 14 Insolvenz: Insolvenzgrnde Zahlungsunfhigkeit 17 InsO berschuldung 19 InsO Insolvenzantragspflicht, 64 GmbHG:

Geschftsfhrer unverzglich, sptestens nach 3 Wochen Ablauf: Insolvenzantrag: Fremd- oder Eigenantrag Vorlufige Insolvenz + -verwalter Insolvenz-Erffnung: Vermgensabwicklung und Glubigerbefriedigung mit Quoten Beendigung: Lschung im Handelsregister Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 480 Arbeitsrecht im Betrieb 14 Insolvenz des Arbeitgebers Arbeitnehmerforderungen: Masseverbindlichkeit: Vorabbefriedigung, 53, 55 InsO Insolvenzforderung: Tabelle = Quote, 38 InsO Sonderkndigung Insolvenzverwalter, 113: Frist: 3 Monate, sofern nicht krzer Schadensersatzpflicht, S. 3

Bei Lohnausfall: Arbeitnehmer erhlt in den letzten 3 Monate Insolvenzgeld, 183 SGB III Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 481 Arbeitsrecht im Betrieb 14 Insolvenz des Arbeitgebers: Arbeitsverhltnis: besteht fort Kndigungsfrist fr Insolvenzverwalter: 3 Monate, 113 InsO Bei Lohnausfall: Arbeitnehmer erhlt fr die letzten 3 Monate Insolvenzgeld, 183 SGB III Arbeitgeber ist juristische Person: Nach Abwicklung des Vermgens Beendigung durch Lschung im Handelsregister 3echt und Arbeitsrecht, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 482 Arbeitsrecht im Betrieb 14 Lohnpfndung gegen AN: Glubiger des Arbeitnehmers: Anspruch gegen AN einklagen o. Mahnbescheid Vollstreckung aus Urteil: Lohnpfndung Drittschuldner: Arbeitgeber Pfndungsschutz: Absolut unpfndbare Bezge, 850 a ZPO Pfndungsgrenzen Arbeitseinkommen, 850 c ZPO Verschleiertes Arbeitseinkommen, 850 h ZPO Mehrere Pfndungen /Abtretung: Priorittsprinzip Arbeitgeber hat eigene Forderung gegen AN: Aufrechnung , 387, 389 BGB wenn Gegenseitigkeit bei Zustellung der Lohnpfndung Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

483 Arbeitsrecht im Betrieb 14 Arbeitnehmer: Privat-Insolvenz Vollstreckungsschutz Gehaltsabtretung, pfndbarer Anteil: fr 6 Jahre Wohlverhaltensfrist Auch verschleiertes Arbeitseinkommen, 850 h ZPO Abschluss: Restschuldbefreiung Beschluss des Insolvenzgerichts Lschung im Schuldnerregister des Amtsgerichtes bei Schufa fraglich? nderungskndigung zur Arbeitszeitverkrzung & Annahme durch AN: Wirksam trotz 81 InsO BAG 20.06.2013 6 AZR 789/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 484

Arbeitsrecht im Betrieb 14 Arbeitsrechtliche Compliance: Fortwhrende Anwendung aller einschlgigen Rechtsnormen Organisationspflichten: 30 OWiG 130 OWiG Begehung durch juristische Person Aufsicht htte Versto verhindert Strafrecht: 266 a StGB Abfhrung AN- Anteile Sozialversicherungsbeitrge 299 StGB Bestechlichkeit im geschftlichen Verkehr 20 StVG Zulassen des Fahrens ohne Fahrerlaubnis, auch fahrlssig Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 485

Arbeitsrecht im Betrieb 14 Arbeitsrechtliche Compliance: Schwerpunkte von Versten Arbeitszeitgesetz: Pausen & Ruhezeiten Teilzeitbeschftigte: Gleichbehandlung Allg. Gleichbehandlungsgesetz: Diskriminierung Arbeitnehmerberlassung: Scheinbarer Dienstoder Werkvertrag Arbeitsplatzsicherheit: VDE Unfallverhtungsvorschriften Berufsgenossenschaft Insolvenz- Sicherung: Arbeitszeitkonten Betriebsrenten

Einkaufsabteilung Vorteilsannahme Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 486 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Rechtswege & Rechtsmittel Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 487 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Rechtsweggarantie 3. Gewalt

Art. 19 IV GG: Grundrecht auf effektiven Rechtsschutz gegen ffentliche Gewalt Unabhngig von finanziellen Mitteln: Prozesskostenhilfe Verbot berlanger Verfahrensdauern Eilrechtsschutz Grundstzlich aufschiebende Wirkung von Widerspruch und Klage Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 488 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Rechtszge Berufung Revision Zivilgerichtsbarkeit Amtsgericht Landgericht nein Landgericht OberlandesG BGH Strafkammern Einschl. Familiengericht Handelsregister Strafkammern Insolvenzgericht Schffengericht Arbeitsgericht LandesarbeitsG BAG Sozialgericht LandesSozG BSozG

Finanzgericht BFH Verwaltungsgericht Oberverwaltungs-BVerwG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 489 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Arbeitsgerichtsgesetz Klage zu den Arbeitsgerichten: Notwendige Bestandteile: Klageantrag konkret, z.B. Zahlungsantrag Begrndung: Lebenssachverhalt mit allen Tatbestandsvoraussetzungen Anspruchsgrundlage Erhebung Schriftlich: Selbst oder Rechtsantragsstelle Rechtsanwalt, ggf. Prozesskostenhilfe bei Bedrftigkeit Hinreichenden Erfolgsaussichten

Hinweis an anwaltlich nicht vertretenen Partei auf Prozesskostenhilfe, 11 a Abs. 1 ArbGG Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 490 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Vortrags- und Beweislast Meist ist der Sachverhalt zwischen den Beteiligten streitig Im Prozess muss jeder den ihm gnstigen Sachverhalt / Anspruchsvoraussetzungen Substantiiert vortragen Bei Bestreiten beweisen Urkunden, Zeugen, Sachverstndige Arbeitsrecht: Bei konkreten Behauptungen des Arbeitnehmers muss Arbeitgeber auch Rechtfertigungsgrnde widerlegen Hufig fr Prozessausgang entscheidend

Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 491 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Klausur- Aufbau: Anspruch A gegen B Gutachten: Anspruchsgrundlage Prfung Tatbestandsvoraussetzungen B knnte A gem. 823 BGB zur Zahlung von Schadensersatz verpflichtet sein. B hat A verletzt B knnte gerechtfertigt sein. B msste schuldhaft gehandelt haben. Urteil: Ergebnis vorweg Begrndung: Aufbau wie Gutachten, jedoch B handelte auch rechtswidrig. Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 492 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Arbeitsgerichtsgesetz: Rechtsweg zu den Arbeitsgerichten: Urteilsverfahren, 2 ArbGG, zwischen Tarifvertragsparteien AGAN aus Arbeitsverhltnis, Freie Mitarbeit? Beschlussverfahren, 2 a, insbes. Betriebsverfassungsrechtliche Streitigkeiten Kein Kostenanspruch in 1. Instanz, 12 a rtliche Zustndigkeit: gewhnlicher Arbeitsort Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de

493 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Arbeitsgerichtsgesetz: Arbeitsgerichte: Gteverhandlung: Vorsitzender - allein Kammersitzung: - mit zwei Schffen - Laien Arbeitgeber + Arbeitnehmer Berufung zum Landesarbeitsgericht: Tatsachen- + Rechtsinstanz Vertretung durch Rechtsanwalt Revision zum Bundesarbeitsgericht: Nur Rechtsfragen Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 494 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Arbeitsgerichte: Verfahrensarten

1. Urteilsverfahren, 2, 46 ArbGG: Klagen aus Arbeitsvertrgen auf a) Leistung, insbes. Zahlung oder b) Feststellung eines Rechtsverhltnisses, insbes. Wirksamkeit einer Kndigung 2. Beschlussverfahren, 2a, 80 ArbGG: Betriebsverfassungsrechtliche Streitigkeiten 3. Einstweilige Verfgung: a)Verfgungsanspruch b)Verfgungsgrund: Endgltiger Rechtsverlust droht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 495 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Kndigungsschutzprozess Bestandsschutzklage wahrt (Verfall-) Fristen

fr davon abhngige Lohnansprche: Hemmung bis rkr. Entscheidung Kndigungsschutzklage Urteil: Bei Unwirksamkeit der Kndigung Annahmeverzug des Arbeitgebers, 615 BGB: schuldet Lohnzahlung ohne Arbeit Vergleich: Beendigung Arbeitsverhltnis Abfindung AN fr Verlust des sozialen Besitzstandes, 9, 10 KSchG: Faustformel: Pro Jahr Betriebszugehrigkeit 0,5 Monatsgehalt Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 496 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Rechtskraft Endgltigkeit richterlicher Entscheidungen Ziel: Rechtsfrieden und Rechtssicherheit Urteile sind abschlieend und endgltig zwischen den Parteien im Hinblick auf Streitgegenstand

Streitgegenstand: Sozialwirksamkeit einer ordentlichen betriebsbedingten Kndigung: Verbot einer Wiederholungskndigung bei identischem Kndigungssachverhalt BAG 20.12.2012 2 AZR 867/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 497 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Anfechtung Prozessvergleich Kndigung+ Abfindungsvergleich 8. Juni 2009 55.000 . Insolvenzantrag AG 9. Juni 2009 AG zahlt nicht. AN ficht Vergleich an. Ist das Arbeitsverhltnis wirksam beendet? 1. Rechtsnatur Prozessvergleich 2. Nichtigkeit gem. 134, 138 BGB 3. Anfechtung: a) Erklrungs- oder Inhaltsirrtum b) arglistige Tuschung, 123 BGB: Bei Kenntnis von

der Vorbereitung des Insolvenzantrages 4. Wesentliche nderung der Geschftsgrundlage, 313 BGB BAG 11.07.2012 - 2 AZR 42/11 Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 498 Arbeitsrecht im Betrieb 15 Arbeitnehmerhnliche Personen: Arbeitsrechtliche Bestimmungen grds. nicht anwendbar Ausnahmen: 5 ArbGG: Rechtsweg ArbeitsG 2 BUrlG: Urlaubsanspruch Leitende Angestellte Betriebsverfassung: Sprecherausschussgesetz Tarifrecht, 12 a TVG: Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014

www.ingendahl-rust.de 499 Arbeitsrecht im Betrieb 15 GmbH-Geschftsfhrer: Sozialversicherungspflicht Dienste in fremdbestimmten Arbeitsverhltnis oder Risiko wie selbstndiger Gewerbetreibender: 1.Gesellschafterstellung: a) Auf Gesellschafterversammlung Mehrheit / mindestens Sperrminoritt in wesentlichen Angelegenheiten b) Alleinige Fachkompetenz c) Risiko aus Gesellschafterdarlehen o. Brgschaft 2. Handhabung wie Arbeitsverhltnis: a) Urlaub: Absprache / Festlegung b) Lohnfortzahlung bei Krankheit Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 500

Arbeitsrecht im Betrieb 15 GmbH-Geschftsfhrer: Rechtsweg fr Kndigungsschutzklage 1. Geschftsfhrer in Doppelfunktion als : - Organ: Geschftsfhrer Kraft Bestellung durch Gesellschafterversammlung: - Dienstverhltnis + -vertrag Rechtsweg: Landgericht 2. Auerhalb Zeiten der Bestellung zum Geschftsfhrer: Arbeitsgericht Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 501 Arbeitsrecht im Betrieb 15 RechtsmittelSozialgerichtsgesetz Bescheid LVR: mit Rechtsmittelbelehrung Widerspruch binnen eines Monats, 83 ff SGG Durch Arbeitgeber gegen Ablehnung Behinderten gegen Zustimmung

Keine aufschiebende Wirkung, 88 IV SGB IX: Bei Zustimmung Kndigung ggf. Kndigungsschutzprozess parallel Widerspruchsbescheid (Anfechtungs-) Klage zum Sozialgericht: Jeweils Innerhalb Monatsfrist Berufung zum Landessozialgericht Revision zum Bundessozialgericht (Kassel) Arbeitsrecht im Betrieb, Sommersemester 2014 www.ingendahl-rust.de 502

Recently Viewed Presentations

  • Chapter Three Classical India - UHS AP World History Class

    Chapter Three Classical India - UHS AP World History Class

    Castes were referred to as "colors" or varna Explained by a creation myth Sacrifice of Purusha and division of body led to castes 1) Mouth: brahmins 2) Arms: Kshatriya 3) Legs: Vaisya 4) Feet: Sudra Harijan - Untouchables, "outside" of...
  • The Literature Review Six Steps to Success

    The Literature Review Six Steps to Success

    A literature review is a written document that presents a logically argued case founded on a comprehensive understanding of the current state of knowledge about a topic of study. This case establishes a convincing thesis to answer the study's question.
  • Choose Your Own Poet Project - Weebly

    Choose Your Own Poet Project - Weebly

    This juxtaposition is drawn out in powerful imagery throughout the poem: "They think of firelit homes, clean beds and wives/ I see them in foul dug outs, gnawed by rats". (8-9) I also chose this poem because beds are specifically...
  • Philosophy 190: Plato Fall, 2014 Prof. Peter Hadreas

    Philosophy 190: Plato Fall, 2014 Prof. Peter Hadreas

    If Harmodius was indignant at this, Aristogiton for his sake now became more exasperated than ever; and having arranged everything with those who were to join them in the enterprise, they only waited for the great feast of the Panathenaea,...
  • Postclassical India - newsome.mysdhc.org

    Postclassical India - newsome.mysdhc.org

    Postclassical India. Political fragmentation. India was mostly decentralized through most of the post-classical age, though it exerted strong economic and cultural influences across south and southeast Asia. caste system and Hinduism in south Asia.
  • 403221 เคมีอินทรีย์

    403221 เคมีอินทรีย์

    การเรียกชื่อแอลเคน (alkane) IUPAC (International Union of Pure and Applied Chemistry) ชื่อสามัญ (common name) ชื่อสามัญ (common name) แอลเคนที่เป็นไอโซเมอร์กัน จะมีคำนำหน้าชื่อเพื่อ ...
  • The transformation of labour law Catherine Barnard Trinity

    The transformation of labour law Catherine Barnard Trinity

    Flexicurity policies are the best instrument to modernise labour markets: they must be revisited and adapted to the post-crisis context, in order to accelerate the pace of reform, reduce labour market segmentation, support gender equality and make transitions pay. 'the...
  • Cataloging Individual Oral History Interviews

    Cataloging Individual Oral History Interviews

    Citation (MARC 510)—refer to other works that index, describe, cite, etc. the interview(s) Preferred form of citation (MARC 524)—of the interview(s) themselves. Publications (MARC 581)—cite works based on the interview(s)